183
sicher Verstand den Mechanismus unterstützen kann. Auch ist 3'/r Quadrat-SchuhWiderstandsfläche für das Pfund lange noch nicht das, was unser australischer Kranich leistet.
Doch mit Dampfflügcln ist uns nicht gedient, wir selbst wollen fliegen. So dachteauch Herr Spencer, der beste Lehrer in der Gymnastik, den England auszuweisen hat —ein großer Virtuos auf dem Trapez, und verwandelte sich in einen Cherub mit Flügelnund Schweif, zu denen er theils Regenschirm-Drähte, theils Korbgcflcchtc wählte, undBeides mit einem luftdichten Stoffe überzog. Er selbst mit der Vorrichtung wog 158 Pfd.,die Widerstandsfläche betrug 110 Quadrat-Schuh, also I V? Pfund auf den Quadrat-Schuh, was noch über den australischen Kranich geht. Mit seinen Flügeln lief er einensanften Abhang hinab, um eine horizontale Bewegung zu gewinnen, und zuletzt erhob ersich, und blieb auf einer Strecke von 120 Fuß über dem Boden. Er sinnt fetzt aufVerbesserungen und wird nächstens wieder fliegen.
Eine ganz einfache Vorrichtung wurde erfunden von einem Arbeiter, W. Gibson.Der Erfinder selbst wog KU/-r Stein (147 Pfund), die Flügel je 10 Pfund, daS Gerüst21 Pfund, zusammen 188 Pfund. Da er nur zwei windmühlenartige Flügel anwendetevon 12 Fuß Länge, 1>/2 Fuß am breitesten, 1 Fuß am schmalstcn Theile, — Beidezusammen von 37 Quadrat-Schuh Widerstand, also je 5 Pfund Gewicht auf einenQuadrat-Schuh, so inuthetc er sich die fünffache Leistung des australischen Kranichs zu.Bewegt wurden die Flügel nach dem Style eines Spinnrades, nur daß beide Füße ab-wechselnd je einen von zwei Bügeln niederdrücken sollten. Es gelang dem Manne, sich12 bis 18 Zoll vom Boden zu erheben, allein die Flügel waren so schwer, daß er dieTritte nicht oft wiederholen, also sich nicht lange in der Höhe erhalten konnte. Aberauch er verspricht sich zu bessern.
Werden wir also bald etwas besitzen — wie der Zanbcrmantel, nach welchem derGocthe'schc Faust sich sehnte? Alles, was sich sagen läßt, besteht darin, daß einigedankenSwerthe Fortschritte erzielt worden sind.
M ideellen.
(Ein Zaubcrtränklcin.) Die neueste Zeit hat auch den Pflaummüllcr beiEschlkam und den Schmied von Schwarzenberg zu den Vütern versammelt. Mittheilens-werlh aus ihren an Licht wie Schatten reichen Nekrologen scheint mir folgendes nochschwerlich übcrtrofsenc wäldlcrische Originalstück. — Beide Männer waren sonst nicht„uneben;" namentlich der Schmied hatte in Tüchtigkeit und Allseitigkcit des Handwerksnicht Seinesgleichen. Doch, »om Feuer und Mehlstaub (glaube ich) hatten sie immerforttrockene Kehlen. Das war es, warum sie zu ihren Weibern nicht heimgingen. Diesoliden Hälften beschworen tausend und tausendmal ihre Männer, bald mit zärtlicher, —bald mit wetternder Zunge. Schmied und Müller wurden dann weich wie Wachs; —wenn nur Hopfen und Malz und „Eschlkam " nicht gewesen wären! — In ihrerBedrängniß schritten die Weiber zum Aeußcrsten, nämlich zur sogenannten „Soldaten-Kathl," die im Ruf einer Zauberin stand. Unter bedrängten Ehefrauen ging noch alsGeheimniß: sie könne es den Männern anthun, daß sie zu ihren Weibern „heimgehenmüssen!" Gegen Mehl- und Eicrreichnissc garantirte nun die „Soldaten - Kathl" derSchmiedin und Müllerin; natürlich wurde das Alles unter dem Mantel unverbrüchlicherVerschwiegenheit abgemacht. Ader, wie cS geht, die Männer bekamen doch Wind, sonämlich, daß ihnen sollte ein „Zwangkräutlcin" in die Suppe gekocht werden, welchessie, wenn einmal geheimnißvoll wirtcnd, wie eine unsichtbare unwiderstehliche Macht mittenvom Zechen weg heim nöthigen würde. Der seltsame Wcibcrkrieg reizte die beidenMänner; um das famose „Zwangkräutlcin" zu erproben, schritten sie extra selbander