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Liebe auszulöschen, mehrere Frauen zu nehmen und für sie nur die Gefühle der Freund-lichkeit zu hegen. Da er wünscht, daß die Zahl der Mormonen sich mehre, so befiehltuns Gott, viele Kinder zu haben." Dies Gebot wird so gut befolgt, daß die kleinsteZahl von Kindern in ihren Familien zwölf und die größte vierzig ist, alle stark undkräftig. Den Frauen predigen sie Verzichtleistung auf die Freuden dieser Welt. AlleLiebe ihrer Herzen soll auf Gott gerichtet sein. Gegen ihre Männer sollen sie ein ruhigesfreundschaftliches Gefühl hegen, und sie als ihre Gefährten betrachten, mit deren.Hülfesie den Himmel gewinnen sollen, den Himmel der Mormonen, — den herrlichsten voirallen. — Die Mormonen - Frau soll keine Eifersucht gegen die anderen Frauen ihresGatten empfinden. Auch sie sind Gefährtinnen, die ihr helfen, den Himmel zu erreichen,und Diejenigen, welche sich am vollkommensten der Polygamie unterwerfen, werden dortdie besten Plätze erhalten. Und diese Frauen unterwerfen sich ihr mit wunderbarerSeelenruhe. Nicht ein Schatten von Eifersucht ist unter ihnen zu finden. Sie scheinen
nicht einmal zu wissen, was Eifersucht ist. Die meisten von ihnen, — besonders die
Reichen, wohnen in besonderen Häusern. Aber die Frauen desselben Mannes besuchensich gegenseitig und scheinen einander sehr gern zu haben. Auch nicht der Argwohn eines
unfreundlichen oder feindseligen Gefühls war unter ihnen zu entdecken. — Einer der
Söhne Brigham Voung's halte zwei junge und hübsche Frauen, und eine dritte, die altund häßlich ist. Eines Tages sagte Madame Olympc Audonard im Scherz zu denbeiden jüngeren: „Ihr Gatte muß seine ältere Frau Ihretwegen ein wenig vernach-lässigen." — „Warum?" war die mit der Miene der Uebcrraschnng gegebene Antwort r„ist sie nicht seine Frau so gut wie wir?" — In der That, der Mormone macht keinenUnterschied zwischen seinen jungen und hübschen Frauen und den alten und unschönen,er ist gleich liebenswürdig gegen sie- alle. — Die Mormonen haben eine Vorliebe fürdie Zahl drei. Mit Ausnahme des Präsidenten, der 17 Frauen besitzt, haben alle jedrei, oder beabsichtigen so viel zu nehmen. Aber um eine zweite Frau zu heirathcn,müssen sie die Einwilligung der ersten, und um eine dritte zu heirathcn, die der beidenersten haben. Wenn diese verweigert wird, so kann die Heirath nicht geschloffen werden,denn die zweite muß von der ersten zugeführt und dargeboten werden. Dies Systemdreier Haushalte und diese große Kindcrzahl macht aber den Mormonen das Leben nichtleicht. Sie sind genöthigt zu arbeiten — und mit welchem Fleiße — um so vielePersonen zu erhalten. Aber sie thun das getreulich und lassen weder ihre Frau, nochihre Kinder im Stich. Ein verlassenes Weib oder ein von seinem Vater nicht aner-kanntes und vernachlässigtes Kind ist unbekannt unter ihnen. — Die Mormonen ver-suchen neuerdings ciu sonderbares Experiment, um die Gemeinde der Heiligen von derBerührung mit der übrigen profanen Welt abzuschließen. Sie haben eine neue Sprache,ein neues Alphabet exclusiv für den Gebrauch der Gläubigen erfunden. In Salt-Lake-City sind bereits Auflagen von 10,000 Stück mehrerer Schulbücher in der neuen Sprachegedruckt worden.
(Ein verborgener Schatz.) Die „Essener Zeitung" erzählt aus Essen: Einhiesiger Brauerei-Besitzer entschloß sich noch im Spätherbst-, seinen Lagerkcller zu erwei-tern und wurde, damit die Arbeit noch vor Eintritt des Frostwctters beendet sei, einegroße Anzahl von Taglöhnern -zum Ausschachten des Baugrundes angenommen. ZumAerger des Bauherrn wie des Unternehmers wollte jedoch diese vorbereitende Arbeit gar-nicht vorwärts schreiten, einmal wegen des regnerischen Wetters, sodann aber wegen derangeboren-mütterlichen Schneckenboldcnhaftigkeit der ehrsamen Ritter von Hacke undSchippe. Auf einmal zeigte sich an der Baustelle ein ungcmein reges Leben; noch vorTagesgrauen waren sämmtliche Arbeiter auf dem Platze und schafften den ganzen Tagüber mit einer Hast und Emsigkeit, die nie ihres Gleichen sah. Die beliebte Frühstücks-