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erreichten,' aber Manche auch nicht. Die Straßen boten ein schreckliches Schauspiel dar.Alle Gebäude der Stadt zitterten wie vom Fiebcrschütteln Befallene. Dann hoben undsenkten sie sich und einige brachen mit lautem Getöse zusammen. Die Erde öffnete sichstellenweise in langen, fast gleichen Streifen; mit Oeffnungen von drei bis vier ZollBreite. Das Gefühl war gerade wie von einem unter der Erde hinrollenden Gegen-stände. Aus den Oeffnungen drang trockener Staub, gefolgt von erstickendem Gase.
Bald bedeckte eine dicke Staubwolke die Stadt, das Tageslicht ausschließend, zwischender Staubwolke und der Erde war nur das erstickende Gas, welches Alle erstickt habenwürde, wenn es länger angedauert hätte. Die Erschütterungen waren drei an der Zahl,wovon eine immer stärker war als die vorhergehende. Sobald als die Erschütterungenaufhörten, verzog sich der Staub und das Gas, und es wurde wieder helle. Darauffolgten kurz aufeinander Stöße, welche von unterirdischen Explosionen herzurühren schienen.
Aus allen Theilen der Stadt flüchteten sich die Bewohner nach den Bergen; hin-weg von der gefahrdrohenden Nähe der Häuser, welche jeden Augenblick zusammenfallenkonnten.
Die Menschen taumelten wie Betrunkene von einer Seite auf die andere, währendeinige von den fallenden Trümmern erschlagen oder verletzt wurden.
Biete hatten Kinder auf den Armen. Andere schleppten Wertsachen mit, undViele, die sie umgebenden Schrecken vergessend, benutzten die Confusion, sich durch Weg-tragen von Kostbarkeiten rc. zu bereichern.
Draußen auf der See thürmten sich die Wasser zu einem Anlauf, der vollständigeZerstörung der Stadt herbeiführen sollte.
Aufgehoben durch die fürchterlichen Convulsionen, zeigten sich dieselben als eineungeheure Welle von 40 bis 50 Fuß Höhe und stürmten gegen die Bucht. Der Anblickwar zugleich grauenhaft und erhaben. Als sie gegen das Ufer donnerte, riß sie Schiffeaus ihren Ankergründen, indem sie dieselben abriß, als wären eS Papicrschnüre. Mitzwanzig bis dreißig Kriegs- und Kaufsartheischiffen auf ihrem Gipfel stürzte sich diesemächtige Woge auf das Festland. Halb Arica nebst Vorstädten wurde darunter begraben.
Was noch gestanden hatte, wurde von diesem Element verschlungen; so daß auchnicht die Spur eines Hauses als ein Erinnerungszeichen zurückblieb.
Fünfhundert Menschen fanden den Tod in den Trümmern der eingestürzten Gebäudeund den Fluthen der erregten See.
Unter den öffentlichen Gebäuden war das Zollhaus mit einem Waaren-Vorrath imWerthe von 4,000,000 Dollars. Das Vorrathsschiff der Vereinigten Staaten („Fre-donia") ging mit 1,800,000 st. Werth-Waaren unter und verlor seine ganze Mannschaftvon 30 Personen. Der BundcSdampfcr „Wateree" wurde, ohne große Beschädigungenzu erleiden, eine halbe Meile weit aus's Land geschleudert; und ist nicht mehr flott zumachen. Andere Schiffe aller Nationen sind auf ähnliche und andere Art zerstört worden.
Das Steigen des See zu Jquique kostete 600 Menschen das Leben und zerstörtedie Stadt. Eine deutsche Firma verlor 400,000 fl.
Fünfzehn bis zwanzig Städte und Ortschaften wurden mehr oder weniger verheert.Die Bürger von Jquique haben kein Trinkwasser, da sie auf den Gebrauch von destillir-tem Master beschränkt waren und ihre Destillationswerke nun zerstört sind.
In Chala wurde der meiste Schaden durch das Master angerichtet. Viele Gebäudewaren beschädigt aber keines eingefallen. Die Woge riß beim Zurücktreten das Zollhausund viele andere Gebäude mit sich und ließ ihre Spur auf einer Strecke von über1000 Fuß hinter der Linie des gewöhnlichen Wasterstandes zurück.
Arequipa , eine Stadt von 119,000 Einwohner, ist gänzlich zerstört. Die Stadt istschon 300 Jahre alt, und war eine der schönsten Peru's. Es wird behauptet, daß500 Jahre die Stadt nicht wieder so herstellen könnten, wie sie vor der Katastrophe war.