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-es heiligen Vaters. — Zwischen jenen beiden Meßgewändern erhob sich dann die »omKönig von Preußen geschenkte kostbare Vase aus der königlichen Porzellanfabrik zu Berlin ;zu beiden Seiten standen rechts das goldene Neliquiarium, das Prag gesandt hat, linksein hohes silbernes, besten Stil italienischen Ursprung verräth. Doch konnte ich nichterfahren, von wo es gekommen. Weiterhin lagen oder standen in reichster Mannigfal-tigkeit Bischofs-Kreuze, mit kostbaren Diamanten und Edelsteinen besetzt, Kelche, Ciborienund Reliquiarien in gothischem und in modernem Stile, ein Kisten von rothem Sammtmit überaus geschmackvoller Stickerei in Gold und Silber (den päpstlichen Farben), end-lich die schönsten Adressen, unter ihnen die der deutschen Bisthümer, welche Steinte gemalthat, und deren prächtiges Titelblatt aufgeschlagen da lag; ferner die der Gesellenvereine,ein dicker Band, wie ein großes Meßbuch, und die der deutschen Studentenschaft, welcheauf weißem Grunde den Namen Piuö IX. zeigt, umgeben von einem Lorbcerkranze ingetriebener Arbeit.
Die meisten Gegenstände werden in der päpstlichen Schatzkammer aufbewahrt werden.Einzelnes schenkte der heilige Vater an arme Kirchen. So hat er dem Waisenhausc vonTata Giovanni einen Kelch verehrt, der ihm zu seinem Feste dargebracht war, sowie eineweiße Kasel mit reicher Goldstickerei, ein Alba mit goldenem Cingulum, ein Meßbuchund ein Paar Meßkännchen aus hellgrünem Krystall, deren Handfaß aus äußerst zier-lichen, silbernen Blumengewinden gebildet ist. Einer der Priester des Waisenhauses hattedie Güte, mir diese Geschenke zu zeigen, wie er mir auch einen kleinen, alten Mannvorstellte, — der schon im Hause gewesen war, — als Pius noch als junger Priesterdasselbe leitete.
Die Entsagenden.
(Forisetzung.)
In der That erschien der Baron am Eingänge des Salons. Der Ausdruck einertiefen Entschlossenheit lagerte auf seinen Zügen, als er auf seine Braut zuschritt und ihreHand an seine Lippen führte.
„Ei, ei, Herr Baron," — sagte Angelika scherzhaft, „ist das ritterlich, mitten imVortrag einer schönen Sängerin aus dem Zimmer zu eilen und uns allein zu lassen.Soll Ähre Handlungsweise ein Complimcnt für meine Cousine enthalten, deren StimmeSie mit solcher Macht ergriff, daß es Ihnen unmöglich war, Ihr Gefühl zu bewäl-tigen, oder eine Illustration zu dem Gedanken: Ihre Stimme, mein Fräulein, ist zumDavonlaufen?"
Aber das Antlitz ihres Verlobten blieb ernst. „Angelika," sagte er, „gewährenSie mir die Gunst einer Unterredung, je früher, desto besser für uns Beide. Ich habeIhnen Wichtiges mitzutheilen."
Beide Mädchen sahen sich gegenseitig an; sie ahnten den Inhalt dieser Unterredung,den die Blicke, die Rudolph auf die jüngere Angelika warf, noch deutlicher bekundeten.
„Ist denn diese Unterredung so wichtig?" fragte endlich die Braut. „Und dochthut es mir leid, sie Ihnen nicht vor übermorgen bewilligen zu können, Rudolph!"
„Uebermorgcn?" — wiederholte der Baron erschreckt. „Warum so spät? JedenAugenblick, den ich Ihnen gegenüber früher mein Herz ausschütten darf, erleichtert umeine Zentnerlast meine Brust."
„Ist es Ihnen lieb, wenn man Sie aus einem schönen Traume weckt, Rudolph?"fragte Angelika sanft. „Vielleicht träume ich eben von Glück und rosiger Zukunft, lassenwir diese Unterredung bis übermorgen."
Der Baron bezwäng sich. „Sei es denn, bis übermorgen!" — sagte er. „Sowerden Sie mich bis zu diesem Tage entschuldigen." Er stockte in seiner Rede, denn