Ausgabe 
28 (4.10.1868) 40
 
Einzelbild herunterladen

300 Millionen Dollars. Die eigentliche Quelle des Erdbebens ist noch nicht ermittelt,die Bewegung desselben war von Norden nach Süden.

Von Jquique liegen nach der Angabe gcflüchtetcr Augenzeugen drei Viertel inRuinen, viele Leben gingen verloren, Hunger und Durst droht die tleberlebenden aufzu-reiben. Der Schaden der deutschen Firma Gildemeister und Comp. allein wird auf300,000 Dollars ange'chlagen Das Erdbeben dauerte daselbst beinahe 5 Minuten , dieSee drang drei Viertel englische Meilen in's Land.

A rica, das 7000 Einwohner zählte, hat kein wohnbarcs Haus mehr; so furchtbarwar der Drang der hereinbrechenden Mcerfluth, daß die Kanonen der Slrandbattericnweit in's Land geworfen wurden, wo sie jetzt im Sande begraben liegen. Der DampferFredouia ging mit aller Mannschaft bis auf zwei unter, die Brigg Chanarcillo verloracht, die Barke Amerika 42 Mann, während der auf den Strand geschleuderte DampferWatcrce nur ein Leben zu beklagen hatte. Eisenbahnschwellen und Wagen, Maschinen,Kanonen, Karren, Hausgeräth, Kindcrzeug, Kisten und Kasten, todtes Bich und ver-stümmelte Körper bedecken in wilder Unordnung die Straßen. In Tacna sieht es nichtbesser aus. Zu dem Erdbeben gesellte sich die Fcucrsbrunst, die verzehrte, was jenesniedergeworfen.

Eine wunderbare Rettung erfuhr der Dampfer Santiago von der Pacific - Dampf-schifffahrts - Gesellschaft, der sich am 13tcn in dem Hafen von Chala befand.Wirankerten sicher in der Bay," schreibt der Capitän,als wir plötzlich einen Stoß fühlten,als ob wir auf einen Felsen getrieben wären. Bestürzt kamen die Passagiere zu mir,um nach der Ursache zu fragen; da spürten wir eine neue Erschütterung, die das ganzeSchiff schwanken und beben machte, als wäre es aus Gummi, Alle verloren das Gleich-gewicht und sielen auf das Deck. Ich wollte unserem Agenten ein Gläschen Brandy undWasser mischen, um ihn zu stärken, da rissen unsere Ankerketten wie Zwirnfäden, dasWasser drängte seewärts und riß uns mit sich fort. Da wir noch Dampf hatten, sosuchte ich denselben zu benutzen, um die hohe See zu gewinnen; aber im nächsten Augen-blicke faßte uns eine unermeßliche Woge, schleuderte uns widerstandslos nach der Küste,trug uns über eine Klippe hinweg und setzte uns in den jenseitigen Kanal. Von hieraus gelang es uns, fortzukommen.

Briefe aus Guayagnil vom 26. August bestätigen, daß ein Erdbeben am 16tendie Städte Jbara, Atuntaqui, Jmantad u. s. w in Trümmer legte. An der Stelle vonCotocachi ist jetzt ein See; die Bewohner dieser Stadt, sowie die von Jbara und Oto-vale sind fast ohne Ausnahme umgekommen. Quito ist ziemlich verschont, aber die be-nachbarten Orte Pcrncho, Puellaro und Cachiguanjo sind fast ganz vernichtet. Manschätzt die Zahl der Umgekommenen in dieser Gegend auf 20,000. Am 19len spürteman zu Quito abermals Erdstöße in Unterbrechung von einigen Stunden. Einige schrie-ben sie dem Vulkan Agualongo, andere dem Cayambe zu. Zu Guayaquil bemerkte maudie Erdstöße vom 13. bis 16. August.

Ueber Kindergärten.

* Wir haben in der Postzeitung wie wohl öfter doch bisher vergeblich die Bittegestellt, man möchte uns von fach- und fachkundige Hand gütigst einen einläßlichenBericht über diese moderne Einrichtung zukommen lassen; wir gestatten uns auf diesemWege noch einmal darum zu bitten. Wir gestehen offen, daß die Hände in denen sich dieseEinrichtung bisher befunden und von denen sie ausgegangen, nicht gerade Vertrauen ein-flößen und es liegt am Tage, daß diese Kindergärten wenigstens dazu benützt werden

können, die heranwachsende Generation noch vor der Dressur in der Anociless

nclio»! in dieselben Hände zu bekommen, aber ignorirt dürfen diese Einrichtungen

durchaus nicht werden und etwaigen schädlichen Tendenzen, wird gewiß nur dadurch am