Ausgabe 
28 (1.11.1868) 44
 
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sie handle auf Rath ihres Rechts-Beistandes und wolle einer gerichtlichen Entscheidung entgegen-sehen. Sollte übrigens die Angelegenheit wirklich vor die Gerichte kommen, so kann es doch nurEine Entscheidunggeben, denn die Peerage der Nadcliffe's ist nicht ausgestorben, sondern aufge-hoben. Der unglückliche James Radcliffe, Carl of Derwentwater, wurde nach der Rebellion von1615 des Verraths angeklagt, seines Adcltitels verlustig erklärt und auf Towcr Hillenthauptet. Sein Bruder und einziger Erbe starb einige 30 Jahre später unter der Handdes Henkers, aber nicht als Carl of Derwentwater. sondern als Charles Radcliffe Esqu.Die ungeheuren Bcsitzthümer der Familie wurden von der Krone dem Greenwicher Hospitalzugesprochen, und die excentrischeGräfin " hat nicht mehr Aussichten, als mancherandere Abcnteuerer, der sich für den Besitzer dieses oder jenes adeligen Gutes hält, obwohldas ErbschaftSgericht ihm jedes Anrecht auf dasselbe abgesprochen hat. 6. Okt. DieGräfin Derwentwater" hat sich des Schlosses ihrer Ahnen bei Dilston nicht lange er-freuen können. Auf Befehl der Admiralität, mit welcher ihre Besitzergreifung sie inKonflikt gebracht hatte, wurde sie, trotz ihrer Protestationcn, von einigen kräftigenMännern aus dem Schlöffe auf einem Stuhle hinausgetragen und nebst ihren Habsclig-keiten auf dem Wicsenplatz vor demselben ausgesetzt. Doch hat der Muth die alte Damenoch nicht verlassen. Sie bliebHerr der Situation", indem sie auf dem Wicsenplatzeein aus Kisten, Regenschirmen und Tischen fabrizirtes Lager bezog. 8. Okt. Die alteDame, welche sich Gräfin von Derwentwater nennt, steht von der Belagerung von DilstonCastlc nicht ab. Trotz der kalten Herbstnächte kampirt sie noch immer Angesichts derRuine zu Seiten der Heerstraße, während die Wächter des Gesetzes ihr gegenüber lagern,um eine neue Ueberrumpelung zu verhindern. Die ganze Geschichte wäre gründlich komisch,wenn die arme Frau durch ihr Kampircn auf freiem Felde nicht in ihrer Gesundheiternstlich bedroht wäre. Freundliche Nachbarn vcrproviantiren sie zwar mit Thee, Zucker,Fleisch, Brod und sonstigen Lebensbedürfnissen, sogar ein Kamin wurde in ihr nothdürftigverwahrtes Zelt geschafft, damit sie sich wärmen könne. Trotzdem wird ihre Lage mitder Zeit bedenklich, und bisher war alles freundliche Zureden nicht im Stande, sie zumAufgeben ihres tollen Beginnens zu bewegen. 20. Okt. Die wiederholt genannteGräfin von Derwentwater" wäre vielleicht bei dem Frostwctter, das sich plötzlich ein-gestellt hat, elendiglich zu Grunde gegangen, hätten nicht wohlwollende Familien aus derNachbarschaft sich zusammengcthan und ihr ein niedliches, aus Brettern gefügtes Hausanfertigen und auf dem Punkte aufstellen lasten, von dem aus sie die Beste beobachtet.Die arme Dame nahm das Geschenk freundlich an und hat sich in dem Häuschen seitdemnach Umständen wohnlich eingerichtet. Aber auch die Gegenpartei ist nicht faul und zim-mert sich ebenfalls jetzt ein Haus, dem der Gräfin gegenüber. So werden wohl dieBeiden vermuthlich bis zum Frühjahrcaushalten.

Aufsuchen von Wasserquellen

DerLandwirth" bringt folgende interessante Mittheilung: Vor einigen Jahrensollte hier auf dem Vorwerke Canthcn wegen Wassermangel ein dritter Brunnen gegrabenwerden, und wurde wegen Mangel an Vertrauen zu einem bereits versuchtenRecept zurAuffindung von Wasser", um nicht möglicher Weise erfolglos 50 Fuß tief zu graben,der Abbö Richard hieher berufen. Dieser gab mehrere Punkte an, wo Wasser in genü-gender Menge vorhanden sein solle, von denen der dem Gehöft am nächsten gelegenegewählt und gebohrt wurde.

Die Angabe des Abbe) bestätigte sich als vollkommen richtig, es fand sich in derTiefe von 54 Fuß reichliches gutes Wasser; aber das Recept hatte dasselbe ebenso auchgenau angegeben.

Ich fühle mich deßhalb verpflichtet, um Vielen, welche an Wassermangel leiden,vergebliche Versuche oder die kostbaren Ausgaben, den Herrn Abbe kommen, zu lasten.