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und Chili scheinen, so weit man erfahren hat, am meisten durch die Katastrophe gelittenzu haben. Von Bolivia und der Argentinischen Republik sind noch keine Nachrichteneingelaufen und Seeleute, welche in Peruvianischen Häfen eingelaufen sind, berichten vonungeheuren unterseeischen Wallungen, von welchen ihre Schiffe auf hoher See umhergc-schleudert wurden. In der Nacht vom 12. August hörten die Bewohner von Talcahuano ein unheimliches Acchzen, vom Süden herkommend. Die Erde zitterte ein wenig, aberbald war Alles wieder ruhig. Der nächste Tag verging, ohne daß ein weiteres Zitternverspürt oder Acchzen vernommen wurde. Früh am Abend des 14ten wiederholten sichdie Erscheinungen vom vorherigen Tag und hörten wieder auf wie vorher. Endlich umneun Uhr Abends erhob sich das Getöse von Neuem und nahm aber jetzt einen vielstrengeren Charakter an. Das Acchzen vom vorhergehenden Tag war nun zu einemdonnerähnlichen Rollen angewachsen, welches im Innern der Erde sich von Süden nachNorden hin zu ziehen schien.
In diesem Augenblick erschütterte ein Erdstoß die Gebäude, daß Holz- und Mauer-werk herabstürzten und die Bewohner schreiend und klagend auf die Straßen liefen.
Während sich die ganze Einwohnerschaft in die Vorstädte flüchtete, und den Bergenzulief, trat die See durch das sich hebende Land getrieben zurück, und stand für einenAugenblick wie eine Waflermauer in die Höhe, um in der nächsten Sekunde zurückzu-kehren und das Land mit seinen Fluthen zu überschwemmen. Die halbe Stadt wurdehinweggerisscn und die andere Hälfte fast unbewohnbar gemacht. Vier Menschenlebenwaren dabei zu beklagen, und für 300,000 fl. Werth-Eigenthum wurde zerstört.
Tome, eine andere Stadt, wurde auf ähnliche Weise heimgesucht, aber wahrscheinlichihrer höheren Lage wegen nicht so stark beschädigt, wie Talcahuano . Der Ha^n vonConstitutiou erlitt nur wenig Schaden. Es wurden einige Schiffe an das Ufer geschleu-dert, die jedoch kein erhebliches Unheil an Häusern anrichteten. Eine hohe See tobtegegen Valpareiso, aber ohne Schaden zu thun.
Die unterirdischen Erschütterungen, welche am 12ten Chili erschreckten, aber diesesLand am folgenden Tage verschont hatten, erhoben sich am Nachmittag des Dreizehntenund erschütterten die Grundfesten von Peru . Um fünf Uhr Nachmittags wurde dasselbeahnungsvolle Tosen, welches die Ohren der Einwohner von Talcahuano betäubt hatte,von den Bewohnern Jqnigucs, einer Stadt am südlichen Seeufer von Peru , vernommen;von da eilte es nördlich und brachte in einigen Minuten die ganze Bevölkerung deswestlichen Peru auf die Beine.
Die Bürger, welche einsahen, was zu erwarten stand, verließen ihre Häuser unmit-telbar bevor der Boden unter ihnen zu wanken anfing. Dann als der Stoß an Heftig-keit zunahm, erhoben sich herzzerreißende Schreie und Hülferufe. Die Wände von Ge-bäuden krachten schwer, das Pflaster borst auf den Straßen und die Steine flogen hochin die Lüfte. Kamine stürzten ein und Thürme fielen zusammen; niedrige Gebäude,welche nicht fest genug waren, den Stößen zu widerstehen, kamen krachend auf die Erde.
Das Getöse der fallende» Steine und das Gejammer der Menschen übertönte selbstdas Rollen des unterirdischen Donners.
„Kinder jammern, .Mütter irren,
Thiere wimmern unter TrümmernAlles rennet, rettet, flüchtet rc. ec/
Staubwolken erblindeten und erstickten die verwirrte Beenge, welche vergebens nacheinem Ausweg suchte. Das zeitweilige Acchzen derer, die unter den Trümmern einge-stürzter Häuser lagen, gab kund, daß nicht Alle gerettet worden waren, sondern daßder Tod in allen Ecken auf seine Opfer lauere.
Das Unglück brach gerade um die Stunde herein, wo die meisten Leute von ihrerArbeit heimgekehrt waren. Sobald die Anzeichen eines Erdbebens verspürt wurden,entstand ein allgemeiner Andrang, in's Freie zu gelangen, was Einige auch unversehrt