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* Wie riesenhaft der Wasserdruck ist, gegen den das atlantischeKabel zu kämpfen hat, zeigt eine Thatsache, die noch nicht viel bekannt sein dürfte.Wenn ein Schiff auf der Fahrt nach Amerika die großen Tiefen erreicht hat, wird demReisenden jetzt gewöhnlich folgender interessante Versuch gezeigt: Eine Flasche Champagner,die vollkommen unberührt und verschlossen ist, wird mit dem Senkblei so tief wie möglichhinabgelassen, und nach einigen — vielleicht zehn Minuten — wieder heraufgezogen. —Statt des Champagners findet man jetzt beim Auflösen des Drahtes und Oeffncn deSKorkes eitel Meerwafser, trotzdem der Flaschcnverschluß vollkommen unversehrt war. Derstarke Druck der über der Flasche lastenden Wassersäule hat nämlich das schwerere Meer-wasser durch die Poren des Korkes und des Glases hineingepreßt, während der leichtere,moussirende Wein herausgedrückt wurde.
* (Das Cochenille-Insekt.) Das bedeutendste Produkt der kanarischenInseln ist gegenwärtig Cochenille, deren Umsatz in den letzten Jahren beträchtlicheDimensionen angenommen hat. Die Mutter oder die wackres der Insekten setzt manauf die Cactuspflanze, die überall auf den Inseln wächst, und bald ist das stacheligeGewächs über und über mit jungen Insekten bedeckt. Nach einiger Zeit sammelt mandie wackres in Beuteln wieder ein, — und läßt die junge Nachkommenschaft zur Reifegelangen. Während man einen kleinen Theil zur Bevölkerung anderer Pflanzen zurück-behält, wird der größere Theil von Frauen in männlicher Tracht und mit Handschuhenbekleidet, um die Hände gegen die Stacheln des Cactus zu schützen, aufgelesen und inSäcken nach England und Marseilles versandt, wo das Pfund 3 Schillinge und darüberrealisiert. Obwohl ziemlich südlich gelegen, — sind die kanarischen Inseln wegen ihresköstlichen Klima's und aus dem Umstände, daß heftiger Regen, der die Insekten von denPflanzen wegspülen würde, — sehr selten vorkommt, — vorzüglich für die Cultur derCochenille geeignet.
Beruhigung.
Klage nicht den Weltlauf an!
Wer dich führt, weiß mehr, als du;Alles kömmt, das Wo und WannAnders, als der Mensch ersann,Höh're Weisheit mißt ihm's zu.
So, in deiner frommen BrustWahre dir zufried'nen Sinn,
Und du trabst durch's Leben hin
Wie das Füll'n der Eselin,Dem sein Mühlsack eine Lust.
Kämpft die Jugend oft mit Noth:So geprüft, erstarkt der MannUnd der Greis kömmt doch zu BrodLeider freilich meist erst dann,
Wenn er's nicht mehr beißen kann.
Deinem Streben, echt und rein,
Naht dann auch der Kranz fürwahr,Wenn nicht schon auf braunem Haar,Wenn nicht auf den Scheitel baar,Sicher auf dem Leichenstein!
Sprich' nur zu, es bleibt nicht aus —Das Verdienst kömmt stets zu Ehr'.Lebt der Edle dann nicht mehr.
Nun, mit Gott, ergib dich d'rein,Freu' dich, daß du nicht auch lahm.
Schickt den Säckel man umher,Schmückt des Dulders letztes Haus.