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grobe Leinwand oder grobes Tuch. Keiner von ihnen nennt auch nicht das Geringstesein eigen. Mit dem Eintritt macht sich der, der reich war, arm. Was er hat, gibter für Alle hin.
Der, den man einst vornehm, einen Edelmann oder Herrn nannte, steht dem gleich,der ein Bauer war. Die Zelle ist für Alle dieselbe. Alle opfern ihr Haupthaar, Alletragen dasselbe Gewand, essen dasselbe Schwarzbrod, schlafen auf demselben Stroh, —sterben den gleichen Tod. Sie haben denselben Sack auf dem Rücken, denselben Strickum die Lenden.
Wenn es ihre Regel verlangt, mit bloßen Füßen zu gehen, gehen Alle bloß; dort
kann man Prinzen sehe», diese Prinzen sind ebenso Schatten, wie die Anderen. Kein
Titel mehr, selbst die Familiennamen sind verschwunden. Sie führen nur Vornamen.Alle beugen sich vor der Gleichheit der Taufnamen. Sie haben die fleischliche Familieverlassen und gehören in ihrer Gemeinschaft der geistigen Familie an.
Sie haben keine andern Eltern, als alle Menschen. Sie eilen den Armen zu Hilfe,pflegen die -tranken. Sie wählen die, denen sie gehorchen, und sagen zu einander:„Mein Bruder."
Sie beten. Zu wem? — Zu Gott .
Die unbedachten, flüchtigen Menschen sagen: Zu was diese unbeweglichen Gestaltenzur Seite des Heiligthums? Was nützen sie? Was thun sie? Es gibt wohl keinerhabeneres Werk, als das, was diese Seelen vollbringen. Es gibt wohl keine nützlichere
Arbeit, als die, welche diese Seelen verrichten. Sie beten immer für die die
niemals beten.
*Die Nachgrabungen, welche der englische Lieutenant Warren unter den Auspiciendes Palästina- Erforschung^ Fonds anstellt, fangen an, ungewöhnlich interessante Resultatezu Tage zu fördern. Die Arbeiten sind gegenwärtig fast nur auf die Stadt Jerusalem beschränkt,und der Boden der heiligen Stadt erweist sich als eine Quelle bcmerkenswerther Antiquitäten.Das Jerusalem von heute steht auf den Ruinen des Jerusalems der Vorzeit. Reisende dienach Jerusalem kommen, begnügen sich nicht länger mit einem flüchtigen Blick auf die Stadtwie sie ist, sondern indem sie in Lieutenant Warrens Schachte hinabsteigen uud durch Bögen,Gallerten, verschüttete Hallen, Reservoirs und Wasserleitungen wandern, erhalten sie aucheinen Einblick in die Stadt wie sie einst war. Mehr als 50 solcher Schachte -sind gegrabenworden, uud in einem derselben hat man 90 Fuß unter der jetzigen Oberfläche den Grundsteinder alten Mauern des Tempels entdeckt, welche mit seltsamen bis jetzt noch nicht EntziffertenInschriften bedeckt sind. Bei der Ausgrabung des Wirket Israel oder Sumpfes svon Bethesdastieß man auf ein fast 100 Fuß tiefes gewölbtes Reservoir, dessen Ausdehnung noch nichtgänzlich erforscht ist. In einem Theile der Haram Area gelangte man in die Oeffuung einesBeckens, das zu einem großen, 63 Fuß langen und 57 Fuß breiten, wie eine Kirche gewölb-ten Gebäude führte, welches Lieutenant Warren unwillkührlich an die Kathedrale von Cor-dova erinnerte. In vielen dieser unterirdischen Plätze, die gewöhlich mit großen Schuttmaffenangefüllt sind, fand man seltsame irdene Geräthschaften, die gegenwärtig in den Büreaus desPalästina - Erforschungs - Fonds zu London zur Ansicht ausgestellt sind. Das sind nur einzelneBeispiele der Entdeckungen, welche die ersten Anstrengungen der Forscher belohnt habe». Derganze Boden Jerusalems scheint die Grabstätte des vergangenen zu sein, und fortgesetzte For-schungen dürften nach und die Topographie der heilioen Stadt in der Zeit ihrer frühestenGeschichte, vervollständigen.