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sation und zum Patriotismus, wird die Metropole gerechtfertigt dastehen, wenn sie inverzeihlichem Selbstgefühl sich schon als die Handelsbörse der Welt erblickt. Ihre Zei-tungen, welche so viel zum Resultat dieses Tages beigetragen haben, — werden unsereBürger bald an Ausdrücke gewöhnen muffen, wie: „Der asiatische Frachtzug ist recht-zeitig eingetroffen." So flattern denn unsere Fahnen, so donnern unsere Kanonen, undvom alten Trinity»Dome sendet das „Tedcum" einen harmonischen Weiheklang in dasgeschäftige Summen, welches die Mauern umwogt. Was unsern Glückwunsch an Euchbetrifft, so würden Worte nicht genügen, um die volle Bedeutung der Eisenbahn-Verbin-dung mit Eurer goldenthorigen, unternehmenden Stadt zu würdigen. Deßhalb mögeder 10. Mai auf die Dauer als ein Feiertag in die Annalen Sän Francisco's, New-Nork's, jedes Weilers und Dorfes, jedes Fleckens und jeder Stadt längs dieser neuenVölkcrstraße übergehen." — Wohl ist dem amerikanischen Charakter die Neigung zu einergewissen Ueberschwänglichkeit eigen; aber es läßt sich nicht behaupten, daß der Mayorbei dieser Gelegenheit zu weit geht, und ist der Verkehr regulär organistrt, so werdenwir wohl noch eine große, allgemeine Jubelfeier zu gewärtigen haben, an welcher mansich füglich bis zu einem gewissen Grade auch in den großen Handelsplätzen Europa's betheiligen könnte.
vceue Flugmaschinen.
Wir fliegen noch immer nicht — wir Menschen nämlich. Wer daran die Schuldträgt, wollen wir nicht untersuchen, jedenfalls trifft die Engländer der geringste Tadel,denn bei ihnen ist die Darstellung von Vorrichtungen zum Fliegen zu einer sogenanntenbrennenden Frage oder Alltagssorge geworden. Diese Bemühungen haben übrigens inneuester Zeit einen echt wissenschaftlichen Werth erhalten, seitdem man die Aufgabe begonnenhat, mathematisch zu untersuchen. Selbst wenn man das Ziel nicht erreichen sollte, konnteSaul unterwegs statt der Eselinnen eine Krone finden; und warum sollte es überhauptnicht erreicht werden? Das gegenwärtige Geschlecht, welches es dahin gebracht hat, mitFußtritten Hemden zu nähen, braucht am Wenigsten zu verzagen. Obendrein ist unsneuerdings ein Schimmer aufgegangen, daß das Ding nicht so schwierig sei, als es denAnschein hat.
Ein Franzose, Herr dc Lucy, — fand das merkwürdige Gesetz, daß bei den flug-begabten Thieren die Fläche der Flügel mit dem Körpergewicht abnimmt, wenigstensgelangte er zu dieser Ansicht durch folgende Vergleiche. Die Mücke (Lulvx), die 460malleichter ist, als der Hirschkäfer, besitzt verhältnißmäßig vierzchnmal größere Widcrstands-flächen zum Flügelschlage. Das Marienkäferchen, von denen 160 auf einen Hirschkäfergehen, bedient sich vergleichsweise einer fünfmal größeren Flügelfläche als dieser. ZehnSpatzen sind so schwer, als eine Taube, und doch sind die Flügelflächen des Spatzenrelativ doppelt so groß, als die der Taube.
Der schwerste Vogel, den dc Luch bei seinen Untersuchungen wog, ist der australische
Kranich. Kein anderer Segler der Lüfte erhebt sich höher, mit einziger Ausnahme des
Adlers (und dcS Condors, möchten wir hinzusetzen). An Ausdauer scheint jedoch derAustralier t'aeilo prinnsps zu sein, denn kein Vogel unternimmt so weite Wanderungen.
Er wiegt 20 Pfund 15 Unzen, uvilp., und auf jedes Pfund besitzt er nur 139 Quadrat-
Zoll (incliss) Widerstandsfläche, 140mal weniger vergleichsweise als die Mücke, — die3,000,OOOmal leichter ist. Uebcrhaupt vergleichen sich die Bögel günstig mit den Znsecten,denn die Taube, 97,OOOmal schwerer als die Mücke, bietet der Luft eine 40mal kleinereOberfläche für das Pfund des Körpergewichts.
Um einen naheliegenden Einwand sogleich zu unterdrücken, wollen wir rasch hinzu-fügen, daß bei den Vögeln nicht etwa durch Muökclstärke, also durch Auswand mechanischerKraft, ersetzt wird, was an Widcrstandsfläche den Flügeln mangelt, denn an Muskel-