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schaften, die Leiden, die Siege unseres heiligen Vaters den Zuhörern vor Augen. Daserste wurde ausgeführt, anschließend an das Wort Panli: „Es ist erschienen die Güteund Menschenfreundlichkeit Gottes unseres Heilandes," und schließend mit der Darlegungdes großen Segens, den Pins durch diese Eigenschaften uns, der Kirche und der Weltgebracht habe; man liebte zunächst Pins, dann in Pius den Papst, im Papste die Reli-gion, in der Religion Gott wieder. Diese gewaltige Macht der Milde, die der Papstausübe, sei von den Anwesenden durch eigene Erfahrung erkannt; wie die Jünger vonEmaus, so fühle es Jeder: „Entbrannt ist unser Herz, als er mit uns sprach!" —Aber nicht bloß durch seine Milde, sondern auch durch seine Leiden sei Pius daS Abbildseines Meisters geworden. Auch er habe am Beginne seines Pontifikats seinen Palm-Sonntag gehabt, wo alle Welt ihm Hosanna zujauchzte, aber dem Palm-Sonntage seibald ein Gründonnerstag gefolgt, wo er sein Abendmahl in St. Peter feierte, an welchemmehr als ein Judas aus seinen Händen die heilige Communion empfing. Und dannsei der Charfreitag gekommen, wo man den Papst verhöhnt, durch ungerechte Anklagevrrlüumdet, ihn seiner Kleider, seines Besitzes beraubt und auf seinen Tod gesonnenhabe. — Das Alles aber habe Gott zugelassen, damit der verfolgte Pius der Gegenstandder allgemeinsten Liebe werde, der verlassen, die Herzen um so fester mit sich verbinde,der gehaßte, die Blüthe der christlichen Jugend zum heiligen Opfer um sich versammeltsehe. Wie auf den Winter der Frühling folge, so sei die Regierung des glorreichenPius die Zeit, in welcher in der ganzen christlichen Welt ein neues Glaubcnsleben er-wacht, die schönsten Blüthen der Liebe hervorgesproßt seien, und auf dem dürren Bodender Gleichgültigkeit und des Jndifferentismns, des Irrglaubens und des UnglaubensBegeisterung für die Religion, Erkennung der Wahrheit Wurzel geschlagen und sich ent-wickelt habe. An Allem dem aber habe der Papst einen großen Antheil durch die inni-gere Anleitung der Bischöfe und der Völker an ihren Mittelpunkt, durch Gründung vonmehr als hundert neuen Bisthümcru, durch die reiche Äusspendung der kirchlichenGnadenschützc in den Jubiläen rc. Der Redner schloß mit einem schwungvollen Glück-wünsche und Gebete für den heiligen Vater. — Auf die Predigt folgte das heilige Opfer,bei welchem die Prcismesse von Witt zur Aufführung kam; daran fügte sich ein feier-liches Tedeum als Schluß.
Am Nachmittage um vier Uhr versammelten sich die Deputationen der katholischenWelt in dem großen Saale hinter der Loggia über der Vorhalle der Peterskirche, umdem heiligen Vater die Gaben und Glückwünsche, aller seiner Kinder darzubringen. —Die Zahl der zu dieser Audienz um den Thron deS Papstes dort aufgestellten Abgeord-neten mochten gegen zweitausend sein. Der heilige Vater wurde bei seinem Erscheinenmit einem nicht enden wollenden levivn und Hochrufen begrüßt; dann traten die Depu-tationen vor ihn hin und überreichten ihm knieend die Adressen. Während der heiligeVater dieselben in Empfang nahm und in seiner gewinnenden Weise mit den einzelnenredete, drangen unten vom Petcrsplatze her die Klänge von sieben zusammenwirkendenMusik-Chören zu uns herauf. Dann erhob sich der Papst und richtete an die Ver-sammelten mit kräftiger Stimme, welche von einer ebenso lebhaften, als gefälligen Gesti-kulation begleitet war, in italienischer Sprache ungefähr folgende Worte, in welchen er,seiner eigenen Person und deS hohen Festes vergessend, das er heute feierte, sein Augeeinzig auf die großen Interessen der Kirche richtete. „Obgleich immer verfolgt, hat dieKirche des Herrn doch immer noch triumphirt, und so wird sie nicht minder in unserenTagen triumphircn, wenn auch die Weise, wie sie den Sieg erringt, eine andere ist, alsin früheren Tagen, indem jetzt die Art des Angriffs eine andere ist. Früher nämlichwaren es hauptsächlich einzelne, durch hohe Heiligkeit und die Gabe der Wunder hervor-leuchtende Persönlichkeiten, in denen sich die innere Lebenskraft der Kirche und ihre gött-liche Macht der Welt manifestirte. In unserer Zeit ist das nicht der Fall, nicht alswenn es keine Heiligen mehr gäbe, denn die Kirche ist immerdar die Mutter der Heilig-