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tete seine Antwort, als ihn seine Freunde auf seine Unfähigkeit, Dienste leisten zu können,aufmerksam machten und ihn bestürmten, den Abend seines Lebens in süßer Ruhe inseinem Schlosse zuzubringen. Doch er ließ sich nicht abhalten, unternahm eine beschwerliche Reiseund wurde Krankenwärter in Rom. A^s die Ruhe und Ordnung wieder hergestellt warund sich die Lazarcthc allmählich lichteten, begab er sich wieder in die Heimath, wo ersich in der Ausübung guter Werke zu seinem Ende vorbereitete. Er starb in den Armenseines geistlichen Freundes nnter dem Gebete: "In In Domino spornvi ei neu conlnn-ckor in neternnrn!" Ehre solchem Adel.
Ein Sklavenmarkt in Niederbayern .
(Auch ein Beitrag zur socialen Frage.)
Eine ganz eigenthümliche Erscheinung des Landlebens ist der sogenannte Dienstboten-Markt, auch Sklavenmarkt genannt, welcher jährlich Mitte Juli im Städtchen Oster-hasen stattfindet. Da werden keine Kaufmanns-Waaren feilgeboten, da ist kein Dult-stand aufgeschlagen, — sondern Menschen bieten hier sich selber feil. Und das ist einsolches gegenseitiges Hinauf- und Heruntcrbictcn, daß zwischen diesem Dienstbotcn-Marktund einem amerikanischen Sklavcnmarkt nur der einzige Unterschied ist, daß in Amerika Händler ihre Menschcnhaare zu Markte bringen, während hier der Mensch sich selberverhandelt.
Der bedeutendste Tag für diesen Handel ist der zweite Sonntag im Juli, alsogerade die Zeit vor der Ernte. So eben ist die Frühmesse zu Ende. Da stehen dieBurschen, die Mägde in Reihen, in Gruppen, im bunten Durcheinander und lassen dieBauern und Bäuerinnen, die oft aus weiter Ferne herkommen, und nach allen Seitensuchend und musternd cinherschreiten, durchpassiren. Man sieht es den Bauern undBäuerinnen an, daß sie mißmuthig sind, denn gar Manchen sind ihre Dienstboten nochvor der Ernte davon gelaufen; sie schauen argwöhnisch um sich, denn nur zu oft hatsich das Sprüchwort bewährt: „Es kommt nichts Besseres nach!" Lange wird so hinund her spekulirt, bis auf einmal der Ruf: „Bauer, magst mich?" diesen zum Stehenbringt. Jetzt geht der Handel los und eine jede Partei entfaltet all' ihren Scharfsinn,allen Witz, die eine um den Lohn hinaufzuschrauben, die andere, ihn hcrabzudrückcn.
Beobachten wir ein wenig die Mcnschenarten, welche sich hier feilbieten.
Die erste ist die der sogenannten „Bauernschinder." Diese Menschen bringen ihrenLohn fast regelmäßig alle Sonntage ein, wenn sie nicht gar schon „im Voraus" sind.Rückt die Erntezeit nahe, so drangsalircn sie ihre Dienstherrschaft auf alle möglicheWeise. Sagt der Bauer nur ein Wort, so entgegnen sie ihm: „Bauer, weißt du was,ich gehe, mich hält nichts auf!" — oder sie gehen fort, ohne ein Wort zu sagen. —Erträgt der Bauer mit Resignation eine Zeit lang ihr Schimpfen über das Essen, ihrnächtliches Ausbleiben, ihr Ruiniren der Werkzeuge u. s. w., dann machen diese Men-schen es so arg, daß der Bauer sie selber ausschafft, nur um Ruhe im Hause zu haben.Das ist also die Race der Bauernschinder. Ihren Lohn haben sie bereits eingebracht,der Bauer läßt sie durch das Gericht nicht Anschaffen, wenn sie entlaufen, das wissensie, weil dann die letzten Dinge ärger würden, als die ersten. Heute nun stehen sie daund sind zu haben, nicht um jeden Preis, sondern nur um guten, denn wenn sie wiedereinstehen, erhalten sie fast den nämlichen Lohn, als wenn sie zu Lichtmeß begonnen hätten.Gewöhnlich aber verdingen sie sich als „Erntcknechte" nur für einige Wochen um20, 25—30 fl.!! und gute Kost!
Die zweite ist die der „Wanderer," welche nie länger als ein Jahr in einem Platzebleiben. Diese sprechen schon lange vom Dienstboten-Markt in Osterhasen, gleichsam alsdrohten sie beständig dem Hausvater: „Willst du, daß ich bei dir bleiben soll, so mußtdu mir mehr Lohn geben." Da aber der Lohn gewöhnlich ohnehin schon über alles