Ausgabe 
29 (28.2.1869) 9
 
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NrSl 9.

28. Februar 1869.

Laß auf dich etwas rechten Eindruck machen,

So wirst du schnell den rechten Ausdruck finden;Und kannst du nur den rechten Ausdruck finden,So wirst du schnell den rechten Eindruck machen.

Die Entsagenden.

Original-Novelle von Hermann Hirschsrld.

(Wiederabdruck ist ohne Erlaubniß dcS Verfassers nicht gestattet.)

Die Gäste des Baron von Duroy zerstreuten sich, eines der glänzenden Feste, inderen Erfindung der alte Herr Meister war, hatte sein Ende erreicht. Die Eguipagcnder Geladenen rollten die sanfte Anhöhe hernieder, auf der sich das Herrenhaus desGutes befand, das zum Sommer-Aufenthalt des gastfreien Mannes der seit einigenJahren Wittwer war diente; während er im Winter das Familieuhaus in der nahegelegenen Residenz bewohnte.

Allgemein hielt man den Baron, der aus einer französischen emigrirten Familiestammte, für sehr reich, denn man hatte ihn niemals anders, als wie einen Edelmannleben sehen. Seine Diners und Feste galten als Muster des guten Geschmackes, undseine Börse war für Jeden geöffnet.

Unter diesen Umstünden war es kein Wunder, wenn Duroy, der obwohl denSechzigern nahe, sich die volle Elasticität des Körpers und Geistes bewahrt hatte, sowohlin der Stadt als auch in der Umgegend seines Gutes höchst beliebt erschien, und manchePläne wurden am häuslichen Heerde der Geld- und Geburts-Aristokratie geschmiedet, alsder Zeitpunkt herangerückt war, wo Nudolph, der einzige Sohn und Erbe des Hauses,das Alter erreicht hatte, wo man in höheren Kreisen an eine standesgemäße Verlobungdenkt. Bereits begannen sich heimliche Reibereien unter verschiedenen Familien zu ent-spinnen, hervorgerufen durch die mehr oder weniger bemerkbaren Gunstbezcugungcn, dieBaron Nudolph ihren Töchtern erwiesen hatte, als mit dem Tode der Mutter desselbendie Sache eine andere Wendung nahm. Die Kunde des plötzlich erfolgten Hinscheidendder Baronin hatte Nudolph aus dem Strudel eines viel besuchten Badeortes gerissen.Mit Windeseile flog er dem väterlichen Gute zu, aber zu spät er fand die geliebte'Mutter bereits der Erde entrückt und den Vater in Verzweiflung neben ihrer Bahre.Und seltsam, von dieser Stunde an war mit Vater und Sohn eine Veränderung vor-gegangen. Nicht, daß nach Ablauf des Trauerjahres die Gastlichkeit des Duroy'schenHauses abgenommen hätte, im Gegentheil bot der alte Herr Alles, was in seinen Kräftenstand, auf, den Namen desselben aufrecht zu-erhalten, aber man bemerkte oftmals anVater und Sohn eine gewisse Zerstreutheit und selbst eine unwillkürliche Traurigkeit,die sie umsonst zu verbergen strebten. Die ritterliche Galanterie, die Nudolph früherzum Liebling aller Mädchen erhoben hatte, war einem ernsten Wesen gewichen, und fastschien es, als ob er sich eine Verachtung des schönen Geschlechts zum Grundsatzgemacht habe.

Natürlich, daß Stadt und Land es nicht an Glossen über diese Seltsamkeit fehlenließen; nur in einem Hause der Residenz, in dem des Gerichts-Dircktors Fleischer, schien