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Stadt und zeigten dem Commandanten dort an, eS wär' Schlägerei bei mir unter de»Soldaten. Der schickte nun gleich eine starke „Patroille" und ließ die lustigen Gästeaufheben. Das wär' nun, wenn's auch auf falschen Bericht hin geschehen, für die Leutedoch zu verschmerzen gewesen, denn sie hatten ihr Vergnügen gehabt und wären so wieso heimgegangen. Einige Tage darauf aber wurde mir vom Land-Commissär in Lauter»zugeschickt, daß ich wegen „unerlaubter militärischer Tanz-Unterhaltung, verbunden mitCither, Vigelin und Rauferei" auf drei Jahre lang keinen „Spielzettel" mehr bekäme,und so wurde es auch gehalten. Das war für mich sehr hart, denn erst kurz vorherhatte ich mir einen kleinen kostspieligen Tanzsaal bauen lasten, den ich nun gar nichtbenutzen durste. Ich ließ mir wohl für gutes Geld verschiedene Bittschriften an's Amtund an die Regierung machen, aber immer wurde mir der „Spielzettel" rundwegabgeschlagen.
Da gab mir ein guter Freund, der Deputirte Hack aus Läutern, den Rath: Zapp,sagt' er, der König Ludwig ist jetzt wieder in der Pfalz , zu dem ging' ich an deinerStell! Du erzählst ihm die ganze Sach', wie sie sich zugetragen hat, und wirst sehen,du kommst zu deinem Recht. — Das Ding ging mir ein paar Tag' im Kopf herum,endlich hab' ich mich entschlossen, — und machte mich auf den Weg nach dem SchloßLudwigshöhe. Meinen Leut' aber verbot ich's, zu sagen, wo ich hin wär': Wenn'snichts nützt, dacht ich, soll dich doch auch Keiner auslachen. Mit der Eisenbahn geht'srasch vom Fleck und so war ich schon bei Zeit Morgens in Edenkoben . Ich kehrte im„Schaf" ein und erkundigte mich bei der „Wirths-Mamscll," die allein im Zimmer war,ob ich zum „König Ludwig Majestät" auf seinem Schloß droben kommen könnt', ich hätt'eine Bittschrift für ihn u. s. w. Wie ich nun so im Gespräch mit der Mamsell war,da kamen drei vornehme Herren in das Zimmer; ich hielt sie für geistliche Herren. —Dem Einen „pisperte" die Mamsell etwas, was ich nicht verstehen konnte, aber sie gucktemich dabei so „schattig" an, daß ich's merken konnte, sie spräche von mir. Da kam derHerr zu mir und redete mich gar freundlich an, woher ich käme und was ich hier z«schaffen hält'. Einmal angefangen, mußte ich ihm die ganze Sach' erzählen. Der Herrund seine „Kameraden" lachten an einem Stück, sie machten miv aber Muth und sagten,ich solle dem „.König Ludwig Majestät" nur Alles ungcnirt grad' so erzählen, wie ihnen,dann ging's gewiß gut. — Die Herren aßen dann noch ein wenig und gingen dannwieder fort, und ich machte mich bald nachher auch auf den Weg nach dem Schloß. —Als ich droben ankam und klingelte, da machte man mir das Thor so weit auf, daßman mit einem Hcuwagen hineingekonnt hätt', und führte mich in ein großes, schönesZimmer zu einem „militärischen Herrn". Ich hätt' geschworen, es wär' der nämlicheHerr, der mir d'runten so freundlich zugesprochen, aber in den militärischen Kleidern warer doch wieder anders. Ich machte ihm mein „Kümblement" und fragte ihn, wie ich ihndann eigentlich „titteliren" sollt', General oder Adjutant? (So was hatt' mir dasMädel d'runten beim Fortgehen gesagt.) Sagen Sie nur Adjutant, sagt' er. Ich sag'ihm: Herr Adjutant! Sind Sie so gut und rufen mir den „König Ludwig Majestät"eiu Bischen heraus. Ich komme weit her und hab' „schlimme Affaire," und wollt' ihmnun die ganze Sach' erzählen, und ihn um ein gut Wort bitten beim alten Ludwig;da sagte er: Ihre Sach' ist mir nicht unbekannt; warten Sie hier, bis ich Sie rufe,und ließ mich allein. Bald hör' ich in der „Nebenstub" ein „Lachen und Kichern" vonManns- und Wcibsstimmen durcheinander. Die habcn's gewiß mit dir, dacht' ich, undwissen nicht, wie dir's ist. Ueber einmal ward's ruhig.
Der Herr Adjutant kam heraus und winkte mir, und als ich zu ihm kam, drückteer mich grad' zur Thür hinein in die andere Stube. Ich stand vor'm König LudwigMajestät! Vor 30 Jahren hatt' ich ihn gesehen, wie er mit seiner Frau im Rheinkreisauf'm „Einsiedet" zwischen Läutern und Landstuhl war. Ich hätt' ihn aber nimmergekannt, er ist seitdem sehr alt geworden, aber doch noch „gerascht." Ich wölk' ihm