Ausgabe 
29 (31.1.1869) 5
 
Einzelbild herunterladen

38

gegen Napoleon l. stritt; der Andere ein einfacher, aber namhafter Gelehrter: der Pro-fessor Ernst Moritz Arndt , geboren auS bäuerlichem Stande am zweiten Weihnachts-Feiertage zu Schoritz auf Rügen und gestorben am 29. Januar 1860. So bedeutendauch der Ruf aller vorher angeführten Männer ist, so steht er doch mit einzigerAusnahme des Fleisch und Blut gewordenen Mars Napoleon erheblich zurück gegendenjenigen des am 14. September 1769 zu Berlin geborenen Freiherr» Alexander vonHumboldt , des größten Naturforschers der neueren und eines der größten Gelehrtenaller Zeiten.

Der Wirth zum goldenen Lümmle.

In der schwäbischen Stadt mit dem kurzen Namen und dem langen Münsterthurmwar ein gar munterer Wirth zumgoldenen Lümmle." Da hat vor einigen Jahrender Alterthumsforscher-Verein eine Zusammenkunft gehabt, und da haben sich von allenWeltgegendcn so viele Leute zusammengefunden, daß Mangel an Quartier war. Nunkam auH der heitere Herzog M vom benachbarten Lande an und der Herr fand in denersten Gasthöfcn eben auch kein Quartier. Es wurde ihm sodann dasLämmle" em-pfohlen, wo er zwar ein bescheidenes, aber reinliches Zimmer mit schöner Aussicht auf dieDonau und eine treffliche Aussicht auf Küche und Keller habe.

Der hohe Herr machte sich auf den Weg und trotz, daß es spät Abends war,entschloß er sich doch, dasLämmle" aufzusuchen. Beim Eintritt wurde er von dem inHemdärmeln anwesenden Wirth auf's freundlichste mit den Worten begrüßt:Sie hentheut wahrschcinli wo anders koi Quartier kriegt, sonst kämet Se nit zu mir."Soist es," erwiederte heiter gestimmt der Herzog.Ich habe befohlen, meine Koffer hieherzu bringen, im Falle ich bleiben kann."Ja wohl," sagte der Wirth,Sie g'falletmir, und obwohl i's Quartier heut' scho hätt' zehnmal vergebe könne, so hab' i mirdenkt, es kommt doch no was Besscrs." Der Herzog meinte:Das Sprichwort sagt

aber, es kommt nichts Besseres nach."Auf d' Sprüch' geh' i' nit," erwiederte der

Wirth,ich seh' den Mann an."

Was wünschen Sie zu trinken, Herr?" -Eine Flasche Champagner!"Blitz, Sie müßet heut scho guete G'schäft g'macht habe, wenn Sie Nachts zehn Uhr noChampaningcr saufet." Der Herzog lachte herzlich auf die Derbheit, staunte aber, alsder Wirth den Champagner mit zwei Gläsern servirte.Zu was zwei Gläser?" frugder Herzog.I sauf' au mit," erwiederte der Wirth,denn i hab' heut au guete» G'schäft g'macht, no pasch' mcr den Plunder raus."Wohlan," meinte der Herzog,bin einverstanden." Die Flasche wurde entkorkt, und immer heiterer wurde die Unter-haltung, welche durch Niemanden gestört wurde, weil Wirth und Gast die alleinigenZecher in der Stube waren.

Es war einige Minuten nach eilf, als die Thür aufging und ein Neger einen

schweren Koffer hereintrug. Der Wirth erschrack entsetzlich, doch wurde er ruhiger, als

der Sohn Afrika's auf den Herzog zutrat und frug:Hoheit, wo hab' ich den Kofferhinzuthun?"Dies wird der Wirth bestimmen," war die Antwort.Was,Hoheit?" rief der noch immer frappirte Wirth.Nun ja, beruhigen Sie sich, ich binder Herzog M. in B. Dies soll aber unsere Unterhaltung nicht stören. Weisen Siegefälligst den Diener mit dem Gepäck in mein Zimmer und geben Sie ihm ein Nacht-mahl."-Blitz Fix Donnerwetter, Hemdärmel und Sie a Hoheit, Weib komm rci,i kann die Schand' alloi net trage, hilf mir."Du hast mi zum Trinka au netg'rufe, trag' nur die Schand' alloi."No, so bring' dem Mohra was! Entschul-digen, Hoheit, was frißt denn der Kerl?" Der Gast lachte und erwiederte:GebenSie ihm Braten und Salat und etwas Wein, er wird nichts übrig lasten. Doch kommenSie, wir wollen noch beisammen bleiben."