Ausgabe 
28 (11.10.1868) 41
 
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sein Sittcnzeugniß, den Paß, ein Billet an die Beamten der Mauth in Berlin und5 Friedrichsd'or einhändigte. Dann führte er den Beschenkten vor das Schloß, wo ei»sechsspänniger Proviantwagcn hielt, und gebot dessen Führer, den Candidaten nach Ber-lin zu bringen, aber ja kein Trinkgeld von ihm anzunehmen.

In der Hauptstadt angelangt, begab sich Olcarius sofort auf die Mauth , wo daskönigliche Handbillet sehr lange Gesichter hervorbrachte und die Veranlassung wurde, daßder Candidat für die confiscirten Sechstel 400 Thaler in guten vollgültigen Münzsortenausbezahlt erhielt, für welche er sich sofort Kammerscheine erkaufte und dann am nächste»Morgen, von heißer Sehnsucht nach der Geliebten gequält, mit der Post abzureisen beschloß.

Als der Magister am folgenden Tage nach seiner Rechnung im Hotel frug, erhielter den Bescheid, es wäre schon Alles berichtigt. Wohl ahnend, wer auch da seine offeneHand im Spiele gehabt, dankte unser Candidat im Stillen Gott und dem Könige fürihre Güte und Gnade, und verließ dann eine Stadt, wo ihn im Anfang das Unglückzu vernichten gedroht, und wo nun zum Schlüsse sich doch noch Alles zu seinem Bestengelenkt hatte.

(Fortsetzung folgt.)

Die Spektralanalyse und ihre Anwendung auf das Sonnenlicht.

Zu den kürzlich mitgetheilten Nachrichten über die Schicksale der deutschen Expeditionzur Beobachtung der Sonnenfinstcrniß am 18. August fügen wir als Ergänzung hinzu,waS ein Artikel der Elberf. Ztg. über den wissenschaftlichen Zweck und das muthmaßlicheErgebniß jener Beobachtung beibringt. Der Artikel beginnt mit einer Belehrung überdie sogenannte Spektralanalyse. Jedermann weiß, daß, wenn man farbloses Lichtez. B. das Tageslicht, durch ein Glasstück gehen läßt, welches gegen einander geneigt,Flächen hat, Farben sichtbar werden, und zwar die sogenannten Negenbogenfarbcn. Ver-mittelst eines optischen Apparats, den man Spektroskop nennt, ist es möglich, eineneinfachen farblosen Lichtstrahl in eine Skala der sämmtlichen Regenbogenfarben zu zerlegen.Man gewahrt alsdann in dem Apparat einen farbigen Streif, der in derselben Reihenfolgewie der Regenbogen die Farben Roth, Orangegelb, Grün, Hellblau, Dunkelblau, Violettzeigt, und den man Spektrum nennt. Außer den Farben sehen wir aber in demSpektroskop noch eine andere Erscheinung. Wir bemerken nämlich, daß das Spektrumvon schwarzen senkrechten Linien durchbrochen ist Schon Wollaston hatte im Jahre 1802zwei der stärksten dieser Linien beoachtet. Später zeigte Fraunhofer, daß 600 vorhandenseien; nach ihm nennt man die Linien noch jetzt die Fraunhofer'schen L inien. Mitunsern jetzigen Mitteln hat man deren bereits 3000 gezählt. Die Frauenhofcr'schen Liniengehören znr Natur des Sonnenlichtes, während sie in dem Spektrum einer andern weißenLichtquelle nicht zu finden sind. Jeder irdische, weißglühende, feste oder flüssige Körpergibt ein Licht, welches, in einem Spektroskop zerlegt, ein sogenanntes kontinuirlicheSSpektrum zeigt, das alle Farben von Roth bis Violett ohne die geringste Unterbrechungoder Qucrlinie enthält. Anders verhalten sich dagegen die leuchtenden gasförmigen Körper,d. h. die Flammen. Läßt man z. B. in einer Alkoholflammc etwas Kochsalz verbrennenund betrachtet dann das Spektrum dieser Kochsalzflamme durch ein Spektroskop, so bemerktman keine kontinuirliche Reihenfolge von Farben, sondern nur zwei senkrechte, dicht beieinanderliegende gelbe Linien (durch ein schwächeres Spektroskop nur eine Linie). Nimmtman statt des Kochsalzes ein anderes Salz, z. B. ein Strontiansalz, so sieht man mehrereLinien, und zwar hauptsächlich rothe und noch einige schwächere in anderen Farben. Ent-hält die^Strontianflamme auch noch Kochsalz, so bemerkt man außer den Linien des StrontianSauch noch an ihrer ganz bestimmten Stelle die beiden Linien des Kochsalzes. Ebenso hatjedes andere Salz, in einer Flamme verbrannt, sein bestimmtes, auS Farbenlinicn be-stehendes Spektrum; so geben z. B. Kalkverbindungen verschiedene orangefarbene, grüne