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Maß und Ziel hinaus ist, so ist der Bauer in diesem Punkte taub, geht auf denDienstboten-Markt und handelt sich einen andern Knecht ein, aber auch der Knecht gehtund verschachert sich einem andern Herrn, um es im nächsten Jahre wieder so zu machen.
Die dritte Art, die aber nur in wenigen Exemplaren vertreten ist, — ist die der„Ordentlichen," welche durch irgend ein Verhältniß, sei es, daß irgend Einer erst vomMilitär zurückkam, oder daß seine frühere Dienstherrschaft vom Hofe kam, — oder sonsteinen Weg des Fleisches ging, noch zur Verfügung stehen. Diese brauchen indeß seltenden Dienstboten-Markt zu betreten. Wenn sie wirklich zu den „Ordentlichen" gehören,werden sie selbst aufgesucht und gedungen.
Unter der ersten Art, — den sogenannten Bauernschindern, gibt es aber noch eine„eigene Nation," welche sich zu gleicher Zeit an mehrere Bauern verdingen, von einemJeden das „Drangeld" nehmen, aber zugleich einen Jeden anführen. Da dieses Drän-Geld unter einem Gulden nicht leicht betrügt, so machen diese „Schwindler" ein artigesGeschäft und für den Sonntag Nachmittag ist reichlich gesorgt. Denn das ist gleichsamGesetz: das Drangeld muß an diesem Tage d'ran, es wird „verjuxt."
Das ist der „Sklavenmarkt" in Osterhasen, vielleicht der einzige in ganz Bayern .Ursache dieser Erscheinung ist cinestheils der Laudmann selbst. Denn würden die häus-lichen Verhältnisse noch jenen einfachen patriarchalischen Charakter haben, gemäß welchemdie Dienstboten noch ats Glieder der Familie betrachtet und auch behandelt wurden, dannwürde auch ein innigeres Zusammenhalten zwischen Hausherren und Dienstboten statt-finden. Der Bauer hätte dann nicht mehr nothwendig, seine Dienstboten auf dem Marktezu suchen, diese würden vielmehr ihn aufsuchen. Andcrnthcils haben aber die Dienst-boten ihre Forderungen und Ansprüche so gesteigert, daß denselben fast nicht mehr genuggeleistet werden kann. Dadurch entsteht gegenseitige Unzufriedenheit und wo diese einge-kehrt ist, da ist es aus mit dem Frieden und der Liebe, da gibt es täglich Reibereien,Aufhetzungen, Zank und Streit und der Schluß ist: der Dienstbote geht und bietet sichauf dem Markte feil; ein Bauer kommt und dingt ihn, — da die Zeit drängt und dieErnte vor der Thüre ist. (Landsh. Ztg.)
In der vorigen Nummer des Sonntagsblattes brachten wir nach der „Kölner Ztg.",welche ihrerseits das New-Yorker „Tadlet" als Quelle angibt, die durch alle Blätterlaufende Schauergeschichte „Eine Schlangensccne." Der berühmte Naturforscher undDirektor des Berliner Aquariums, Dr. A. Brehm, schreibt über dieselbe unter AnderemFolgendes: „Es gibt keine Schlange auf der ganzen Erde, auch keine der Wissenschaft„bisher bekannte, welche ihre Beute vor dem Verschlingen zerstückelt, — keine, welche in„der von dem Mührchen - Erzähler geschilderten Weise sich beträgt."
In einem „Münchener Blatte" stand vor Kurzem folgende Anzeige: „Den resp.Hundebesttzern zeige ich hiermit an, daß ich dieselben schcere, wasche und ihnen auch dieOhren stutze."
Charade
(Zweisilbig.)
Als noch die erste sich mühteVollkommen die Zweite zu schaffen,Als gute Sitte noch blühte,
Und wir nicht gleich den AffenNur strebten nach fremden Moden,Bei Tiinken, Spielen und Tanzen,Da hieß es noch vom Ganzen:
Es hat einen goldenen Boden/
Druck, Verlag und Redaction des litterarischen Instituts von Dr. M. Huttlcr.