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uicht. Ihm war's, als wäre Alles nur ein Traum, und als müßte er jeden Augenblick!zu einer furchtbaren Wirklichkeit wieder erwachen. Aber diesmal war es doch kein Traumgewesen, Olearius war und blieb Hofprcdigcr des Königs, und erhielt noch am näm-lichen Tage seine Entlassung aus dem Negimcnte. O wie jauchzte jetzt sein Herz hochauf. Aller Schmerz, alle Leiden waren vergessen. Kaum sah er sich allein, so sank erauf die Kniee und ein heißes, inniges Dankgcbet stieg aus seinen Herzen zu demAllmächtigen empor, der so große Gnade ihm erwiesen.
Acht Tage darauf trat er sein neues Amt an, und der König mit dem gesammtenHofstaate hörte die Predigt mit an, die der neue Pastor, erfüllt von der Weihe desAugenblicks und voll der Erinnerung an die Vergangenheit, mit einem solchen Feuer,mit solch' innigster Ueberzeugung sprach, daß viele Herzen erschüttert und manches Augenaß wurde.
Zu Mittag wurde er dann zur Tafel in's Schloß geladen, wo sein einfaches, be-scheidenes Wesen ihm bald aller Herzen gewann. Als die Tafel aufgehoben wurde, undder König die Gesellschaft verabschiedete, wandte er sich plötzlich auch zu OleariuS, undsagte, scherzend mit dem Finger drohend:
„Herr Hofprediger, vergeh' Er nicht, ich möchte bald Pathe stch'n" — und ver-schwand dann, den von allen Seiten von lachenden Gesichtern umringten Prediger, demdie helle Muth in's Antlitz stieg, in größter Verlegenheit stehen lastend.
(Fortsetzung folgt.)
Bei der jetzigen Bcwaffnungöfrage in Bayern erhielten sich von verschiedenen Kon-kurrenten nur zwei: Werder und Werndl; andere Modelle, wie Peabody und Norris,waren lange Rivalen, mußten aber — das erstere, weil es bei gleicher Einfachheit undDauer in Schnelligkeit nicht konkurrircn konnte, das letztere, weil bei den Versuchen daseinzige vorhandene Gewehr zersprang, den erstgenannten nachstehen. ES möchte wohlkeinem Zweifel unterliegen, daß wir einem Abschlüsse der seit 20 Jahren dauerndenWaffcn-Revolution nahestehen; denn es ist fast undenkbar, daß die Technik noch wesent-lich vollkommenere Kriegswaffcn zu Tage fördere, es wird wohl kein gänzlicher Stillstandeintreten, allein die Hauptfrage dürfte gelöst sein, indem Muster von Einladern vorliegen,die allen Anforderungen an eine militärische Waffe genügen. Trcfffühigkeit, rasanteFlugbahn, Handlichkeit und Dauer anlangend, verdienen wohl unter allen jetzt bekanntenSystemen die von Werder und Werndl den Vorrang, und dieselben wurden auch aufdas Eingehendste von den maßgebenden Kommissionen in Bayern geprüft. Diese beidenWaffen in Vergleich gezogen, scheint es unzweifelhaft, daß die Erfindung unseresbayerischen Landmanncs Werder die des Ocstcrrcichers Werndl überflügelt. An Solidität,Trcfffähigkcit und Handlichkeit sind wohl beide Waffen gleich; allein in der Schnelligkeitdes Ladens und Feuerns wird das Werdcr'schc Gewehr seinem Rivalen in der Minuteum 1 bis 2 Schuß zuvorkommen Sehr geübte Schützen machten mit ersterem beimLaden aus der Patrontasche in der Minute 18 Schuß mit 18 Treffern auf 200 Schritte Ent-fernung in eine 9' hohe und 4/ breite, also 36 Q' große Scheibe, während beim Wcrndl-Gc-wchr 16 Schuß das Maximum waren; außerdem hat das Werder-Gewehr den Vortheil einerleichteren Fabrikation und eines sehr einfachen, bewnndcrnswerthen Mechanismus, indemdas ganze Schloß in wenigen Sekunden, ohne ein Werkzeug nöthig zu haben, Zerlegtwerden kann. Die Theile haben so wenig Friktion und sind so solid, daß von einembaldigen Zerstören keine Rede sein kann. Unter allen Systemen hat dieses den bestenAuswerfen (eine Vorrichtung, welche die aus Kupfer oder Messing gefertigte Patronen-hülse beim Ocffncn des Verschlusses von selbst und ohne Zeitverlust aus dem L<uck->entfernt), da er doppelarmig ist und viel sicherer fungirt, als der einarmige von W^ü^"e