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«kle diese Fragen ein. Er zeitigt die Angaben; er versteht alle Triebfedern in Bewegungzu setzen; er läßt Amerika, England , den Orient an Ort und Stelle studircn undbulgarische Geistliche kommen, obscure Männer, die jedoch Mächte sind. Der Mannder Politik für die zeitige Macht, und der Mann mit dem heitern, ja witzigen Tempe«rament läßt bei Pius IX. nur allzusehr den Papst vergessen, der zugleich der eifrigstePropagandist und der größte Wiedcrherstellcr kirchlicher Schäden ist, den cS seit langerZeit gegeben. Man beachtet nicht genug, daß er alle diese umfassenden Werke unter-nimmt, nicht etwa durch Zufall, nicht weil sie an sich reif wären, sondern weil er einsehr überlegter Papst ist; persönlich von sehr hervorstechendem Charakter. Er ist inWahrheit der Mann mit dem ungeheuren, in einem Zimmer des Vaticans aufgestelltenErdglobuS, wie er mit rothen Strichen die gegenwärtigen Grenzen seiner Herrschaft be-zeichnet, wobei er zu einem kleinen Priester von nichtssagender Miene, indem er mitdem Finger auf eine noch nicht unterworfene Gegend zeigt, sich äußert: „Das mußman in Besitz nehmen."
Miseellen.
Californien . (Ein Götzentempel.) Die Chinesen in Sän Franciscohaben nach der „Amerikanischen Post" jetzt ihren eigenen Buddha-Tempel errichtet, derfast dieselbe Größe und Ausdehnung hat, wie der zu Peking oder Schanghai . JederChinese, der Reiche wie der Arme, selbst der sonst so verachtete Kuli, hat Zutritt.Das Innere des massiv aufgeführten Hauptgebäudes ist von den Nebengebäuden durcheine lange, in eine Halle endende Gallerie getrennt. Auf jeder Seite der Halle befindensich Sitze von Ebenholz, bedeckt mit blauem, reich gesticktem Stoff. Von der Halleführen Stufen in das (nach ihrem Glauben) Allcrheiligste. Auf einem großen Tischdicht vor dem Altar stehen brennende Kerzen und drei Melallvasen, deren Deckel Drachendarstellen, aus deren Nachen der immer brennende Weihrauch ausströmt. Nicht weitdavon steht ein anderer Tisch, auf welchen Schüsseln gesetzt sind mit gebratenem Schweine-fleisch, einem Zicgcnbock, gekochtem Huhn und einer Menge Confect, Gebäck und bren-nenden Räucherkerzen. Der Altar selbst ist auf das Prächligste geschnitzt, reich vergoldetund mit den lebhaftesten Farben lasirt. Mitten darauf steht das Bild Ehing Tal'S,eines berühmten Heros aus der chinesischen Mythologie. Die sitzende Figur ist in Lebens-größe dargestellt, und das knallroth gemalte Gesicht contrastirt eigenthümlich mit demblendendweißen Email der Augen und der Rabenschwarze des Bartes. >Sein Gewand istmit Edelsteinen wie besäet. Die Kuppel der Kapelle ist dicht mit einzelnen Holzlaselnbehängt, auf die weise Lcbcnsregeln geschrieben sind. Tausende von bunten Laternenverbreiten ihr mildes Licht, das sich an den geschmackvoll drapirten Vorhängen bricht.Der ganze innere Schmuck des Tempels wurde in China verfertigt und nach SänFrancisco tranSportirt.
Im Danziger Werder war bei einem Mcnnoniten, der seiner KaltblütigkeitWegen bekannt ist, ein Dieb eingebrochen, und mit einem Dolche bewaffnet an das Bettdes Besitzers, der allein schlief, getreten. Unter der Drohung, ihn zu ermorden, wollteer wissen, wo jener sein Geld liegen habe. Der Mennonit bemerkte ihm hierauf — erwürde es allein doch nicht finden, er wolle es ihm aber zeigen, wenn ihm kein Leid an-gethan würde. Darauf kleidet er sich ruhig an, — geht mit dem Diebe durch mehrereZimmer, öffnet dann einen Schrank, nimmt schnell auS demselben zwei Pistolen, undhält sie dem Diebe mit den Worten auf die Brust: „Ut welkem Büdcl beleewt cm?"(AuS welchem Beutel beliebt ihm?)
Druck, Verlag und Redaction des Literarischcn Instituts von I)r. M. Huttlcr.