Ausgabe 
29 (7.2.1869) 6
 
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gehegte Befürchtung, daß durch das Rütteln auf den Eisenbahnen die Eier in ihrerTheilung in Eiweiß und Dotter gestört oder in der Haltbarkeit beeinträchtigt werdenkönnten, hat sich nicht bestätigt. Bei Eiern, welche zum Ausbrüten bestimmt sind, scheintdagegen allerdings ein schädlicher Einfluß des Transports Platz greifen zu können, jedochkeineswegs immer, da Fälle bekannt sind, in welchen Bruteier ohne weitere Vorsichts-Maßregeln auf größere Entfernungen hin verfahren, sich doch noch vollkommen entwick-lungsfähig gezeigt haben. Angebrütete Eier eignen sich nicht zum Versandt, denn siesind durchaus nicht haltbar; daher müssen sämmtliche Eier vor der Verpackung genaubesichtigt werden. Man kann dies thun gegen die Sonne, z. B. im verdunkelten Gemach,dessen Fensterladen einen eierförmigcn Ausschnitt enthält, mit der Hand vor einemLicht u. s. w,, am sichersten aber geschieht diese Arbeit vor einer Gas-Stichflamme mitdem Eiergucker oder Ooskop. Derselbe ist ein Kasten nach Art der Stereoskopenbehälter,der eine 'kleine dunkle Kammer bildet, in die das Ei so gefügt wird, daß gegen dieStichflamme gehalten, darin der kleine dunkle Kern, welcher die begonnene Entwicklungder Embryo anzeigt, ganz deutlich erscheint. Eier, welche ihn sehen lasten, werden beiSeite geworfen. Sie lassen sich noch zur Gewinnung von Albumin, auch von Eierölverwenden; wo schon die Entwicklung weiter vorgeschritten ist, bleibt nur noch die Benu-zung mit Kalk zu Dünger nach dem Mostclmann'schcn Verfahren übrig.

Das bedrängte Reh.

Es schweigt der Bach, von Frost zu Eis erstarrt.Die Ficht' im Wald, von Reif beladen, knarrt.Ein trüber Himmel senkt sich auf die Flur,

Sie zeigt im Schnee der Wölfe leichte Spur.

Da springt ein Rchlein aus dem Wald heraus,Stutzt bangen Blick's und flieht zum Jägerhaus:Der Wölfe Hnngerheulen traf sein Ohr.

O Jäger, laß' in Ruh dein Feuerrohr!

Unedel, gäbst du jetzt dem stech den Tod,

Wo es vertrauend zu dir flieht in Noth.

Schließ' auf die Thür und laß' es zu dir ein,O woll' ihm Schützer und Erhalter sein!

Und wenn auf dich, was Gott verhüten mag.Sich drohend niedersinkt ein schwerer Tag,

Wenn dir des Lebens Bach in Gram erstarrt,Wenn gierig dein des Unglücks Währwolf harrt,Wenn dir schon nah' sein Wuthgchenl ertönt,Wenn du ein Flüchtling, der in Drangsal stöhnt.Und keines Freundes Hilfe dir erscheint:

Dann biete mitleidsvoll dein cig'ncr Feind,

So wie du jetzt dem armen Reh gethan.

Dir seines Hauses Schutz und Labung an!"

M i s c e l l e ii.

(Ein höflicher Richter.) Ein Richter im Westen Amerikas , der seiner Höflich-keit wegen berühmt und populär ist und sich auf jede Weise bemüht, diese Popularitätsich zu erhalten, hatte kürzlich einem Vcrurthciitcn sein Todesurtheil zu verkündigen undentledigte sich seiner Pflicht in folgender Weise:Gefangener, Herr D., darf ich Siebitten, sich zu erheben? (Es ist eine Formalität, welche das Gesetz vorschreibt; sonst