Ausgabe 
29 (6.6.1869) 23
 
Einzelbild herunterladen

179

Scene nichts vernommen. Er dachte nichts, er fühlte nichts, er sah nur seine geliebte,theure Anna todt hingestreckt am Altar, und die hastig rollenden Pugen suchten vergeblicheinen NettuugSpunkt in dem Schiffbruch seines Lebcnsglückes, das er so mühsam auf-gebaut hatte. Da hörte er das Lachen des Oberförsters und dies riß ihn Plötzlich ausseiner Lethargie empor, er faßte den Oberförster bei der Schulter, blickte ihm bitter undvorwurfsvoll in's Auge und sagte dann, ebenso unbesonnen als rücksichtslos:Und Sielachen auch an der Leiche Ihres Kindes?!"

Der alte, unglückliche Mann schien bei diesen strafenden Worten zu erwachen, erschüttelte sich, als müsse er sich besinnen, und eine fürchterliche Last von den Schulternwerfen; seine Lippen schloßen sich krampfhaft. Plötzlich schoß ihm der Gedanke in all'seiner Fürchtcrlichkeit durch das Hirn, an der Leiche seines Kindes gelacht zu haben, widerWillen gelacht zu haben, durch dämonische Gewalt mit fortgerissen, und er griff mitden Händen in die Luft, als wolle er die finstern Geister verscheuchen, die seine Stirnumschwirrten. Da sank er, mit einem Male, wie vom Schlage getroffen, zusammen,und sein Kopf schlug an die Altarstufe, daß das Blut hervorquoll.

Auch der ist todt!" murmelte die Menge; er war es freilich nicht, aber als manihn aufhob und in seine Wohnung trug, und er dort wieder die Augen aufschlug, daglotzte die Nacht des Wahnsinns daraus hervor und er spielte mit Allem, was man ihmin die Hände gab; die Erinnerung der letzten Stunden war wie ausgekehrt aus seinemarmen erschütterten Gehirn.

Der Bräutigam stürzte sich jetzt erst mit ein Paar Jügerburschen auf den Wild-schützen, der bei dem Fall des Oberförsters die letzten Töne seines höhnischen, entsetzlichenLachens ausstieß und es ruhig geschehen ließ, daß man ihm die Flinte entriß und ihnzu fesseln suchte. Mit dem Fall des Oberförsters schien auch er zur Besinnung gekommenzu sein; er blickte entsetzt auf die Leiche sein Werk und die schönen, gebrochenenAugen Anna s schienen ihn anzuklagen:Du hast mich gctödtct, und ich habe Dir imLebe» nichts gethan, ich war stets lieb und freundlich gegen Dich." Der Wildschütz ver-stand ihre Klage und keuchte wild und hastig hervor:Du hast mir nichts gethanaber mein Sohn, mein Sohn! den hat man mir erschossen und dazu gelacht, sie müssen

wissen, wie das thut. Ja, ja, Du büßtest's unschuldig. Ich hätt' mein Herzblut

d'rum gegeben, wenn ich Dich hatte schonen tonnen! Noch einmal sich mit herkulischerKraft von seinen Angreifern losreißend, kniete er an der Leiche nieder und weinte undweinte, als müsse er sich die Augen aus dem Kopfe weinen nnd durch all' das Schluch-zen hörte mau nur die Worte:Mein Sohn, mein Sohn!. O, Du süßes, freund-liches Kind, Dich, Dich mußt' ich erschießen!" Man führte ihn hinweg in das Gefäng-niß; er weinte noch und ließ sich führen wie ein Kind.

(Fortsetzung tolgr.-

Die Vollendung der Eisenbahn nach dem stillen Meere.

* Die Feier der Eröffnung der Paeisicbahn enthält noch einige drastische Momente,welche der Leser gern dauernd seinem Gedächtniß einprägen wird. Schon Wochen vorherlas man in den Zeitungen: Die letzteBahnschmclle der Central-Pacific-Eisenbahn"ist aus kalifornischem Lorbeerholz gefertigt, fein polirt und auf beide» Enden mit solidemSilber nusgclegt. Die letzten Spikcr sind von massivem Gold und wiegen mehr als20 Unzen un Werthe von 200 Dollars. Kalifornien hat silberne und goldeneGerüthschastcn dazu gesendet. Wenn die rollendem Schläge des Sitbcrhammers ferne inder westlichen Wildniß erklingen, wird der Telegraph die freudige Botschaft allen großenStädten der Union zutragen.

DieAffociirte Presse" enthielt folgendes Telegramm:Promontory Summit,Utah , 10. Mai. Die letzte Schiene ist gelegt, der letzte Bolzen eingAicbcn. Die