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(Wetterpropheten.) Billiger, wie alle künstlichen Wetteranzeigcr, gibt derBlutegel einen trefflichen Barometer ab, wie dies Jedermann prüfen kann. Man wirsteinen oder mehrere dieser Thiere in eine gläserne mit Wasser gefüllte Flasche und wirdfinden, daß der Egel bei Veränderung der Atmossphärc seine Lage verändert. Bei hei-lerem, schönen Wetter bleibt er auf dem Boden der Flasche ohne Bewegung und in einerSchncckenlinic gekrümmt liegen. Wenn es regnen will, steigt er einige Stunden vorherbis zur Oberfläche des Wassers in die Höhe und bleibt daselbst so lange liegen, bis sichdas Wetter anläßt, wieder schön zu werden. Wenn es windig werden will, durchläufter das Gefäß mit großer Geschwindigkeit und hört nicht eher auf, bis der Wind zuwehen angefangen hat. — Wenn ein Donnerwetter einfallen will, so befindet sich derBlutegel mehrere Tage hindurch beständig außer dem Wasser, ist unruhig, und erleidetheftige Convulsionen und Zuckungen. Den Winter hindurch bleibt er beständig auf demGrunde der Flasche in einer Schneckcnlinie gekrümmt. Bei Regen und Schnee nimmter seinen Sitz an der Mündung der Flasche. — Diesen nur der Wettcranzcige wegeneingesperrten Egeln darf man im Sommer wöchentlich nur einmal frisches Wasser geben.Im Winter bedürfen sie alle 14 Tage einer Veränderung des Wassers.
(Zur Geschichte der Wurst.) Schon bei den alten Griechen nnd Römern istdie Wurst eine beliebte Speise gewesen. Aus der griechischen Benennung der Wurst,welches Wort an nllium, Knoblauch, erinnert, scheint hervorzugehen, daß die AltenKnoblauchwürste fabricirt haben. Auch bei den Römern erzählt Martial und Seneca vom I><>l»Iiii'iii8 oder Wursthändlcr. Die Blutwurst scheint zuerst zur Zeit des morgen-ländischen Kaisers Leo IV. (886 — 911) das Licht der Welt erblickt zu haben. GenannterKaiser eriuß nämlich gegen dieses harmlose Fabrikat folgenden, wahrhaft blutmürstigenErlaß: „Wir haben in Erfahrung gebracht, daß die Menschen geradezu so toll gewor-den sind, theils des Gewinnes, theils der Leckerei wegen, Blut in eßbare Speisen zuverwandeln! Es ist uns zu Ohren gekommen, daß man Blut in Eingeweide, wie inSäcke, einpackt, und so als ein gewöhnliches Gericht dem Magen zuschickt. Wir könnennicht länger ausstehen und zugeben, daß die Ehre unseres Staates durch eine so frevel-hafte Erfindung blos aus Schlemmerei sreßlnstigcr Menschen geschändet werde. WerBlut zur Speise umschafft, er mag nun dergleichen kaufen oder verkaufen, der werde hartgegeißelt und zum Zeichen der Ehrlosigkeit bis auf die Haut geschoren. Auch die Obrig-keit der Städte sind wir nicht gesonnen, frei ausgehen zu lassen; denn hätten sie ihrAmt mit mehr Wachsamkeit geführt, so wäre eine solche Unthat nie begangen worden.Sie sollen (jetzt kommt die Moral) ihre Nachlässigkeit mit 10 Pfund Goldes büßen." —Da noch heute die Blutwurst nicht ausgcstorben ist, scheint doch dieses furchtbare Ediktden allcrunterthänigsten Unterthanen sehr — „Wurscht " gewesen zu sein!
Charade.
(Dreisilbig.)
Durchsichtig sind die Ersten, wie das Zweite,Und dennoch von einander so verschieden;
Die beiden Ersten biet' ich dir im Zweiten,Als Labsal sind sie uns von Gott bcschiedcn.Doch wenn das Zweite leichten Schaden nahm.Das dir wohl gar von lieben Händen kam,
So magst du ohne Zaudern und Verweilen,Ihn mit dem Ganzen wieder sorglich heilen.
Auflösung der Charade in Nr. 38:
„Saumseligkeit."
Druck, »«lau »üb Rebalttoa be« Itterarischeu Institut« von vr. M. Huttl».