178
Heule aber waren es gewählte, schöne Worte, die aus dem Munde des Priester- l
kamen und von mancher rauhen, braunen Wange perlte eine Thräne, die man rasch zu
zerdrücken in dem Gedrängt keine Zeit und Gelegenheit fand.
Der Priester war mit seiner Rede zu Ende und fragte jetzt das Brautpaar um ^
sein „Ja." Der Bräutigam sagte das seine mit freudig erregtem Herzen, Anna bewegte 1
die zitternden Lippen, ihr „Ja" zu lispeln, da fuhr es wie ein Blitz durch's Fenster,ein lauter Donner rollte über den stillen Kirchhof und Anna sank, zum Tode getroffen,am Altar zusammen. Eine Kugel hatte ihr das Herz durchbohrt
Alles gcrieth in die höchste Bestürzung und Verwirrung. Der alte Oberförsterwarf sich verzweifelnd über den Leichnam seines Kindes und wollte mit seinen Hände«den Blutstrom aufhalten, der unaufhaltsam aus dein Herzen über das weiße Atlasklcidfloß. — Die Apfelbtüthe hatte ein tückischer Sturmwind erfaßt und auf den buntgeflccktenRasenteppich des Todes hingeworfen^
Der Priester, der Bräutigam und die Zeugen standen in stummem Entsetze« daund hörten, ohne an etwas Anderes zu denken, nur auf die Klagen des greisen, ver-zweifelnden Mannes, der sein Kind mit tausend Schmeicheltönen unb süßen Worten zumLeben bringe» wollte und dann, als kein Ton mehr über die bleichen Lippen zitterte, ,als er fühlte, daß sein Kind todt sei — todt, sein einzig thenres Kind, da drückte erseine Hände in die Augen und ein Thran cnstroill preßte sich hindurch Und rollte »«auf- !
hallsam über die gebräunte Wange. — Einige Zuschauer waren hinausgestürzt, bett !
siechen Mörder zu entdecken; sie hatten nicht läiige zu suchen gehabt; denn auf cittüicklentstand ein dumpfes Gemurmel und man sah dett alten Wildschütz, den finstern Georg,über die Schwelle der Kirchthür schreiten, und sich hastig durch tue Menge drängen. Allewichen entsetzt zur Seite und machten ihm Raum, — denn seine Augen rollten wie einPaar feurige Kugeln in seinem Kopfe, und er trug sein Doppelrvhr in der Hand, dasnoch warm war von dem Frevelschussc. .ES war kein Zweifel: der wilde, steche Wild-schütz hatte Anna erschaffen, und doch wagte in der ersten Bestürzung Niemand, denVerbrecher festzunehmen; nur ein Paar Jägerburschcn drängten sich zur Thür, um ihmwenigstens den Äusgang zu versperren. Und so schritt der alte Wildschütz, die Büchse !in der Hand, fest und sicher zum Altar und zu der traurigen, herzergreifenden Gruppe.
Eine wilde, satanische Freude blitzte in seinem Auge, als er den Oberförster stümM sindverzweifelnd an der Leiche seines Kindes knieen sah, und diejenigen, die ihn jetzt übwehtenwollten, mit gewaltiger Faust zurückschlcudcrnd, trat er dicht an den unglücklichen Vater
heran, legte die Hand aüf seine Schulter und fragte ihn in bitter-schneidendem Hohn:
„Du lachst nicht? Und Du hast doch gelacht, als Du meinen Sohn erschossen, und datrug ich Dir das Wild davon; hellte aber hat Dir's der Wildschütz gelassen; so lachedoch! so lache doch!" — Und der Wildschütz selbst brach in ein wildes, entsetzliches Ge-lächter aus. Der Oberförsted sah erschrocken auf die wilde, finstere Gestalt; Alles wurde lihm klar und ein Wuthgeheul wollte über seine Lippen beben, er wollte sich rachcdürstcnd !
auf den Mörder stürzen, aber das wilde Lachen machte alle seine Nerven erzittern und !
zog förmlich magische Kreise um sein ganzes Empfinden, daß er unwillkürlich mit hinein- 'gerissen wurde in diesen Lüstern Strudel des Lachens, der immer tosender und gewaltigeraus dem Munde dcS Wildschützen hervorzuquellen schien. Und wie sich auch der Ober-förster zwang, wie er auch das in ihm herausquellende gräßliche Lachen unterdrücke«wollte, es drängte sich doch hervor, und konvulsivisch stimmte er schließlich in das Lachendes Mörders ein.
Alle Umstehenden standen stumm, erstarrt vor Entsetzen über eine solche Scene da^und noch immer tönte das wilde, entsetzliche Lachen des Mörders und dcS unglücklichenVaters durch die stillen Räume der Kirche, während zu ihren Füßen ein warmes, schönesLeben sich verblutete.
Der Bräutigam hatte, betäubt und entsetzt, am Altar gekauert und von der ganzen