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geben. Derselbe war wohl damit einverstanden, doch forderte eS der Anstand, die Zu»stimmung der Gastfreunde zu erhalten. Hr. Meric wandte sich an den Pater Speise-meister, der die Verantwortung ablehnte. Man appellirte an den Pater Provincial mitgleichem Erfolg. Vom Pater Provincial abgewiesen, ließ sich Hr. Meric zum PaterCoadjutvr führen, doch auch da fanden seine Bitten taube Ohren. Es blieb nur nochdie höchste Instanz, der Pater General übrig. Nun wohlan, sagte Meric, so führe manmich zum Pater General. Dieser vernahm das sonderbare Begehren mit lächelnderMiene. „Sie sind also Opernsänger," erwiederte er ihm. „Ja, Ew. Hochwürden."„Auch wir sind hier Opernsänger. Opera heißt die Werke. Alle Nächte von 12 bis3 Uhr versammeln wir uns im Chor, um die Opera Gottes zu singen, d. h. die Werkeseiner Größe und seiner Barmherzigkeit. Wir haben auch unser Orchester: der Wind,der im Walde stürmt, das Brausen des Stromes, den Donner der Lawinen. Auch anZuhörern fehlt es nicht, es sind die Engel, die unser Gebet zum Throne Gottes empor-tragen. Gehen Sie, mein Sohn, singen Sie nur zu, ich gestatte es Ihnen, ich kennekeinen Punkt unserer Regel, der es verböte."
(Das niesende Standbild.) Von dem kürzlich in einem Irrenhause ver-storbenen Schauspieler Dotter, der sowohl in Wiener und Berliner Thcatcrkreisen, alsauch in Stuttgart sehr bekannt war und Reminiszenzen aus seinem Leben meisterhaft zuerzählen wußte, erzählt man sich einen ergötzlichen Schabernack, den er einem Collegenspielte, in nachfolgender Weise: Er war mit einem gegenwärtig in Magdeburg alsWeinhändler lebenden ehemaligen Bassisten engagirt, und eines Abends spielte dieser denKomthur im „Don Juan." Nun ist aber der genannte Bassist ein leidenschaftlicherSchimpfer, und aus diese Leidenschaft hatte Dotter einen schwarzen Plan gebaut Inder Kirchhofsscene, wo der Komthur, hoch zu Roß, den Marschallsslab in der Handals „steinernes Gebilde" erscheint, kam der Plan zur Ausführung. Dotter, eine Dosemit Nieswurz in der Hand, stellte sich da auf, wo sein Kunstcollege vorüber mußte, umsein steinernes Roß zu besteigen; als Letzterer nun den mit größtem Behagen eine Prisezur Nase führenden Dotter erblickte, griff er ebenfalls in dessen Dose, versorgte seineNase reichlich und nahm dann seinen Platz ein. Jetzt erscheint Lcporello, wendet sich mitseiner Einladung an das Steinbild, stutzt aber nicht wenig, als er im krampfhaft ver-zerrten Gesichte dessen Kampf mit den Wirkungen der Nieswurz wahrnimmt. Der Reizwird immer größer, die Anstrengungen, einen Ausbruch zurückzuhalten, immer verzwei-felter, endlich aber ist die Wirkung des Reizmittels so überwältigend, daß das Steinbildzum anfänglichen Erstaunen, späteren hohen Gaudium des Publikums in ein ununter-brochenes „Hatschis! Hatschi!" ausbricht. Der Vorhang muß unter unauslöschlichemGelächter der Zuschauer fallen. Der Director versucht umsonst den wüthenden Komthurwegen des Vorfalles zur Rede zu stellen; einzelne Flüche, von fortwährenden „Hatschis"unterbrochen, sind die ganze Antwort, die er erhält. Inzwischen hat Dotter den Inhaltseiner Dose fortgcfchüttet und mit unschuldigem Tabak vertauscht, der denn auch, auf dieAnklage des wüthenden Bassisten von der Direction und Sachverständigen untersucht, alsunfähig, ein solches Niesen zu erzeugen, befunden wird. Erst lange Zeit später hat Dotterdiesen von ihm gern erzählten Streich seinem Collcgcn offenbart und dessen Verzeihungerhalten. Dieser gerieth aber noch nach Jahren in Wuth, wenn ihm ein College „HelfGott!" zurief.