S00
Papiere anscheinend sehr aufmerksam, riegelte die Thür zu und steckte die Wechsel in dieTasche. „Herr," begann er nun, „Sie sind ein Schurke! Noch ehe Sie hier eintrafen,war ich von Ihrer Ankunft unterrichtet! Sie sind Cassircr des Hauses „Hachelte undMasson" in Paris, deren Vertreter ich in Deutschland bin. Sie haben dem genanntenHause 200,000 Francs in Wechseln gestohlen! Sie werden es ganz in der Ordnungfinden, wenn ich dieselben behalte und dem Hause wieder zustelle!" — Der Fremdeblieb ruhig und stumm. Der Banguicr fuhr fort: „Danken Sie es der GroßmuthIhrer ehemaligen Chefs, wenn ich Sie nicht sofort in's Gefängniß abführen lasse." —„Ich unglücklicher, leichtsinniger Mensch! WaS habe ich gethan!" schluchzte der Fremde.
— „Und doch geht die Girre Ihrer Chefs so weit," fuhr der Banquier fort, „daß sieIhre Schande nicht nur verschweigen, sondern auch aus Rücksicht für Ihre Frau undKinder Ihnen sogar die Mittel gewähren wollen, nach Amerika zu flüchten — und dortmit Ihrer Familie ein neues, ein ehrenhaftes Leben zu führen. Sie haben drei Kinder."
— „Fünf," murmelte der Fremde, der — völlig zerknirscht — Alles zugab. —- „Jch-bin beauftragt, Ihnen 20,000 FrancS auszuzahlen, hier sind sie. Und nun machenSie, daß Sie fortkommen." Der Fremde, der vor lauter Scham und Rührung kaumsprechen konnte, steckte die Bankbillets zu sich und verließ thränenden Blickes und reuigenHerzens das Comptoir. Der Banquier, der sich auf das Gelingen seines Planes etwaszu Gute that, schrieb noch au demselben Tage nach Paris , legte die Wechsel bei, — er-stattete ausführlichen Bericht, und bat nebenbei um gefällige Erstattung der 20,000 Frcs.Drei Tage später erhielt der Banquier die ersehnte Antwort auf seinen Brief. Hachette und Masson machten ihm darin Mittheilung, daß sie gar nicht bestohleu seien, daß ihrCassircr sich noch auf seinem Posten befinde, und daß sowohl die Wechsel als der Briefgefälscht wären. Sie fügten zugleich ihr lebhaftes Bedauern bei, daß Herr Meude jene20,000 Francs auf sein eigenes Vcrlustconto zu schreiben habe.
M i s e e l l e n.
Der nach dem Süden gcreiste amerikanische Schauspieler A. H. Davenportwurde vor Kurzem in New-?)ork todt gesagt, und daher folgende Depesche an die Direc-tion der Akadcmy os Music in Ncw-Örlcans abgeschickt: „Wollen Sie A. H. Davcn-port's Körper Per Dampser an seine Mutter (folgt deren New-^orker Adresse) schicken,*worauf Herr Davenport erwiederte: „Ich will's versuchen und meinen Körper selbstbringen — war nie in meinem Leben besser dazu im Stande."
Die Treue ist des Weibes schönster Schmuck, das Unterpfand ihres Glückes, dirKrone ihrer Liebe, der Adel ihrer Weiblichkeit. In der Treue vorzüglich erscheint dieWürde des Weibes, darum sie auch an ihm so hoch geehrt wird.
Fr. Ehrenberg.
* Ein dem Andenken einer verstorbenen Gattin errichteter Grabstein in Maine ,Vereinigten Staaten, trügt folgende Inschrift: „Thränen könne» dich nicht mehr zumLeben zurückrufen, darum weine ich."
Auflösung der Charade in Nr. 2t:
„Landwehr."
Druck, Verlag und Redaction des Literaris en Instituts von l)r. M. Huttler,