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Das Werder 'sche Gewehr wird sich im Gebrauche gewiß weniger abnützen, als das vonWerndl, obwohl auch dieses nur als eine sehr gute Kriegswaffe bezeichnet werden kann.Beide Systeme sind Stiftgewchre, und die Zündmasse liegt in der Patrone (Einheits-patrone). Die Schnelligkeit des Werder 'schen Gewehres im Feuern ist so groß, daß eSin einem Zeitraume von 90 Sekunden so viele Schüsse abzugeben erlaubt, wie ein Rcpe-tirgewehr; nach 120 Sekunden — also 2 Minuten — ist es dem letzteren schon voraus.Nur in den ersten 40 Sekunden hat ein Repetirgewehr vermöge seines Magazins einschnelleres Feuer, nämlich 14 Schuß; dann aber muß das Magazin wieder gefüllt werden,was Zeit raubt, oder als Einlader dienen, wobei die Manipulation langsamer ist alsbei anderen Einladern. Die Komplizirtheit und schwierige Behandlung machen es über-haupt nicht rathsam, Repctirgcwehre bei Armeen einzuführen. Der Erfinder des Werder -Gewehres wußte in eben so sinnreicher als einfacher Weise die Bewegung des HahneSmit zur Bewegung des Vcrschlußstückes zu benützcn; auch steht der Auswerfcr in seinerFunktion mit dem Vcrschlußstücke in Verbindung. In dem Augenblicke, in dem dasVcrschlußstück sich öffnet, fällt es auf den Auswerfcr, der dann die Patronenhülse heraus-schleudert. Will man das Gewehr in der Ruhrast geladen behalten, so ist eine Ent-zündung unmöglich, indem durch eine sinnreiche Vorrichtung das Verschlußstück mit demZündstift so weit gesenkt werden kann, daß der letztere nicht auf den explosibeln Theilder Patrone zu wirken im Stande ist; will man das Gewehr wieder schußfcrtig machen,genügt ein Druck auf den Hahn. DaS Werder-Gewehr kann mit vier Griffen geladenund abgefeuert werden; die Handgriffe sind: 1) Einführen der Patrone, 2) Spannendes Hahnes, 3) Losschießen und' 4) Oeffncn des Verschlusses, was im Herunternehmenaus dem Anschlage ohne Zeitverlust geschehen kann; Hiebei wird nach vorwärts die ent-ladene Patroninbülse ausgeworfen. Das Werndlgewehr besitzt ein Rückschluß mit einemgewöhnlichen Hahn, der, anstatt am forderen Ende ansgefraiSt, mit einem Schnabelversehen ist, der auf den Zündstift paßt. Die Handgriffe hiebci sind: 1) Spannendes Hahnes, 2) Ocffnen des um eine Achse sich drehenden, sehr soliden und massivenVcrschlußstückes, 3) Einführen der Patrone, 4) Schließen des Verschlusses und 5) Los-schießen. Mit dem Ocffnen des Verschlusses wird die Patronenhülse hcrausgeschncllt.Diese Manipulationen beweisen, daß das Wcrndlgcrwchr eine Bewegung mehr hat, ab-gesehen davon, daß bei sämmtlichen Bewegungen die Hand einen weiteren Weg machenmuß, als beim Werdergewehr, folglich auch bei ersterem müder wird. Als Patronewird in Bayern eine modifizirte Boxerpatrone mit Kupferhülse und Mittclzündung gewählt.(Einer Mittheilung des Würzb. Abdbl. zufolge käme eine solche Patrone auf 2Vg kr.zu stehen.)
Gräfin Derwentwater.
Die Englische Korrespondenz brachte im Laufe dieses Monats mehrere, eine GräfinDerwentwater betreffende Mittheilungen, die wir in Folgendem je unter dem Datum,unter welchem sie gebracht wurden, zusammenstellen: „London , 1. Okt. Eine ältliche,offenbar etwas exzentrische Dame, in eine österreichische Militäruniform gekleidet und miteinem Schwerte umgürtet, die Gräfin Amelia von Derwentwater, ist mit einer zahlreichenDienerschaft auf dem zerfallenen Schlöffe ihrer Vorfahren in der Nähe von Dilstoneingetroffen, hat von demselben Besitz ergriffen, in den zerfallenen Gemächern die Familicn-porträts aufgehangen und auf der Zinne die Familienflagge aufgesteckt. Dadurch geriethsie mit den Behörden des Grcenwichcr Hospitals in Konflikt, welches einen Theil seiner Einkünfteaus den Liegenschaften des wegen Hochvcrraths enthaupteten Grafen von Derwentwater bezicht,undder Rcntmeister des Hospitals stattete ihr einen Besuch ab, um ihr mitzutheilen, daß dasSchloß Eigenthum des Hospitals sei. Die Gräfin, welche den Besucher höflich empsiing, erklärte,und na