Ausgabe 
29 (14.2.1869) 7
 
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M i s e e l l e n.

(Anekdoten vorn König Ludwig I von Bayern.) Noch unter MaxJoseph waren zwei Naturforscher auf königliche Kosten nach Brasilien geschickt worden,sollen aber mit reicherer Ausbeute für sich selbst als für den Staat heimgekehrt sein,und zählten also zu den Parasiten des früheren Hofes. Wir wollen sieKranz" undStunz" nennen. Als König Ludwig den Thron bestiegen, konnte er die Frage freilichnicht niehr gerichtlich untersuchen lasten, da kein Gesetz eine rückwirkende Kraft hat; aberer bereitete sich eine Privatrache vor, die er Jahre lang mit eben so viel Witz als Be-hagen durchführte. So oft er nämlichKranz" begegnete, streckte er ihm beide Händeentgegen und begrüßte ihn:Lieber Stunz, wie geht'S?" Wenn der verwechselte An-geredete dann sagte:Eure Majestät, ich binKranz," so erwiederte der König, seineTaubheit vorschützend:Ja wohl, ich weiß, Sie sind Stunz, Sie sind ein Ehrenmann,lieber Profestor; aber der verfluchte Kranz, der hat den Staat bestohlen, schade, daß ichihn nicht mehr fasten kann! Adieu, lieber braver Stunz!" Und genau dieselbe Sceneder Verwechslung spielte er mitStunz," wenn er diesem begegnete, nannte ihn seinenguten ehrlichen Kranz, schimpfte aber um so heilloser über Stunz, dem er eben das Alles mit der Miene höchster Naivetät direkt in'S Gesicht sagte. Einige Tage, nach-dem Schelling am 20. August 1854 in der Schweiz verstorben war und das Gerüchthierüber sich in München verbreitete, welcher Hochschule der Philosoph auch noch nachUebersiedlung nach Berlin angehört hatte, begegnete ein allerdings nicht sehr berühmterProfestor der Malerschule dem damals schon längst pensionirtcn König und sprach ihnmit den Worten an:Welch' ein Verlust für Münchens Gelehrtenruhm! Wissen EureMajestät schon von Schelling's Tod?"Weiß, lieber A.", erwiederte der König,ja, ja, alle bedeutenden Leute sterben mir weg, und nur die Dummköpfe bleiben nochin München ! Adieu, lieber A." Beim Prinzen Adalbert spielten die Hofdamen öfterPrivattheater, der Prinz zog aber manchmal auch eine Hosschauspiclerin in'S Spiel, umder Darstellung mehr Sicherheit zu verleihen. So war auch einmal eine der bestberufenenKünstlerinnen zu solcher Aushilfe gebeten morden, und hatte freundlichst zugesagt. Alssie jedoch im Damen-Cercle erschien, legte eine der Damen sofort ihre Rolle nieder, dennsie spiele mit keinemTheatervolk!" Alles war empört, doch ließ sich nicht sofort gutEtwas erwiedern. Aber der Prinz Adalbert erzählte diesen Affront seinem Vater. EinigeTage darnach sah dieser jene Gräfin auf der Straße gehen. Er lief ihr nach, sie lautbeim Namen rufend, und holte sie auch richtig ein, indem er sie laut und lachend ansprach,während alle Fußgänger stehen blieben und zuhörten.Habe gehört, liebe Gräfin!Sehr recht gethan! Nicht mit Hofschauspielcrinuen agiren wollen! Man muß auf seineGeburt halten! Ihr Großvater selig war Kutscher bei Napoleon, Sie sind aber Gräfin!Das ja nie vergessen! Kutschcrs-Enkelin darf sich nicht encanaillircn mit Hofschauspielcrin!Adieu, liebe Gräfin!"

Als ein Menagerie-Besitzer bei der Fütterung in den Käfig der Hyäne ging, undihre Zahmheit produzirte, sagte ein Schusterjunge:Das ist nichts! Aber wenn meineMeisterin in dem Käfig wäre, so würde er sich wohl hüten, hinein zu gehen."

Was haben wir denn heute für einen Tag?" fragte ein armer Sünder denHenker, der ihm eben am Galgen den Strick um den Hals zog.Montag," sagte derScharfrichter.Flickermcnt," meinte der arme Schlucker,diese Woche fängt aberschlecht an."

Ein Schuft ist um so schuftigerJe tugendphraseuduftigcr.

Druck, Verlag und Redaction des Lckerarische» Instituts von l>r. M. Huttler.