138
fortwälzten, wollen wir weiter keiner Schilderung unterwerfen; eS genüge, zu sagen, daßdas Bild, welches wir dem Leser am Osterfeste vorführten, heute noch weit übertroffenwurde. Unser Weg zur Peters-Kirche führt uns jenseits der Engelsbrücke durch einenmächtigen Doppel-Triumphbogen, unter welchen hin die zwei Straßen nach der Basilikades Apostelfürstcn führen. Auf der, beiden Bogen gemeinschaftlichen Mittelsäule, vonetwa 40 Fuß Breite, — stand in großen Lettern eine Inschrift in italienischer Sprache,welche also lautete: „Ihr Völker, die ihr dem Herrn dienet, tretet ein durch die Straße„des Triumphes in den vatikanischen Tempel; Papst Pius IX. bringt auf dem Altare„das ewige Opfer dar im fünfzigsten Jahre seines PriesterthnmS. Bald auch werdet„Ihr wiederkehren zu größerer Herrlichkeit, wenn der Oelbaum und die Palme ihre„Früchte reifen, dann, wenn Ihr zur allgemeinen Kirchen-Versammlung erscheint, um„den Triumph der Wahrheit und Gerechtigkeit zu begrüßen, wo das ganze Weltall zu„einem einzigen Glückwunsch geeinigt ist."
Stellen wir uns in St. Peter vor der Lonkessio auf, so daß wir den Altar undden an demselben cclebrirenden Papst vor uns haben Wo dann die Bogen beginnen,welche den Unterbau der Kuppel tragen, erblicken wir in Mosaik die gewaltigen Figurender vier Evangelisten, die uns das Leiden, wie den Triumph des Gottmenschcn über-lieferten. Schauen wir nun empor zur Kuppel, — dem Sinnbilde des himmlischenJerusalems , so thronen dort um den verherrlichten Erlöser seine Apostel, Engelgestaltcnschweben darüber, während aus der höchsten Höhe, niederschauend auf den immerwährende»Altar des neuen Bundes über dem Grabe des Apostelfürsten, das Antlitz des ewigenVaters erscheint. — Und nun siehe Pius die Stufen des Altares emporsteigen, lieberLeser, und während Du sein freundliches Auge, seine ehrwürdigen Züge, seine ganzegewinnende Erscheinung betrachtest, wie er in so wunderbar ergreifender Weise die heiligeHandlung fortführt, laste Lein Auge wiederum sich richten auf Veronika und Helena,und hinauf zu den Evangelisten und zn den Triumphen deS Erlösers, bis hoch emporin die höchste Kuppel zum Throne deS Vaters, — fühlst Du die schöne Beziehung,welche zwischen diesem Bilde und PiuS besteht, zwischen diesem Bilde der zur Glorieverklärten Leiden des Meisters, und PiuS, der nach fünfzigjährigem Dienste des Altars,und nach einem Pontifikate voll Kreuz und Dornen, voll Schmach und Verfolgung heuteseinen Triumph feiert.
Die Consekration und die Communion, wie sie der heilige Vater vornimmt, werdenAllen unvergeßlich bleiben, die je das Glück hatten, unseren Papst am Altare zu sehen.Man fühlt, daß er als der Hohepriester der Welt und als der Stellvertreter Christi amtiefsten von dem Geiste des ersten und höchsten Priesters unserer heiligen Religion durch-drungen ist/ noch dieser Tage sagte uns ein hochstehender deutscher Herr: „Pius celebrirtwie kein Anderer; er ist am Altare ein schon halb zur Verklärung eingegangener Hei-liger." — Nach seiner Communion spendete der heilige Vater dieselbe an 450 Personen,welchen durch besondere Empfehlung dieses Glück zu Theil wurde. Die Kammerherrcndes Vatikan hatten aus Fürsorge für den Papst die Zahl beschränkt. Der heilige Vateraber setzte sie auf diese 150 fest. Nachdem das Opfer beendigt war, intonirte er dannmit lauter und klarer Stimme das Tedeum, welches nun abwechselnd vom mehrstimmigenChöre und von den Tausenden, welche die Peterskirche füllten, weiter gesungen wurde;zum Schlüsse endlich spendete der heilige Vater den apostolischen Segen.
Um 11 Uhr fand in der Kirche lloll' unimu der Festgottesdicnst der Deutschenstatt. Von dem Gedanken ausgehend, wie das letzte Wort des Herrn auf Erden:„Sieh, ich bin bei euch alle Tage bis an's Ende der Welt," — in der Geschichte seineErfüllung finde, und besonders in. schweren und tiefbewegten Zeiten sich bestätige in derAuswahl der Männer, denen Gott die Leitung der Kirche anvertraue — Silvester, Leoder Große, Gregor der Große, Gregor XII., Pius VII., Pius IX. — stellte die Fest-Predigt, die Regens Moufang hielt, in begeisterter und ^ergreifender Sprache die Eigen-