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also ein Erträgniß von nicht weniger als 11,400 Procent zusagte. Im Jahre 1605hatte Winzler seine erste GaScompagnie auf Aktien gegründet. Anstatt Dividenden zuzahlen, verpuffte Winzler das Akticn-Capital bis auf den letzten Schilling. Nichts destoweniger vermochte Winzler die Aktionäre zu einer bedeutenden Nachzahlung zu bewegen,indem er sie glauben machte, es sei ihm gelungen, das Gas wohlriechend zu machen, undnoch mehr derlei. Aber auch die Nachzahlung war bald verschwunden. Und immer undimmer wieder gelang es ihm, eine neue Compagnie zu bilden, bis er endlich am 1. Apri1814 sein Ziel, das heißt nicht das Auszahlen hoher Dividenden, sondern die Einführungder Straßenbeleuchtung in London mit Gas glücklich erreicht hatte. Aber Winzler be-gnügte sich mit diesem Erfolge nicht, sondern ging schon im Jahre 1815 nach Paris ,um auch dort die Straßenbeleuchtung mit GaS einzuführen. — Auch in Paris machtedie erste Gascompagnie, — die er mit einem Kapital von 1,200,000 st. gründete, nachkurzer Zeit Bankerott, und erst während der Restauration gelang eö der Gasbeleuchtung,unter Ludwig XVlll. sich zu befestigen. — England hat später für Winzler glänzendeRevanche genommen, indem es die Jinpcrial-Continental-Gas-Affociation gründete, durchwelche das Gas in den größeren deutschen Städten, wie z. B. 1825 in Berlin , 1845in Wien eingeführt worden ist. Seither hat man gelernt, Gas auch auS anderen Ma-terialien, wie Steinkohlen, als Holz, Torf rc. zu erzeugen, und das Gas auch zu anderenals Belcuchtungs-Zwccken, wie z. B. zum Heizen, als bewegende Kraft für Motoren u s. w.,zu verwenden.
Von den zahlreichen anderen Erfindungen auf dem Gebiete der künstlichen Beleuch-tung scheinen bis heute nur noch das elektrische und Magnesium - Licht von Bedeutung.Das elektrische Licht als BelcnchtungSmittcl für die praktischen Bedürfnisse des gewöhnlichenLebens zu benützen, ist bis heute zwar noch nicht gelungen, wohl aber hat man andereAnwendungen davon bereits gemacht, wie ;. B. zur Beleuchtung der Leuchtthürme, desMeeresgrundes bei Tauchcrarbeiten rc. Auch das Magnesium-Licht wird heute noch immernur für einige besondere Zwecke, namentlich für Zwecke der Photographie verwendet, dochist cS nicht sehr unwahrscheinlich, daß das Magnesium-Licht noch einstens als der gefähr-lichste Conkurrcnt des Gaslichtes auftreten wird.
Zwar sind die Meinungen über die Zukunft des Magncsium-LichteS heute noch sehrgetheilt, aber das war seiner Zeit auch beim Gaslicht der Fall. Einer der ersten Gclehr»ten seiner Zeit, Davy, hielt die Idee, London mit Gas zu beleuchten, für so absurd, daßer fragte, ob man denn die Paulskirche als Gasometer zu verwenden beabsichtige, woraufihm dann der berühmte Ingenieur Clcgg antwortete: Er hoffe noch den Tag zu erleben,wo die Gasometer in der That nicht viel kleiner sein werden, und ein geachteter Chemiker,Sir Webster, erklärt in seinem Lehrbuche der Chemie noch im Jahre 1811 die Gas-beleuchtung für eine leere Spielerei. Die Sache kam aber doch anders, als sich diesesehr gelehrten Herren dachten, und es kann das leicht auch mit dem Magnesium - Lichtder Fall sein, und zwar um so leichter, als die Magnesium-Erze mit zu den am häufig-sten vorkommenden Mineralien, welche die feste Rinde unseres Erdballs bilden gehören,wie z. B. im Dolomit 16 Proccnt dieses Metalls enthalten sind. Also an billigemRohcrze wäre kein Mangel, aber die Ausscheidung dieser Erze, welche heute noch mittelsdes kostspieligen Natron geschieht, verthcucrt das Metall. Würde man es aber dahinbringen, sagt Dr. Frankland, eine der größten Autoritäten in dieser Frage, das Mag-nesiumlicht wie Zink, mit dem es so viele analoge Eigenschaften gemein hat, mittelstHolzkohle auszuscheiden, so würde das Magncsiumlicht nicht mehr den vierten Theil desGaslichtes in London kosten. Diese Entdeckung würde eine Revolution in der Beleuch-tung hervorrufen, vielleicht bedeutender noch wie die Gasbeleuchtung.