Ausgabe 
29 (2.5.1869) 18
 
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ksro. 18.

Augsbueger

L. Mai 1869.

.Mit Engel» im Gefecht

Besteht kein Mensch: Der Himmel schützt das Recht.

Shakspeare, Richard ll. A. Uk. i.

Das Jubelfest des heilige« Bakers in Skom und i» der deutsche»National-Kirche «1 Kulm».

l>r. ck. ^V. Rom, 11. April. Der gestrige Tag führte fortwährend Gästeherüber; viele von ihnen hatten nach den Ostertagen sich von hier nach Neapel begeben,und kehrten zur Feier des Festes nun zurück; viele aber, besonders vom deutschen Adel,kamen erst gestern mit ihren Familien aus der Heimath an. Neben den uns überallbegegnenden Italienern, zumal auch aus den früheren Provinzen des päpstlichen Staates,sind eS besonders Deutsche, deren Sprache wir allenthalben in den Kirchen, auf denStraßen, in den Wirthshäusern hören. Selbst die amerikanischen Stammes - Genossenhaben in besonderer Weise dem heiligen Vater ihre Liebe ausdrücken wollen; gesternlief nämlich aus Baltimore folgendes Telegramm ein:

kupus kio IX. komnm.

§snotis8imo kio, cke tzuin^ugAknsrio saeonlotii zubilsntis gralulsnlur,suiutom incolllmitgteincsue »reogntos, lili! nationi« leutonioao per pro-vinoikls ^merieao l/nitnlis liispersi.

UeberauS lebhaft ist der Verkehr in dem deutschen National - Hospiz äelk snims,wo die Gäste angewiesen sind, ihre Billere für die Audienz in Empfang zu nehmen,und wo auch die Adresse der Gesellcn-Bereine zur Ansicht aufliegt.

Gestern Abends um 7 Uhr begann die Beleuchtung der Pcters-Kuppcl. Als wiruns über die Engelsbrücke dem gewaltigen Baue näherten, standen dort Wagen anWagen; um den Strom der Zuschauer nämlich nicht zu hemmen und in dem GedrängeUnglücke zu verhüten, hatte man verboten, daß jene die Brücke passierten. Nun liegtdie Peters-Kirche vor uns, von tausend und aber tausend Lampen bis oben zum Kreuzehin beleuchtet. Die Linien und Umrisse des gewaltigen Gebäudes sind gleichsam durchKränze von lauter Edelsteinen scharf und deutlich dargestellt; das Ganze liegt in einerimposanten, tief ergreifenden Ruhe und Majestät da, während unten die winzigen Men-schenkinder hin- und Herwogen, und sich an dem schönen Bilde nicht satt sehen können.Um 8 Uhr, mit dem ersten Schlage der Glocke, fand die berühmte Verwandlung statt.Die Kuppel und die tiefern Theile sind nämlich, außer mit jenen Lampen auch noch mitunzähligen Pechfackeln besetzt; mehrere hundert Menschen, auf das ganze Gebäude ver-theilt, die man aber unten nicht sieht, haben je zwei Pcchfackeln anzuzünden. Sobaldnun der erste Schlag der Glocke ertönt, wird zunächst oben hoch das Kreuz mit dieserzweiten, weit strahlenden Beleuchtung illuminirt, und zugleich zündet jeder der Arbeiterseine beiden Pechfackeln mit der rechten und der linken Hand an, so daß in EinemAugenblicke das Feuer, wie niederströmend, von der Höhe des Kreuzes sich über alleTheile ergießt, und während die kleineren Lampen fortbrenncn, das Ganze gleichsam miteinem Regen von funkelnden Rubinen überschüttet. Die Schönheit, Pracht und Herrlich-keit dieses einzig dastehenden Schauspiels ist unbeschreiblich.

Sonntag. Heute Morgen um 8 Uhr begann der heilige Vater seine stille Jubel-Messe. Von den unermeßlichen Schaaren, die dem Vatikan zuströmten, und hin- undhcrwvgend, sich nach der eonlessio, dem Grabe der Apostel und dem dortigen Altare

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