Ausgabe 
29 (16.5.1869) 20
 
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Schusse todtstellen werde. In Wahrheit war er nicht einmal verwundet. Als er seinenNebenbuhlerin Brüffel wußte, trat er mit den Bewerbungen um das Herz der Schönen offenhervor und führte sie auch bald als Frau heim. Ob sich der Dupirte mit dem k->N accampl,zufrieden gegeben hat, oder ob er eine neue Revanche suchen will, wird nicht gesagt.

Die Verzweiflung des Unglaubens klingt aus einem Nachrufe heraus, welchenAlexander Dumas dem verstorbenen Dichter Lamartine widmet. Während Lamartine , wiesich die christliche Sprache so schön ausdrückt, im Kusse des Herrn starb und nach Ablegnugeiner Generalbeichte und Empfang der bl. Sterbcsacramente mit dem Crucifix in der Handzur ewigen Ruhe einging,ruft Dumas in seinem Nachruf aus:O Dichter, der du in deinemLeben so oft nach den Geheimnissen des Todes geforscht, könntest du nicht vom JenseitsKunde über das große Geheimniß der Ewigkeit geben? Wenn zwei Menschen, wie Shakespeare und du, den Tod befragten und er nicht antwortete, so ist es, weil er stumm ist. Aber duzweifeltest nichc wie Hamlet und starbst von süßen Hoffnungen erfüllt. Du hast die Augen alsChrist geschlossen. Du selbst sagtest:Ich habe zum Danke die Leiden, welchemir die Menschenhienieden bereiteten. . . . Aber in deinen Schovß eingegangen, o Gott ! vergesse ich das Allesoder vielmehr ich hoffe dafür belohnt zu werden.Oloi-ia 1» exeslsis Doo!" Wenn du dichaber getäuscht hast, Hochstrebeuder! wenn unsere Seele vergänglich ist wie der Leib, wennder Tod die Vernichtung ist? wenn in Erfüllung des Wortes Christi:Staub warst du,"(das gui pro ij»o, welches Dumas sich hier zu Schulden kommen läßt, indem er eine Stelleaus dem alten Testament Christus in den Mund legt, muß man Dumas zu Gute halten)dein Herz mit seinem letzten Schlage dabin ist: Wo ist dein Lohn, Poet? welches dein Dank,Apostel? was deine Entschädigung, Märtyrer? . . . Glücklich Jene, welche in den seligenZeiten lebten, da man noch glaubte! Glücklich Jene, welche, wenn sich ein Leichnam in dieGruft senkt, Gedanken des Wiedersehens hegen können. Aber beklagengswürdig sind Jene,welche den entrissenen Freunden ein Lebewohl für ewig nachrufen müssen. Ich gehöre zu diesenVerzweifelten, welche ein solches Lebewohl nachrufen. Lebewohl, Lamartine , für ewig Adieu!"So schreibt Dumas . Ja wohl, beklagenswert!) sind Jene, welche mit dem Glauben an dieUnsterblichkeit der Seele auch die Lösung des Räthsels ihres Daseins verloren haben und amEnde ihres Lebens sich fragen müssen: Wofür habe ich gelebt und gestrebt? Beklageuswerthsind sie, wenn sie, aus dem Taumel des Materialismus erwachend, bei dem Hinscheiden einergroßen, einer ihrem Herzen theuren Seele ihr verzweifelnd nachrufen: Wo bist Du hingegangen?Du bist für mich verloren auf ewig!

Miscellen.

* (Ein biblischer Platz.) Auf einem Meeting derköniglichen Gesellschaftfür Erdkunde " (Uo^ul Oso^rapliiaal 8oei6t^) verlas der Referent, F. W. Holland,eine interessante Abhandlungüber die kürzlich auf der Halbinsel von Sinaivorgenommenen Forschungen." Die Forschungs - Expedition, zu deren Mitgliedern derVerfasser gehörte, verließ Mitte November v. I. Suez, passirtc die Wüste und kam inJabal Mousha an, in dessen Nähe sich die Ebene befindet, welche, wie vermuthet wird,der Lagerplatz der Jsraeliten gewesen ist. Man bemerkte daselbst viele Zeichenfrüherer Cultur, sowie in allen Theilen des Distrikts zahlreiche Einsicdlerhütten undSteingürtel, in Form den der Druiden ähnlich, mit semitischen und griechischen Inschriftenversehen, von denen Photographien und Zeichnungen genommen wurden. In Jabal NakouSsah man den berühmten Glockenberg, welcher an der Seescite gelegen und aus einer400 Fuß hohen und steilen Sandbank besieht, dessen Klang, ähnlich dem matten Toneiner aeolischen Harfe, durch den fallenden Sand verursacht, und um so lauter wird,wenn derselbe trocken und heiß ist. Wenig oder gar nichts wurde entdeckt, was auf dieRoute der Jsraeliten irgend welches Licht werfen dürfte, aber in vielen Dingen glichdas Land auffallend der in der heiligen Schrift enthaltenen Beschreibung.