Ausgabe 
28 (18.10.1868) 42
 
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In Lima war der Schaden vergleichsweise gering und kamen die Einwohner meistensmit dem Schrecken davon.

Der ganze Verlust an Menschenleben durch diese Erdbeben vom 13ten bis zum17ten wurde auf 30 60 Tausend geschätzt.

Der ganze Verlust an Eigenthum war auf 300,000,000 fl. veranschlagt.

Ueber 400,000 Menschen sind obdachlos.

Fünfzig große Städte und über 200 Dörfer und kleinere Ortschaften sind irrSchutt verwandelt.

Die ausgedehnten Mineral-Regionen von Huancavelica, Peru , sind gänzlich ver-heert; und der Ackerbau zerstört.

Fabrik- und andere Produktions-Geschäfte haben einen noch nie dagewesenen Stoßerlitten.

Tausende von Tausenden Werth an Waaren sind fortgeschwemmt und sonst zerstörtund die meisten Kaufleute sind bankerott.

Miseelleri.

Ein Haydn 'sches Quartett hat viel Ähnlichkeit mit einem Gespräch von vierPersonen, erzählte kürzlich ein alter Junggeselle und leidenschaftlicher Verehrer des großenMeisters. Die erste Violine klingt wie die Worte eines beredten geistreichen Mannes inseinen besten Jahren, der ein Thema aus's Tapet gebracht hat und sich darüber gründ-lich ausspricht. Die zweite Violine ist ein Freund des ersteren, und gibt sich die größteMühe, durch Zustimmen die Worte des Freundes zu unterstützen, denkt niemals an seineeigene Meinung aus Selbstaufopferung, und fördert ebenso wenig eine Idee zu Tage.Der Alto ist ein würdiger, gebildeter, alter Herr. Er macht die Rede der ersten Violinedurch lrcffende lakonische Bemerkungen pikant, ohne je die Harmonie zu stören. DerBaß aber ist eine ehrbare alte Dame, die viel Neigung zum Schnattern verräth, niemalsetwas von Wichtigkeit sagt, aber jeden Moment benutzt, ein Wort mitzureden; nichtsdesto weniger erhöht sie den Reiz der Unterhaltung, denn während sie ihrer Zungefreien Lauf läßt, haben die Anderen Zeit, Athem für künftige Bemerkungen zu schöpfen.

(Griseldis.) Dieses Halm'sche Drama wurde an einem Stadttheatcr zum erstenMale gegeben. Ein etwas zerstreuter Schauspieler hatte dem nahenden Timarchen ent-gegenzurufen:Hier naht der Timarch mit den Tectosagen!" Bei der Aufführungverließ den Unglücklichen in der Mitte dieses kurzen Satzes das Gedächtniß. Den Todes-schweiß auf der Stirne, nahte er rückwärts dem Souffleurkasten, nachdem er die erstenpaar Worte:Hier naht der Timarch" mit großem Pathos herausgestoßen hatte.Der Souffleur schrie fast, um das Ohr des Schauspielers zu erreichen, wiederholt:mitden Tectosagen! mit den Tectosagen!" so faßt sich denn der Schauspieler, setzt noch-mal zum ganzen Satze an und brüllt unerschrocken in das Publikum hinunter:Hiernaht der Timarch mit Respekt zu sagen!"

(Scheibenschießen.) Ein Hauptmann, welcher seine Compagnie nach derScheibe schießen ließ und in Feindes Lande zu diesem Zwecke die Scheibe an einaltes Scheunthor hatte befestigen lasten, wurde über einen seiner Leute sehr entrüstet, weiler stets nicht nur die Scheibe, sondern sogar das Scheunthor fehlte. Nachdem alleAnweisungen und Mühen verschwendet waren, und der Rekrut immer wieder dasScheunthor fehlte, bedrohte ihn der Capitain mit harter Strafe. Der Rekrut, einWende, darüber sehr betreten, sagte darauf:Sei nur nich' böse, mei Herr Hauptmann,komm' sich doch Feinde nich' alle zu Scheunthor 'raus, komm sich o welche hintenrum,die trefft ich!"

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