Ausgabe 
28 (11.10.1868) 41
 
Einzelbild herunterladen

325

und rothe Linien, Kupfer eine große Menge Heller Linien in allen Farben über das ganzeSpektrum vertheilt. Alle diese Linien treten immer an ganz bestimmten Stellen und i«denselben Distanzen von einander auf. Sind verschiedene Salze in der Flamme, so sindauch ihre verschiedenen Spektren gleichzeitig sichtbar, und zwar jedes vollständig in seinenbestimmten, ihm ungehörigen Linien. Man sieht also leicht ein, daß man auf diese Er-scheinungen ein Verfahren gründen kann, um sofort die Bestandtheile einer Verbindungangeben zu können, die fähig sind, ein solches Linienspektrum zu liefern. Dieses Verfahren,von Bunsen und Kirchhofs erfunden und von ihnen Spektral-Analyse genannt,besitzt eine außerordentliche Empfindlichkeit. Man kann dadurch noch Quantitäten einesStoffes nachweisen, die so gering sind, daß keine chemische Analyse sie je gefunden habenwürde. So läßt sich z. B. noch der fünfzchnmillionste Theil eines Lothes Kochsalz nach-weisen. Wenn man etwas Kochsalz in einem Zimmer verpufft, so zeigt jede Flamme indem Zimmer in ihrem Spektrum die charakteristischen gelben Linien. Man fand auchdurch die Spektral-Analyse, daß Lithium, ein Alkali'Metall, welches man für äußerst seltenhielt, fast allgemein auf der Erde verbreitet ist, wenn es auch in so kleinen Quantitätenvorkommt, daß es bisher der chemischen Untersuchung entging, z. B. in der Cigarrenasche.Ja, Bunsen entdeckte durch dieses Verfahren zwei neue Elemente, Cäsum und Rubidium,deren Dasein man vorher wegen ihres äußerst geringen Vorkommens nicht ahnte. DieFlamme gab von ihrem Dasein Kenntniß, und es gelang dann auch, sie aus Mineral-wasser, und zwar aus einer sehr großen Menge desselben, in geringer Quantität darzu-stellen. Ebenso bat man das Thallium auf diese Weise entdeckt. Wie hängen nun dieseEntdeckungen mit den Frauenhofcr'schen Linien im Sonnenspektrum zusammen? Betrachtenwir das Spektrum eines mit Flammen brennenden Körpers, z. B. von Kochsalz für sich,ohne Hinzulaffung eines andern Lichts in dem Spektralapparat, so sehen wir, wie bemerkt,zwei dicke gelbe Linien. Lassen wir nun Sonnenlicht hinzutreten, so verschwinden diegelben Linien, aber genau an ihrer Stelle treten in dem gelben Theil des Sonncnspcktrumszwei Frauenhofer'sche Linien dunkler als sonst hervor. Bei den Spektren vieler anderenSalze sehen wir dieselbe Erscheinung; ihren sämmtlichen farbigen Linien entsprechen imSonnenspektrum genau an denselben Stellen Frauenhofer'sche Linien, die, wenn beideSpektra, das der Sonne und das des betreffenden Salzes, zusammen betrachtet werden,schärfer hervortreten. Machen wir ferner folgenden Versuch: wir bringen einen irdischenfesten Körper, z. B. ein Stück Kreide, in einem sogenannten Knallgasgebläse in heftigesGlühen, so erhalten wir eines der stärksten künstlich darstellbaren Lichter. Dieses Licht,durch das Prisma zerlegt, zeigt uns ein Farbenspektrum ohne Linien. Setzen wir aberdiesem Lichte ehe es ins Prisma fällt, eine Flamme, in welcher Kochsalz enthalten ist, inden Weg, so können wir, genau an derselben Stelle, wo im Sonnenspektrum sich zweidunkle Linien befinden würden, dieselben dunklen Linien an diesem vorher linienloscnSpektrum bemerken. Dasselbe geschieht, wenn wir irgend ein anderes Salz in einerFlamme dem Lichte deS Knallgasgcbläses in den Weg setzen. Wir sehen dann immerauf dem vorher linienloscn Farbenspektrum, genau an den Stellen, wo daS Spektrum derbetreffenden Flamme farbige Linien zeigen würde, jetzt dunkle Linien. Und so müssendenn auch Frauenhofer'sche Linien in dem Sonnenspektrum entstanden sein. Wir stellenuns demnach die Sonne als einen weißglühenden, festen oder flüssigen Körper vor, um-geben von einer Atmosphäre, die bei der überaus hohen Temperatur der Sonne Stoffein Gasform enthält, welche auf unserer Erde in gewöhnlichem Zustande nur fest oderflüssig vorkommen. Diese gasförmigen Körper sind glühend, also flanuncnförmig, würdenalso für sich auS farbigen Linien bestehende Spektra erzeugen. Hinter diesen linienartigenSpektren befindet sich aber das kontinuirliche Sonnenspektrum, und deshalb erscheinen unsdie Linien nicht mehr farbig, sondern dunkel, als Frauenhofer'sche Linien. Die Stoffealso, deren Flammen uns Spektra in farbigen Linien zeigen, denen im SonnenspektrumFrauenhofer'sche Linien ganz genau entsprechen, müssen in der Sonncn-Atmosphäre enthalte«