Ausgabe 
29 (23.5.1869) 21
 
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Das Oeffnen der Sakristei - Thür unterbrach seine Worte und die ältere Angelika,noch im.kränklichen Gewände, erschien auf's Neue in der Kapelle.

Diese Verbindung ist unmöglich, Oheim," redete sie,die Welt hat keinen Theilmehr an mir denn in drei Tagen trete ich in das Frauenstift, das sich an derGrenze unseres Landes befindet, hier ist die Akte meiner Aufnahme."

Bei diesen Worten zog sie ein Pergament hervor und überreichte es dem Direktor,der es zu Boden fallen ließ, ohne es gelesen zu haben.

Oheim!" fuhr sie fort,nicht als Verrath legt aus, wozu Pflicht und Gefühlmich trieb. Wohl hatte Leonore Recht, als sie im Traum warnend vor Sie trat>eine doppelte Blutschuld hätte Ihr Gewissen besteckt, wenn nicht ein gütiger Zufallmich gesandt hätte, sie zu verhindern. Verzweiflung gab dem Baron Leopold hoff-nungslose Leidenschaft Nudolph und Angelika die Todcswaffe in die Hand."

Großer Gott, Du redest Entsetzliches!" rief der Direktor todtcnbleich.

Und so wahr der Ewige Uns hört die Wahrheit! Betrachten Sie, was indieser Stunde geschehen, als jenes Wunder das Ihre Leonore Ihnen verheißen!O seien Sie gewiß, der nagende Selbstvorwurf, der sich in der Todtenlarve IhresTraumes verkörperte, wird sich in die Ruhe, in die Heiterkeit Ihres Gewissens verwan-deln, als deren Bild die sanften Züge der Verlorenen als Ihr guter Genius auf IhremLebenswege leuchten werden. O glauben Sie mir, seinen Haß zu befriedigen, mag wohl-thuend sein, aber schöner ist, ihn zu vergessen in dem Anblick der Glücklichen, die unsereGüte geschaffen. Wir Alle haben entsagt, Oheim! Jeder seinen Hoffnungen, Jederseinen Träumen; jetzt tragen auch Sie Ihr Theil hinzu, gewiß es ist nicht dasKleinste entsagen Sie Ihrer Rache!"

Der Direktor schwankte, sein Auge blickte unverwandt auf die jüngere Angelika, diesich an die Brust Rudolphs lehnte.

Ja," murmelte er vor sich hin,so sah ich es im Traume. Leonore, DeinWille geschehe!"

Sei es denn," sagte er,auch ich will entsagen; mag die Welt ihre Glossenmachen, wir bedürfen ihrer nicht ich will nicht ein Band trennen, das höhere Mächtegewoben. Baron Leopold," fuhr er fort,von heute an sei jeder Groll vergessen.Versöhnend schwebe der Geist Lconorens zwischen uns. Freilich, die früheren Tagekehren nie zurück, ein Leben voller Bitterkeit liegt zwischen uns aber, was wir Beidefehlten, versöhne das Andenken Levnorens."

Dank, tausend Dank, mein theuerster Oheim," rief Angelika, während der BaronLeopold weinend die Hand seines Jugendfreundes ergriff,o ich wußte, dieser Schritt,der äußerste, den ich that, nach Thränen und Gebet er durste nicht umsonst seindenn Gott selber wies ihn mir!"

Nudolph eilte zu ihr.Angelika," sagte er tief bewegt,ich vermag Ihnen nichtzu danken, Ihnen unserem heiligen, unserem guten Engel. Nur noch eine Bitte habeich an Sie, verlassen Sie uns nicht, bleiben Sie bei uns, den Samen des Glückesaufgehen zu sehen, den Ihre Hand gestreut."

Angelika lächelte schmerzlich.Niemals," erwiederte sie,nichts ist schmerzlicher,als der Gedanke an ein verlorenes Glück."

Ihr Vorwurf schneidet tief in meine Seele," erwiederte Nudolph,wir Alleentsagten und wurden glücklich, und Sie"

Auch ich bin es, da ich Euch zufrieden weiß," unterbrach ihn Angelika.Ichbedarf nichts mehr auf dieser Welt. Euer sei, was ich besitze, ich gebe es Euch mitmeinem besten Segen. Und wenn Ihr so recht von Herzen glücklich seid, und die über-wallende Brust sich nach Mittheilung sehnt, o dann denket daran, daß draußen in derstillen Einsamkeit ein Herz für Euch betet, ein Herz bereit ist, Theil an Eurer Freudezu nehmen. O glaubet mir, der Stachel des Augenblicks wird aus meiner Seele