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Chinesische Begräbnisse in Californien .
* Ein chinesisches Begräbniß in Sän Francisco ist ein seltsames Schauspiel. Einbesonderer Begräbniß-Platz, der Uerba-Buena-Kirchhof genannt, ist ben Angehörigen dc»himmlischen Reichs angewiesen.. Wenn die Leiche nach dem Grabe getragen wird, streutein feierlich blickendes Individuum kleine Papierstrcifen, die auf beiden Seiten mit weisenSprüchen des Confucius beschrieben sind, umher, und an der Thürschwelle des Hauses,wo der Verstorbene gewohnt hat, werden rothe Papierschnitzcl mit ähnlichen Inschriftengeschüttet. Auf das Grab wird ein gebratenes Huhn, eine Quantität Reis und eineFlasche chinesischen Weines gelegt, — und nach beendeter Ceremonie entfernen sich dieTrauernden, ohne einen Blick rückwärts zu werfen.
Diesen Begräbnissen Pflegt aber außer den Chinesen eine Classe von Leuten beizu-wohnen, die ein bischen aufgeklärter denken, als jene. Eine Anzahl amerikanischerRowdie's, die sich in der Nähe des Grabes verborgen hielten, stürzt sich, sobald dieLeidtragenden den Kirchhof verlassen haben, — auf die zurückgelassenen Eßbarkeiten undGetränke, und vertilgt dieselben an Ort und Stelle in größter Gemüthsruhe. Hat dieLeiche mehrere Monate im Grabe gelegen, so werden die Knochen derselben ausgegrabcn,gewaschen und sorgfältig mit einer Bürste gereinigt, in kleine Bündel zusammengebunden,zierlich mit Etiqueltcs versehen, dann in einen zinnernen Sarg gelegt und einem chine-sischen Handlungshause, das dafür verantwortlich gemacht wird, zur Aufbewahrung über-geben. Wenn eine genügende Anzahl der interessanten Mcmentos angesammelt ist, wird«in Schiff gemiethet und die Särge mit ihrem Inhalt nach Shanghai , Canton oderHongkong expedirt. Jüngst verließ ein solches Schiff mit 400 todten Chinesen befrachtet,den Hafen von Sän Francisco.
Der Suez-Canal.
* Obwohl es für einen Euphemismus gelten muß, schon jetzt von einer erfolgten«Eröffnung des Sucz-Canals" reden zu wollen, so hat doch die neuliche Oeffnung de»Dammes, welcher die den Arbeiten nachrückenden Gewässer des Mittclmeeres von densogenannten „bitteren Seen" oder Lagunen trennte und durchstochen wurde, ihre höchsteBedeutung. Wie die „Times" mittheilt, sei eine Distanz von 59englische Meilenbeendet, und es verbleiben nur noch 14'/, englische Meilen, welche die Wasser vomrothen Meere trennen, und auch auf dieser Strecke sei die Ausgrabung des Canals derBeendigung nahe. Die „Times" ist der Ansicht, daß die nur langsam vor sich gehendeFällung der „bitteren Lagunen," bis deren Wasserspiegel demjenigen des Mittelmeere»gleich sein würde, noch Monate in Anspruch nehmen werde, aber daß man den ursprüng-lich für die Beendigung festgesetzten Termin, die zweite Hälfte dieses Jahres, wohl werdeinnehalten können. Der Canal hat eine volle Breite von 100 Meters vom Mittelmeerebis zu jenen unweit des rothen Meeres gelegenen Binnen - Gewässern. Die Geschichteerwähnt, daß schon der erste Napoleon als General Bonaparte bei seinem Fcldzuge inEgypten die Idee der Stechung des Suez-Canals mit sich herumgetragen und sogar schoneine geometrische Aufnahme des Territoriums anordnete. Das Resultat war, daß dieIngenieure berichteten, das Niveau des rothen McercS sei um 30 Fuß höher, als da»mittelländische, eine Angabe, die 70 Jahre lang unangefochten geblieben, bis 1840 eineneue Untersuchung Zweifel an der Richtigkeit jenes Gutachtens begründete, und 1847stellten englische und französische Ingenieure eine neue Untersuchung an, die Linant Beyeinige Jahre später vervollständigen ließ. Man gewöhnte sich daran, die Sache fürausführbar zu halten, und zur Zeit des KrimmkriegeS, als Frankreichs Einfluß imOrient am größcstcn, wurde der Vicckönig Said Pascha bewogen, Ferdinand de Leffep«