Ausgabe 
29 (4.4.1869) 14
 
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(Eine wohlfeile Dachrinne.) Bekanntlich wurden Vatermörder und Damen-Unterröcke aus Papier fabrizirt; überraschen aber wird es gewiß, wenn man vernimmt,daß selbstDachrinnen aus Pappendeckel" gemacht werden. Ein Hausbesitzer in einemunweit von Cilli befindlichen Marktflecken beschloß, als er an einem regnerischen Tageganz durchnäßt noch die Dachtraufe seines Hauses passiren mußte: das alte Sprichwort:Aus dem Regen kommt man in die Traufe," zu Schanden zu machen. Er begab sichdeßhalb zu einem in Cilli wohnhaften Spengler, dem er für eine Dachrinne kaum denhalben Schätzwcrth versprach. Doch stellte sich der Spengler auch mit diesem Preise zu-frieden, und versprach, die bewußte Dachrinne in Bälde zu liefern. Ganz erfreut riebsich der Hausbesitzer die Hände, als er einmal, aus dem Gasthause heimkehrend, seinDach mit einerhochrothcn Dachrinne" geziert sah, zahlte er dem harrenden Spenglerallsoglcich den bedungenen Preis aus und bedachte ihn noch obendrauf mit einer Jause,die sich Letzterer wohl schmecken ließ. Nun fehlte dem Hausbesitzer nur noch ein Regen,um sich an dem Geplätschcr deS von der Dachtraufe rieselnden Rcgenwassers ergötzen zukönnen. Zufällig wurde dieser Wunsch auch schon in derselben Nacht befriedigt. Etwasunangenehm muß es ihn berührt haben, als er am nächsten Morgen am Dache dieRinne vermißte, dafür aber den Boden mit röthlichcn Fetzen bedeckt sah, und sich beinäherer Untersuchung überzeugte, daß die wohlfeile Dachrinne nicht aus Blech, sondernausPappendeckel" fabrizirt worden war.

(Bayerischer Grundsatz.) In einem deutschen Bierhause Bostons behauptetekürzlich ein Bayer, zum Entsetzen der amerikanischen Zuhörer:Zu viel Schnaps istzu viel Schnaps, aber zu viel Bier ist gerade genug!"

Da hab' ich schon wieder einen Zahn verloren!" sagte eine Frau zu ihrer ritter-lichen Ehehälfte.Der wird sich freuen, daß er mit deiner Zunge nicht mehr in einemLogis zu wohnen braucht," murmelre der ungalante Gemahl.

Der reichste

Preisend mit viel schönen RedenIhrer Künste Werth und Zahl,

Saßen viel moderne Grafen

Einst in einem WirthshauS-Saal.

Grafen Topo, Gco, KoSmoRühmten viel die Wissenschaft;

Wie man Sonne, Mond und SterneUnd der Erde Grenzen schafft.

Nicht auf schwarzbepnnktcn KartenLiefern wir der Erde Bild,

Sprachen Lylo, Photo, Litho

Die Natur ist unser Schild.

Gras.

Grafen Autho, Steno, TypoPriesen ihrer Arbeit Ziel

Wie sie Schrift und Wort verbreiten.Und verbesserten den Styl.

Grafen Zinko und Galvano,

Kolli- und der Ortho-Graf

Rühmten wie die andern GrafenIhre hohen Künste brav.

Endlich aber kam Graf Tele,

Sprach:Ich schlag' Euch Alle todr;

Ich allein mit Blitzesschnelle,

Ich verdiene mir mein Brod!"

Und es sprachen Ortho-, Kalli-,

Typo-, Topo-, Steno-Graf,

Und die andern Grafen alle:

Vivat hoch der Telegraph!"

Druck, Lerlxg und Reoaclion deS Literarisckrn Iustituts von ttr. M. Huttlcr.