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Drr Habich aber läßt sich nicht irre machen und fährt fort: für'S dritte Grundstückwieder noch einmal so viel, nämlich vier Kreuzer. —
Jetzt weiß der Hättich nicht, soll er lachen, soll er sich erzürnen, denn der Spaßklingt ihm gar zu dumm. Wie aber der Habich fortfährt, für'S vierte Grundstück acht,für's fünfte sechzehn Kreuzer, für'S sechste zweiunddrcißig und so fort, immer für'S nächsteGrundstück das doppelte vom Preis des vorhergehenden zu fordern bis zum zwanzigsten, das„Rittergut" aber sollte das einund zwanzigste sein und das sollte der Käufer noch dreinbe-kommcn,-da ist der Hättich nach und nach ruhig und immer ruhiger und ernst-
hafter geworden. In ihm arbeitet's als wär' er ein lebendiger Berg Vesuvius, in demes wallt und kocht und braust bis oben Feuer, Steine, Asche und Rauch hinausschlagcn.Ein Weile sitzt er da und schaut den Habich mit großen Augen an. Darnach wechselnin...seinem Gesicht Schatten und Licht. Endlich bricht's los, er heißt den Habich einenLumpen und Esel uni den andern, will ihn zur Thür hinaus werfen, sich von solcheinem Nichtstanger nicht für Narren halten lasten. Und doch muß er im nächsten Augen-blick wieder lachen daß ihm die Ribben krachen, den wo ist ihm je solch eine ausgesuchteDummheit vorgekommen! Wieder ihm nächsten Augenblick fährt's ihm gleichwohl durchden Kopf was doch aus dem Habich seinen Gütern zu machen wäre, und was er für 'neuMann machen wollt', wenn er das „Rittergut" drein bekäme. Der Hättich würde baldgauz ernst geworden sein!
Aber nein, meint er wieder, das ganze ist von dem Habich doch bloß eine Dumm-heit. Und weil der gar so ein einfältig Gesicht dazu macht.,, so fängt's in ihm nocheinmal inwendig zu kochen an daß das Töpfchcn überlauft.. Er. begehrt auf, schlägt mitder Faust auf den Tisch und sagt endlich — ich weiß , nicht-, was, grob genug wird'»herausgekommen sein; denn war der Hättich gleich Gcuieindcpflcger, so-folgt daraus nicht,daß er im Schimpfen einem seiner Mitnachbarn etwas hinausgegehcn. hätte.
Ueber dem Lärm kommen mehr Leute in den halben Mo»d und lasten sich. im Kabi-nett nieder. Unter ihnen ist der eine ein gewesener Landgcrichtsschreibcr, der andere einFremder der mit der Eisenbahngescllschaft einen LiefcrungSkontrakt abgeschlossen hat, derdritte ein Jude aus der Hofheimer Gegend, der Mondwirlh aber steht auch bei der Gesell-schaft und läßt die Gäste durch seinen Buben mit Bier versorgen. In einem Gasthofkommen wohl allerlei Dinge vor, aber so was hat er doch noch nicht erlebt und es gehtihm ein Licht darüber auf, daß das mit der neuen Eisenbahn und dem gesteigerten Welt-verkehr zusammenhängen muß.
Bald haben sich drei Parteien gebildet. Als Vertreter der einen Partei spricht derSchreiber: der Verkäufer ist ein Narr; wär' das Gütchen auch noch so klein, HauS, Hofund Garten ist allein mehr werth als das dumme Exempel ausmacht. Der .Fremde imName» der zweiten Partei spricht , mit Würde: meine Herrn, das Ding:.macht , hundertGulden und vielleicht viel mehr, es fragt sich nur vor welchem Umfang und. wclckzerErtragsfähigkeit die Felder sind.. Der Jude aber, der eine Partei für sich. bildet, sitzteine gute Weile ganz vertieft da, .auf einmal springt er auf den Hättich zu, klopft ihmvon hinten aus die Schulter und spricht:. ;nci, Bruder, laß dir rathe, laß dir rathe,ein arger Handel, eiu böser Handel, ei» schwerer Handel!
(Fortsetzung folgt.)
„Sie sind 30 Jahre alt?" — fragte eiu Aktuar eine Dame, die er zu Protokollvernahm. — „Nein, zwanzig," antwortete diese. — „Aber ich bin doch mit Ihnen meinem Jahre geboren!" — „Ei uun," sagte die Schöne schnippisch, „Sie werden wohl.rascher gelebt haben."