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schwinden, klar und reinen Herzens werde ich einst auf die Vergangenheit zurückschallen,,und vielleicht freudiger, als Ihr — denn Ihr entsagtet und seid glücklich; ich entsagte,'und habe Glückliche gemacht. Dies Bewußtsein folgt mir und wird mir vorangehen bisan die Pforte der Ewigkeit, wo wir uns Alle — Alle wiedersehen und ein Band unsverbindet im Schooße der Seligkeit."
„Amen!" tönte feierlich die Stimme des Priesters am Altare, und wie zum Segenhob er die Hände über die Entsagende empor, die Rudolph und Angelika in ihreArme schloß.
Der internationale Eongreß für Pflege der im Felde verwundeten nnd
erkrankten Krieger
hat vom 22. bis 27. April in Berlin getagt. Der diesmalige Congreß bestand aus64 Vertretern von Regierungen und Vereinen. Von Regierungen waren amtlich ver-treten: England, Rußland, Oesterreich, Italien, Belgien, Niederlande , die Pforte,Schweden, die Schweiz, Preußen, Sachsen, Bayern, Württemberg, Baden, Hessen ,Mecklenburg, Oldenburg, Hamburg, Bremen und Lübeck . Die Aufgaben und Berathun-gen des gegenwärtigen Congresscs bezogen sich vornehmlich auf drei Hauptpunkte: 1) dieFormen der Vereinsthätigkeit im Landkriege; 2) die freiwillige Hilfe im Seekriege;3) die Friedensthätigkeit der Hilfsvcreine. Außerdem wurde vom Congrefse ein Antragfolgenden wichtigen Inhalts angenommen: „Die internationale Confcrenz beschließt, dieder Genfer Convention beigetretenen Regierungen zu ersuchen, nachstehende Vereinbarungzu treffen: Im Falle eines Krieges stellen die am Kriege nicht betheiligten Mächte die-jenigen Militärärzte ihrer Armee, welche ohne Benachteiligung ihres Friedeusdienstesentbehrt werden können, zur Verfügung der kriegführenden Parteien, um dieselben zu demDienste der Verwundeten in den Kriegslazarethen zu verwenden. Die Entsendung derfür diesen Zweck kommandirten Aerzte erfolgt unmittelbar nach erfolgtcr Kriegserklärung.Die für diesen Zweck kommandirten Militärärzte treten unter den Befehl des Armeearztesderjenigen kriegführenden Macht, welcher sie zugetheilt sind."—Angesichts der Erfindungen,welche zur Zerstörung von Menschenleben in großartigstem Style gemacht worden sind,sind die Bestrebungen, von dem Zerstörten noch zu retten, was zu retten ist, gewiß sehrlobenswerth. Allein beim Blick auf die Schlachtfelder, denen die Thätigkeit des Con-grcsses gewidmet ist, geht selbst dem bekannten Berliner Witzblatt der Humor aus. Miteinem Ernste, der der Sache vollkommen angemessen ist, ermähnt es:
Nicht, wie man Wunden heile,
Ist die große Zukunftsfrage,
Sondern wie es anzufangen,
Daß man keine Wunden schlage.
Nicht, wie man die wunden KriegerUnd wie man die Todten bette,
Sondern wie man tilg' auf ewigWilder Schlachten Schädelstätte.
Nicht, wie brüderlich im GrabeFreund und Feind vereinigt werden,
Sondern wie man alle VölkerSchon verbrüdere hier auf Erden.
Wollten Solches doch beherzigenAuch die Mächtigen unserer Tage:
„Sorgt nicht, wie man Wunden heile,
Sorgt nur, daß man keine schlage!"