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Die beiden Frauenzimmer schlugen die Hände über dem Kopfe zusammen vor Ent7setzen. „Am Hochzeitsmorgen, das ist fürchterlich!» rief die Freundin. „Und ich habdie Marianne so schön geputzt," setzte die Nütherin hinzu, „das ist nun Alles umsonst."„Und Alles cingcschlachtct und gebacken worden," siel die Freundin wieder ein, „undnun schlagen sie den Bräutigam todt, das ist seit Mcnschengedenkcn nicht vorgekommen."— „Das ist ja eine wahre Sünde und Schande, wenn Einem der Bräutigam erschlagenwird," jammerte die Nätherin weiter.
„Heult nicht, Ihr Gänse!" rief der Bauer befehlend, „den Kuchen werden wirschon los und den Braten, und die Marianne kriegt noch zehnmal einen Mann; abervon Schande seid mir still, sonst!" — er hob drohend die Faust, und die kleine Mtheriabückte sich, als müsse sie dem Schlage schon ausweichen.
„Marianne, sei ruhig!" wandte sich der Bauer zu seiner Tochter, obwohl dieseschweigend auf ihren Stuhl zurückgesunken, und er damit nur das Hämmern seines eigenenHerzens beschwichtigen wollte, „es gibt heut' freilich keine Hochzeit, ich werde zum Pfarrergehen und es ihm anzeige»; aber laß den Kopf nicht hängen, eine reiche BauerStochterbleibt noch lange nicht sitzen."
„Wer mag ihn nur lodtgeschlagcn haben?" fragte wieder die Freundin bekümmert.
„Weiß ich's?" entgcgncte der Bauer ruhig, „das ist Gcrichtssache und geht unSnichts an," mit diesen Worten schritt er langsam hinaus.
Die Braut nahm jetzt ihren Kranz aus den Haaren und legte ihn vor sich hin.Sie athmete nicht höher auf, daß sie von dem verhaßten Bräutigam befreit, vielmehrschienen sie düstere Ahnungen zu beschlcichen, als muffe nun erst das Schlimmste, Fürch-terlichste über sie hereinbrechen. „Ich bin ja seine Braut," sagte sie, sich aufraffend, „ichmuß zu seiner Mutter, ihr mein Beileid zu sagen."
Der vorgefallene Mord hatte ein ungeheures Aufsehen erregt. Alles strömte zumNachbardorfe hin, um den Erschlagenen zu sehen, der bereits in die Mühle geschafftworden, während das Gericht schon herbeigeeilt, nm den Thatbestand aufzunehmen. DerMüller war auf einer kaum einige Tausend Schritt von der Mühle entfernten Wiesegefunden worden. Die Mörder waren mit dem Leichnam gräßlich verfahren und hattenihn, vielleicht nm ihn unkenntlich zu machen, in Stücke zerhackt. — Nach Angabe desGerichtsarztcs mußte der Mord noch vor Mitternacht geschehen sein, dies zeigte der aus-geblutete Körper deutlich. Der Mord war um so räthsclhafter, als der Erschlagene einricsenstarkcr Mensch, der erst kürz vorher seiner Militärpflicht bei der Garde - Artilleriegenügt und wegen seiner Körperkraft allgemein bekannt und gefürchtet war. Eine ganzeBande mußte ihn überfallen und erschlagen haben, denn mit Zweien oder Dreien wäreder herkulische Mann schon fertig geworden. Was den Mord noch sonderbarer oderunheimlicher machte, war der Umstand, daß der Erschlagene ohne alle Bekleidung, imbloßen Hemde auf der Wiese gefunden worden, während seine Kleider noch vor seinemBette gelegen, in dem er bereits geschlafen haben mußte, wie dies das eingedrückte Betterwiesen. Und doch waren im Zimmer nicht die geringsten Blutspuren zu bemerken, ermußte im Freien erschlagen worden sein.
Was aber sollte ihn bewogen haben, im bloßen Hemde auf der Wiese herumzu-laufen? Das waren Fragen, die jetzt die vor der Mühle zahlreich versammelte Mengebeschäftigten. Man stritt heftig hin und wieder, und Alle erschöpften sich in den wun-derlichsten Vermuthungen.
„Ja, das wird wohl ein Räthsel bleiben," bemerkte jetzt ein langer, hagerer Weber,dessen sonstige Lustigkeit und schnelle Zunge die schreckliche That so gedämpft, daß er sichbisher schweigend verhalten und oft wie in tiefen Gedanken schwer Athem geholt und,auch jetzt, kaum daß er dies Wort gesagt, in sein altes Hinbrütcn versank.
„Dummes Zeug!" entgegnete ein kleiner, untersetzter Mann, dessen ^ "