Nro. 24.
13. Juni 1869.
Die Bösen soll mau nimmer schelten,
Sie werden zur Seite der Guten gelten:
Die Guten aber werden wissen.
Vor wem sie sich sorglich hüten müssen.
E ö t h e.
Arrf der Jagd.
(Schluß)
Drittes Kapitel.
Der einzige Freund.
In dem Garten des Irrenhauses zu P. spielten zwei Irre harmlos mit einander,und schienen recht gute Freunde zu sein. Es waren schon alte Männer; der Eine großund stark, ein wahrer Riese; der Andere kürzer und untersetzter. Beide mußten aber infrüheren Zeiten dem edlen Waidmannswerk obgelegen haben; denn ihre gemeinsamenSpiele richteten sich nur hierauf. Sie hatten für ihre Spielständen einen Raum imGarten abgesteckt erhalten, den sie nun wild und chaotisch mit Sträuchern bepflanzten,und dort standen sie oft Stunden lang auf dem Anstand, — mit einem Stecken in derHand, und jede Katze, jeder Vogel, alles lebende Gethier, das sich irgend in ihrer Näheblicken ließ, wurde unerbittlich todtgcschossen; dann zeigten sie sich ihre vermeintliche Beute,lächelten sich zu und gingen, seelenvergnügt über die glückliche Jagd, in ihre Zellen.
So hatten es die beiden Irrsinnigen schon lange Zeit getrieben, ohne miteinanderzu sprechen; aber sie lächelten stets, wenn sie sich sahen, als ob sie sich schon lange ge-kannt hätten, und so mochte es wohl auch sein; — es lag jedoch eine lange, lange Zeitdazwischen, und das Gedenken daran war von der Seelentafel ihrer Erinnerungen völligweggewischt.
Der Oberförster hatte längst schon hier ein Asyl gefunden. Er hatte keine Ver-wandten, keine Freunde; Niemand mochte den alten verrückten Mann bei sich aufnehmen,der eigentlich keinem Menschen etwas zu Leide that, denn er beschränkte sein Jagdrevierauf die Stube; aber er war doch in einer Hinsicht gefährlich: er konnte Niemand mehrlachen hören — und wenn es doch geschah, dann gericth er in die höchste Wuth, ergriffdas Erste, Beste, was ihm in die Hände siel, stürzte auf den Lachenden zu und wenndieser nicht entfloh, oder ihm nicht eiligst Hülfe kam, war er gewiß seines Lebens nichtsicher. So hatte man es schnell bewirkt, den Oberförster für verrückt zu erklären, undin's Irrenhaus zu bringen; und der junge Bräutigam, der trotz seiner damaligen Ver-zweiflung Anna rasch vergessen hatte, und durch die Hcirath mit der Tochter eines reichenBeamten und durch den Einfluß des Schwiegervaters zu einer guten Stelle gekommenwar, that nicht das Mindeste für den armen Irrsinnigen, obwohl er durch sein unbe-sonnenes Auftreten so viel verschuldet; — nur der junge Förster Kuntz, .der am Polter-Abend die Perlen gebracht und dessen Herz vor überquellender Lustigkeit damals fastgebrochen, behielt ein wärmeres Interesse für den alten Oberförster und zahlte, als er ineine bessere Stellung gekommen war, — beträchtliche Summe zur besseren Pflege desUnglücklichen.
Der Wildschütz war Anfangs in das Iuquisitoriat abgeführt worden. Es war nn