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stärke stehen die Insekten obenan, viel höher jedenfalls als die Vogel. Niemand wirdüberhaupt etwas einwenden gegen die Stärke der Inscctcn. Der Löwe ist ein Schwäch-ling im Vergleich zum Floh. Der größte Gewinn aus jenen Messungen bleibt jedochimmer, daß durch eine günstige anatomische Vorrichtung, wie bei dem australischenKranich, die WiderstandSstäche auf 139 Quadratzoll, also noch nicht einmal auf einenQuadratschuh des kleinen englischen Maßes für das Pfund des Körpergewichts beschränktwerden kann. Der australische Kranich ist also vorläufig das Muster.
Würden wir die Schwalbe uns erwählt haben, die einen Quadratmeter Widerstands-stäche für jedes Kilogramm zur Verfügung hat, dann brauchten wir für einen Menschen,der sammt Flugapparat 165 Pfund wöge, eine Fläche von 116,250 Quadrat-Zoll, alsoetwa 807 Quadrat-Schuh. Nehmen wir uns die Taube als Exempel, dann würde sichdie Widerstandsslüche schon auf 31,000 Quadrat-Zoll (215 Quadrat-Schuh) vermindern,während nach dem Muster des australischen Kranichs nur 10,850 Quadrat-Zoll oder75 bis 76 Quadrat-Schuh oder etwa 8^ Schuh in's Geviert nöthig wären.
Schon im Jahre 1842 verbreitete ein Herr Hcnson die Kunde, daß er eine Flug-maschine von 6000 Quadrat-Schuh Fläche erfunden habe. Gebaut wurde sie nie, —sondern nur entworfen, allein seit 1844 vereinigte sich Hcnson mit einem Herrn Slring-sellow und im nächsten Jahre vollendeten sie gemeinsam daS Modell zu einer fliegendenDampfmaschine, die 25 bis 28 Pfund wog, mit Flügeln, die SO Schuh von Spitze zuSpitze maßen. Da die Versuche mißlangen, gab Hcnson seine Pläne auf, Striugfellowsetzte dagegen seine Arbeiten fort und brachte endlich eine kleine Dampf-Flugmaschinezu Stande, die mit Wasser und Brennstoff nur 6'/>, Pfund wog. Es wurden mit ihrnur in geschlossenen Räumen Versuche angestellt. Sie lief zuerst auf Eiscndrähten stattder Schienen, um Bewegungskraft zu erzielen. Hatte sie ein Drittel des Weges zurück-gelegt, so erhob sie sich vow Draht — und wurde am Ende des Zimmers von einemTuch aufgefangen.
Es war etwas gewonnen, wenn auch nicht mehr als eine Spielerei. Striugfellowhatte sein Spielzeug vergessen, als sich in England die Lnftschifsfahrts-Gcsellschast bildete,und Preise für Fortschritte in den Flugmaschinen aussetzte. Da erwachte die alteErsindungslust von Neuem in Striugfellow.
Gleichzeitig hatte ein Herr Wcnham einen nicht unglücklichen Gedanken ausgesprochen,den man die Pelikanische Lösung der Aufgabe nennen könnte! Weuham sah nämlich amNil Pelikane senkrecht dicht über einander mit sehr kurzen Flügclschlägcn ziehen. Ersagte sich also, daß die Flügelbewegung des einen Vogels in senkrechter Richtung keineStörung auf die Flngbewegnng des anderen Vogels ausübe, folglich könne man durchsenkrechte etagcnförmige Anordnung der WidcrstandSflächen die mechanische Aufgabe er-leichtern. Nach diesem Gedanken baute Slringfcllow eine Maschine mit drei Flügel-flächen über einander. Flügel und Maschine mit Brennstoff und Master wogen wenigerals 12 Pfund, also nicht mehr wie eine Gans; die erzielte WidcistandSslüche betrug28 Quadrat-Schuh oder 2^/^ Quadrat-Schuh für das Pfund, die Bewegung aber hatteden Werth von einer Driitelspscrdekraft. Herr Striugfellow gewann den wohlverdientenPreis von 100 Lstr für „die leichteste Dampfmaschine im Verhältniß zu ihrem Gewicht."Der Cylinder von zwei Zoll Durchmesser bestand aus dünnem Messingblech, der Kolben-hub betrug drei Zoll, die Umdrehungen iu der Minute 300.
Drei Minuten nach Entzündung des Brennstoffs betrug der Druck 30 Pfund, infünf Minuten 50 Pfund, und in sieben Minuten 100 Pfund auf den Quadrat-Zoll,letzteres die höchste anwendbare Kraft-Entfaltung. Die Maschine flog im Juni 1868 imKrystallpalast, an einem Drahte schwebend. Sie wurde auch im Freien geprüft, alleinunter sehr ungünstigen Verhältnissen, dennoch senkte sie sich sehr langsam in geneigterEbene. Jetzt baut Springfcllow eine große Maschine, die einen Mann tragen soll. —Diese Ausgabe ist viel leichter, als bei einem zarten und kleinen Modell, zumal mensch-