Ausgabe 
28 (27.12.1868) 52
 
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Glossen auf eine anständige Art dahin zu bringen, wo sie hingehören. Bis jetzt tragensie auch in sogenannten entwässerten Städten allgemein viel zur Vergiftung der Luft und noch«ehr des Wassers bei. Dieses Wasser in großen Städten ist nun erwiesen die Haupt-quelle aller möglichen Krankheiten, namentlich pestartiger Epidemien. Das Wasser derrnglichen Kompagnien ist, auch filtrirt, beinahe so schlecht wie das Berliner. Deßhalb hatman sich auch in London allen Ernstes bereits vorgenommen, sich das gesundeste undreinste Gebirgswasser, über 35 geographische Meilen weit her, aus den Urnen der Ber»gesnymphen von Wales als hinreichend für alle drei Millionen Menschen durch eine, sichallmälig herabsenkende Riesenröhrc herunter zu leiten. Die ganze Strecke bis London ist eine wellenförmig sich senkende Ebene, so daß das Wasser, seinem natürlichen Druckefolgend, ohne künstliche Dampfkraft in alle Höhen des hügeligen Londons gehoben werdenkann. Endlich wird auch die Eisenbahn unter dem Meere zwischen Frankreich und England hin und dann vielleicht sogar der unterseeische Dampfschienenweg nach Amerika in Angriffgenommen werden. Vorläufig aber haben wir an diesen wirklichen Wundern genug.

Miseellen.

(Ein interessanter Beitrag zur Statistik.) Einen solchen Beitrag hat«u Schneidermeister in Eutin geliefert. Er schreibt nämlich: Ich begann im Jahre 1857die Stiche zu zählen, welche ich zur Anfertigung eines vollständigen Rockes für einenMann machen mußte; die Zahl derselben stieg auf 40,000, und als Arbeitslohn erhieltich 8 Mark, also für 5000 Stiche 1 Mark oder für 313 Stiche 1 Schilling. 1868 zählteich wieder die Stiche an der Arbeit eines MannsrockeS und erhielt die Zahl 21,000.Jetzt erhalte ich für einen Rock 7 Mark Arbeitslohn, also muß ich 3000 Stiche für1 Mark und l88 Stiche für 1 Sch. thun. Es wird jetzt also für 3000 Stiche bezahlt,was früher für 5000 bezahlt wurde; vaS gibt eine Steigerung von 66'1'z Proeeut.

(Ein musikalisches Messer.) Im Louvrc zu Paris wird gegenwärtig einMesser gezeigt, dessen Klinge von Stahl ist und woraus in lateinischer Sprache die Worte

stehen:Was wir speisen werden, möge der Dreicinige segnen. Amen." Dabei

befindet sich eine musikalische Compositio», aber nur der Baß, woraus ersichtlich, daßnoch einige Messer mit den anderen Stimmen dazu gehörten, die aber nicht niehr vor-handen sind. Dem Charakter des Schlüssels und den quadratischen Noten, sowie demAussehen der Verzierungen nach, stammt es aus dem sechzehnten Jahrhundert. DieDie Arabesken sind in dem erhöhten Theile der Arbeit mit Gold eingelegt, vön größterSchönheit; der Griff ist von Elfenbein. Es geht daraus hervor, daß man so bei

Tafeln ein Lied von diesen Messern herabgcsungen hat, indem jeder Gast statt Noten auf

Papier diese Messer vorgelegt erhielt.

Die Gedanken und Gefühle, die in uns wohnen, sind die großen Ausglcicher allermenschlichen Dinge. Der Reiche gewöhnt sich an den Reichthum, so wie der Arme andie Armuth; die Häßlichkeit verschwindet, wenn man sie oft betrachtet, und der Dummefühlt seine Gcistcsarmuth nicht.

Frage: Welches Land ist bei großer Kälte am übelsten daran?

Antwort: Ivh mo Üazg §, z;,cu "urvlnisz

Druck, Lrrlog und Rednetion des 1'iterarischen Instituts von Itr. M. Huttler.