Ausgabe 
29 (9.5.1869) 19
 
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Fr. Rückert.

Sohn, fürchte Gott , damit dein Jnn'res furchtlos sei,

Denn Gottesfurcht nur macht vor Menschenfurcht dich frei.

Die Geschenke zur Sckundiz-Feicr des heiligen Vaters.

vr. X. ci. >V. Rom, 2. Mai. Während der dem Feste folgenden beidenWochen waren die vorzüglicheren Geschenke, die dem heiligen Vater aus allen Länderndargebracht waren, in einer der Hallen oder Loggien des Vatikan zur Ansicht ausgestellt.Der Andrang der Neugierigen war ein ungeheurer, und da jedesmal nur eine geringeZahl eingelassen wurde, um das Gedränge nicht zu stark werden zu lassen, so mußtenHunderte auf den Treppen in langem, ermüdendem Harren stehen, bis endlich die Reiheauch an sie kam, und die Schweizerwache sie einließ. Durch die Vermittlung eines gutenFreundes gelang es uns, einen permosso zu erwirken, wornach wir allein in der Früheeines Morgens den Zutritt erhielten, und so Alles nach Wunsch in Augenschein nehmenkonnten, wie es in den beiden aneinander stoßenden Hallen aufgestellt war. Da erblicktedas Auge zunächst einen kostbaren Teppich, der von einigen Damen in Köln gestickt war,und an einem Wasscrqucll zwei Hirsche auf blumigem Anger zeigte, ein schönes Sinnbildder Gnaden, die von ihm, dem Felscnmanne, dem Stellvertreter Christi, Allen zu Theilwerden, welche darnach dürsten. Dann folgte in prachtvollem Nahmen das Kölner Dom-bild, daneben ein Gemälde, welches die Schlacht bei Mentana darstellte, und welches dierömischen Damen dem heiligen Vater verehrt hatten. Weiterhin stand auf einem hohenPostamente das Marmorbild der unbefleckt empfangenen Gottesmutter, der hohen PatroninPins IX., ein Kunstwerk voll Adel und Anmuth. Meister Steinte von Frankfurt hatteein in Aquarell ausgeführtes Bild geschenkt, welches oben die heilige Dreifaltigkeit, inder Mitte die Geburt Christi, unten den Papst am Altare darstellte, das Ganze um-geben von den bildlichen Darstellungen der sieben Schöpfungstage. Dreifaltigkeit,Menschwerdung und Eucharistie in der vom Nachfolger Pctri geleiteten Kirche, diese dreiGrundwahrheiten und Hauptgehcimnifse unseres Glaubens sind es, durch welche die Weltvon ihrer Erschaffung an erhalten, regiert, geheiligt wird,- das ist, wie es scheint, dietiefe Idee, welche der fromme Künstler in seiner Darstellung uns vor Augen führt.

Indem wir eine Menge von Gegenständen von geringerer Bedeutung und wenigerkünstlerischem Werthe übergehen, treten wir in die zweite Halle, zu welcher jene, bisherbeschriebenen Gaben nur gewissermaßen die Einleitung bildeten. In der Mitte der Hallehat man eine hohe Wand errichtet, vor welcher sich terrassenförmig abgestuft ein langerund tiefer Tisch hinzieht. Was wir da zunächst erblicken, sind zwei Meßgewänder, daseine weiß, das andere roth. Letzteres, mit künstlerischer Stickerei, ist von den NonnenvomArmen Kinde Jesu" zu Aachen geschenkt. Wir hielten das erstere für das Geschenkdes Kaisers von Frankreich , von dem man unö erzählt hatte; um uns zu vergewissern,fragten wir den uns begleitenden päpstlichen Kammcrhcrru, der uns aber erklärte,Napoleon habe kein Geschenk gesandt, jene Kascl sei vielmehr die Gabe der StadtBologna . Auch die Mittheilung ist unrichtig, als habe die französische Kaiserin eineMillion Franks geschickt; überhaupt haben die Zeitungen sehr viel Unwahres berichtet;wie denn auch die Erzählung von dem Geschenke Viktor Emanuels falsch ist; er alleinvon allen Fürsten hat nicht grqtulirt. Nun, die Italiener haben es für ihren Ehrcu-König reichlich gut gemacht; sie ringen mit Deutschland um den Preis in der Huldigung