Ausgabe 
29 (16.5.1869) 20
 
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der Pfarrer Hasbcrg, der mir oft mit seinem Rathe beigestanden, wird dieselbe voll-ziehen und aus seiner Hand wird die Braut, sobald die Ceremonie vollendet, das ihmvon meinem Oheim eingehändigte Kästchen empfangen, das jenen verhüngnißvollen Wechselenthält, um dessen willen Sie, Rudolph, bereit waren, Ihr Lebensglück dahin zu geben.Verhalten Sie sich vollkommen ruhig, und wenn auch die Stimme Ihrer Verlobtenwährend jener Ceremonie beben mag, sprechen Sie fest und vernehmlich das unauflöslicheJa." Du, Angelika," redete sie gegen ihre Cousine gewendet, weiter,wirst meinemOheim mittheilen, daß Tu Dich gezwungen siehst, am Tage vor meiner Hochzeit unserHaus zu verlassen, und Dich zu einer entfernteren Verwandten zu begeben, er mußglauben, daß Deine Eifersucht Dir nicht gestattet, Zeugin unserer Verbindung zu sein.Du wirst Dich zu einer alten, verschwiegenen Frau begeben, die ich kenne und der ichvertrauen darf; dort wirst Du das Weitere erfahren."

Und nun," endete sie,laßt uns Abschied nehmen bis auf ein fröhlicheres Wieder-sehen. Kein Laut, keine Andeutung verrathe jemals, was in dieser Stunde vorgefallen.Aber beten wollen wir zu dem Lenker der Geschicke, der durch die Wolken des Gewitters,die lichte, segenspendende Sonne strahlen ließ, und Wärme und Freude ergoß über alleCreaturen, daß er auch uns führen möge zum Licht durch die Finsterniß, und verzeihedie krummen Wege, l ie wir wandeln, um ein reines Glück zu gründen, das der unbeug-same Wille eines Menschen zu zerstören droht."

Angelika!" rief Rudolph, von seinen Gefühlen überwältigt,o hätte ich Dichstets gekannt, Du Heilige, ich wäre eher gestorben, als daß ich Dir entsagt hätte!"

Jugend und Schönheit behalten stets ihr Recht," erwiederte das Mädchen.Vereint sich mit diesen Vorzügen die Anmuth, die Liebenswürdigkeit meiner Cousine,wie könnte ich Ihnen zürnen!"

Das junge Mädchen warf sich in die Arme der RedendemMöge Gott Dirlohnen," rief sie mit thrünencrstickter Stimme^wir vermögen es nimmermehr."

Ich trage in mir meinen Lohn," erwiederte Angelika,wenn mein Plan gelingt,bin ich glücklich, da Ihr es seid."

Und bist Du Deiner Sache sicher?" fragte Angelika,willst Du mir nichtmittheilen "

Nicht eher, bis es nöthig ist," unterbrach ihre Cousine sie.Ich habe mit Gott allein diese Angelegenheit berathen, er wird sie zum Heile führen. Und wenn sie miß-glücken, wenn ein Zufall mich betrügen sollte, so trösten Sie sich, Rudolph, dann jadann müssen Sie mein Gatte werden! Aber trösten Sie sich, selbst in diesem Fallewerden Sie bald wieder frei sein."

Ein langer Blick gen' Himmel gerichtet, vollendete ihre Rede.

(Schluß folgt.)

WaS ist es denn mit den Klöstern?

(Beantwortet von Viktor Hugo .)

Es ist sicher interessant, eben jetzt die Stimme eines solchen Mannes über diesesThema zu vernehmen. Viktor Hugo sagt: Menschen vereinigen sich und wohnengemeinsam; auf welches Recht hin? Auf Grund des freien Vcreinigungs-Rechtes. Sieschließen sich ab; auf welches Recht hin? Auf Grund des Rechtes, welches jeder Menschhat, seine Thüre zu öffnen oder zu schließen. Sie gehen nicht aus; auf welches Rechthin? Auf Grund des Rechtes, zu gehen und zu kommen, das auch das Recht einschließt,daheim zu bleiben.

Dort, zu Haus, was thun sie dort? Sie sprechen leise; sie schlagen die Augennieder; sie arbeiten. Sie entsagen der Welt, den Städten, den sinnlichen Genüssen,den Vergnügungen, den Eitelkeiten, dem Ehrgeiz, dem Eigennutz. Sie kleiden sich in