Ausgabe 
29 (2.5.1869) 18
 
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Kit, sondern weil die gegenwärtigen Verhältnisse der menschlichen Gesellschaft eine andereWirksamkeit zu erheischen scheinen. Jetzt ist es die gewaltige Bewegung der Völker, daslebendige Glauben und Lieben der Nationen, geschaart um den heiligen Stuhl, was derKirche unserer Tage den Sieg erkämpft. Denn wie Rom im Alterthum die Beherrscherinder Welt war, wie sie in der mittleren Zeit als die Fürstin dasteht, auf die der Erdkreisschaute, so sehe ich auch jetzt dieses Rom aufgebaut in den Herzen, sein Bild eingezrabeuin der Brust aller Derer, welche sich als Kinder der katholischen Kirche bekennen, alsFürstin in geistiger Herrschaft, glorreicher als je in unsern Tagen. Und was ist unserAntheil in diesem Kampfe der Kirche? Das feste Beharren bei dem, was Ihr bisherhoch gehalten, die Treue gegen die Kirche und diesen apostolischen Stuhl, die Verthei-digung der Prinzipien, die ich in der letzten Zeit verkündigt habe. Dann das Gebet,Gebet für die offenen Feinde der Religion, Gebet für ihre geheimen Gegner, Gebet fürdie Lauen und Schwachen, und die, welche in ihrem Wandel Gesetze mit einander ver-binden und in Einklang bringen wollen, dir ewig unvereinbar bleiben werden."

Als danu nach diesen Worten der heilige Vater den Segen gespendet hatte, brachder Zubel, der ihn bei seinem Erscheinen begrüßt hatte, von Neuem und noch stärkerhervor, und in diese Huldigung der Abgeordneten aller seiner Kinder, stimmten untenvom Pctersplatze die sieben Musik-Chöre und ein Gesang-Chor von ungefähr tausendSoldaten, sowie das Jauchzen der zahlreichen Menschenmafse, die rings umher stand, ingewaltigster und ergreifendster Weise ein. Das Gefolge des heiligen Vaters wandte sichdem Eingänge zu, aber um dem Volke unten seinen Dank zu bezeugen, ließ der Papstdie hohe Fenstcrthüre öffnen, und trat auf die Loggia hinaus, wo nun in erneuter Be-gcisterung der allgemeinste Jubel ihm entgegenschallte.

Am Abende fand das große Feuerwerk auf ?ietro in montor'io statt, die soge-nannteGirandola." Wer jemals die Pracht und Mannigfaltigkeit dieser Darstellunggesehen, diese Zaubergärten mit ihren Springbrunnen und Wasserfällen, diese Fcuerräderin ihrem steten Wechsel von Gestalt und' Farbe, diese Krater, aus denen zahllose Raketenhervorstiegen, welche sich in den prachtvollsten Sternen und Schlangen, oder als goldenerFcuerregcn auflösen, dieser schimmernde Palast aus lauter Edelsteinen aufcrbaut, derwird uns zugestehen, daß eS unmöglich ist, dem Leser in einer Schilderung ein auch nurin etwas der Wirklichkeit ähnliches Bild zu entwerfen. Was in dieser Sache anderwärtsgeleistet wird, kann sich mit diesem römischen Feuerwerke kaum vergleichen lassen.

Die Entsageude».

(Fortsetzung.)

Sie eilte an daS Clavier und begann, wiewohl mit zitternder Stimme, der fieumsonst Festigkeit zu geben versuchte, folgende Strophen:

Ein Mädel liebt den Jüngling stillWohl seit der Kindheit Tagen,

Sie wahrt ihr Herze lang und willEs Keinem, Keinem sagen.

So oft er immer kommt und geht,

Und um ein Wort der Liebe stehtSie will es nimmer wagen.

Da eilet er in fernes Land,

Sieht and're Mädchen blühen,

Und fühlt sein Herz so leicht entbranntWohl für die Schönste glühen.

Fahr wohl, fahr wohl, dn spröde Math.

Was hörtest nicht zu rechter Zeit,

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