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scheiterten jedoch an der damaligen Unmöglichkeit, größere Massen davon rasch und ohnezu große Erschütterung zusammen zu bekommen. So hat z. B. der Erfinder des bekann-ten Branntweinbrennerei-Dampfapparats, Schwarz, vor etlichen dreißig Jahren schoneinmal mehrere Schiffsladungen voll Eier aus Mitteldeutschland nach England abgehenlassen; allein dieselben waren verdorben, wurden nicht angenommen, kamen zurück undkonnten nur zur Düngung der Felder verwendet werden, welche freilich eine so kostspieligeZufuhr noch niemals erhalten hatten. — Inzwischen ist durch mehrfache Versuche bewie-sen, daß nicht allein ganz Deutschland, sondern sogar Ungarn , die Donaufürstcnthümcr,ja, das gesammte Europa , so weit Eisenbahnen und Dampfschiffe reichen, sich recht gutan dem Eierhandel nach England bethciligcn kann. Es ist jetzt erwiesen, daß frische Eierbei guter Verpackung und Behandlung aus den entlegensten Gegenden vollkommen gutund schmackhaft nach England gelangen. Ein intelligenter Unternehmer in Leipzig hatdies durch beharrlich erworbene Erfahrung vollkommen festgestellt. Derselbe fing denEicrhandcl aus der Mitte Deutschlands nach Großbritannien versuchsweise an; er ent-sprach so gut, daß der Mann sich nach erweiterten Licfcrungs - Bezirken umsehen mußte;im Herbst vergangenen Jahres bereiste er zu diesem Endzweck Bayern, Böhmen , ganzOesterreich, Ungarn bis in's Banat und Slavonien ; überall instruirtc er sich über denStand der Hühnerzucht, schloß Lieferungs-Verträge ab, und ist gegenwärtig in der Lageüber Millionen von Eiern zu disponiren. Versuchsweise wurden zunächst 600 KistenEier aus Ungarn bezogen; dieselben waren in drei Tagen in Leipzig , binnen siebenTagen auf dem Londoner Markt; sie erwiesen sich so trefflich, ohne Ausnahme, daß demUnternehmer aus London, Birmingham, Manchester Liefcrungs-Anträge zugingen und errecht gut eine Million Eier wöchentlich placiren könnte, wenn seine Verhältnisse dies er-laubten. — Unter den zahlreichen Stoffen und Methoden, -welche schon zur längerenAufbewahrung der Eier vorgeschlagen worden sind, ist dem gedachten Unternehmer amvortheilhaftcsten und Praktischsten erschienen die Anwendung von Ocl und zwar von gutem,reinem Baumöl. (Andere Oele, wie z. B. Mohnöl, Rüböl aus geschältem Samen u. s. w.dürften sich gleichfalls eignen, doch ist zu warnen vor den mit Schwefelsäure gereinigtenOelcu). Damit werden die Eier eingenebelt, so daß die Poren ihrer Schale sich mitOel schließen und der Luft den Zutritt in das Innere des Eies ziemlich lange Zeitwehren. Das Einrciben muß sorgfältig und behutsam geschehen: die Person, welche esvornimmt, hat einen weichen Filz vor sich liegen, der nicht allein jeden abfallendenTropfen aufnimmt, sondern auch ein der Hand entschlüpftes Ei vor dem Zerbrechen be-wahrt. (Sobald es aber einen Sprung bekommen hat, ist es untauglich für die Ver-sendung.) Durch ein ganz einfaches Verfahren wird das verschüttete Oel aus der Filz-Vorlage mittelst Schwefelkohlenstoff wieder gewönne« und kann dann von Neuem benutztwerden. Es geht auf diese Art so wenig verloren, und die Arbeit so rasch von statten,daß der Kostenbetrag für 280 Stück Eier (nach längerer Erfahrung) sich auf nicht mehrals 6 Pfennige belauft. Eine fleißige Arbeiterin kann ün Tage ungefähr 3000 StückEier sorgfältig ölen. (Am schnellsten und sichersten geht das Einölen der Eier, wenn dieArbeiterinnen, denen das Geschäft besser zukommt, als Männern, sich der ledernen Glace-handschuhe nüt abgeschnittenen Fingerspitzen bedienen, deren Handfläche mit einem Stückeweichen Flanell benäht sind; dies wird mäßig mit Oel getränkt und das Ei zwischenden Händeu ein paar Mal rasch umgericben. Es erlangt sich bald eine große Fertigkeitbei diesem Geschäft.) Man könnte auch die Eier mit Speck einrciben, wie von vielenHausfrauen bekanntlich geschieht; allein solche sind in England unverkäuflich, da sie einenGeruch annehmen, was beim Baumöl nicht der Fall ist. Die Verpackung der Eier ge-schieht auf keine Weise billiger und vortheilhafter, — als in Kisten mit Spreu. Amgeeignetsten ist dazu die Spreu des Spelz, der in Süddeutschland und den Donauländernim Großen angebaut wird. Die Kisten müssen hinreichend stark sein, damit ihre Wändeeinem Druck nicht nachgeben, wie die Zuckcrkisten, Citroncnkistcn u. s. w. Die früher oft