Ausgabe 
29 (4.4.1869) 14
 
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die Concession zur Anlage des Canals zu verleihen. Dessen Name werde für alleZeiten unter die größten Pioniere praktischer Wissenschaft gezählt werden und der Suez-Canal werde unter die Weltwunder zählen. So weit reicht der Panegyrikus derTimes."Sie erinnert jedoch daran, daß zur Zeit, als man denCanal " entwarf, solche großeSchiffe, wie man sie jetzt expedire, (von 4 5000 Tonnen Gehalt) nicht in Anschlaggenommen wurden, mithin also noch bedeutendere Verbesserungen mit der Tiefe desCanals vorgenommen werden müßten, ehe der Weg um das Cap für solche Fahrzeugeerspart werde. Segelschiffe würden denselben kaum benutzen, da sie der Remorqucursbedürften, aber eine Construktion solcher Schiffe, die Segelkraft mit Dampf unterstützenkönnten, würde den Succeß des Unternehmens feststellen; Port Said , das jetzt nurein Weiler von Holzhüttcn, würde Alexandria den Rang streitig machen und alleBedeutung einer der rührigsten Weltstädte entwickeln.

DerMorning Star" bedauert, daß der P r i n z v on W a l c s dem feierlichenMoment, wo sich die Wasser dcS Mittelmeeres in den Caual ergossen, nicht beigewohnthabe. Derselbe habe sich auf einem Ausfluge in die Wüste verspätet gehabt. DerStar" erinnert übrigens daran, daß schon in grauen Zeiten eine Verbindung zwischenden beiden Meeren stattgefunden, die schon Hcrodot gekannt habe, von Ptolomäern undRömern wieder hergestellt, aber dann gänzlich in Verfall gerathen sei, aber immerhindazu gedient habe, Lcffeps zu seinem kühnen Plane zu ermuthigen.

Miseellen.

(Etwas aus dem täglichen Leben der Hausthiere.) Rechts vom Ocd-bach, im März. Nero, der streitbare getigerte Pfarrhund von O. und eine Roth inGrau gesprenkelte Hofhcnne sind seit einiger Zeit zu einander in eine interessanteGeschäfts - Freundschaft getreten. Nero ist sonst ungemein eifersüchtig auf seinen eisernenHafen, besonders wenn noch ein Fraß darinnen ist. Naht sich aber die bezeichnete Hennemit matronenhafter Bedächtigkeit, so verhält sich Nero ruhig und läßt die Henne so vielSuppe Herauspicken, als ihr beliebt. Nero sitzt unterdessen gravitätsch auf der Bankdaneben. Hat sich die Henne gesättigt, so steigt sie in Ncro's Hütte, macht sich ein Nestzurccht und legt dem vierbeinigen Hausherrn ein stattliches Ei hinein. Von da an, wodie Henne die Schwelle seiner Hütte überschreitet, verwendet Nero kein Auge mehr, wedeltmit dem Schweif vor Ungeduld, spitzt die Ohren; und sowie die Hennegackert," springtNero von der Bank, läßt die Henne neben sich heraus, er selbst aber ist mit einem kräf-tigen Schub in der Hütte und trinkt das frisch gelegte Ei aus. Es ist das augen-scheinlich ein Gegenscitigkeits-Vertrag, aber ein ehrlicher, nobler:Gehst du bei mir indie Kost, geh' ich bei dir in die Kost!" Niemand weiß, an welchem Tag Nero undHinkel diesen Vertrag geschloffen haben, der von ihrem beiderseitigen Standpunkt unan-fechtbar ist, aber leider Dritte beeinträchtigt. Der Umtausch von Suppe gegen Ei ge-schah herkömmlich Mittags. Einmal wurde nun die Henne in der Art vertragSbrüchig,daß sie die gemessene Stunde nicht einhielt und erst gegen drei Uhr in die Hütte stieg,und Nero brannte längst vor Ungeduld nach seinem Leckerbissen! Er schob sie halb indie Hütte, schlug mit dem Schwänze den Takt, und bellte und schnappte unaufhörlich nachder Henne, was offenbar den Zweck hatte, bei ihr das Legen des Eies zu beschleunigen.Doch das war Nero's Unglück. Das räthselhafte Thun und Treiben des Hundes machtedie luchsäugige Küchenmagd aufmerksam; sie zog den feingesponnenen Gcheimvertragan's Tageslicht und annullirte ihn sogleich ohne Advokaten und Richter in höchst eigenerMachtvollkommenheit. Wohl sitzt Nero nach wie vor auf seiner Bank, allein die Grau-Gesprengclte in der Hütte gackert nicht mehr; eS war ein schöner Traum, der Eier-schmauS ist aus!