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«och mit heiler Haut davon gekommen, ein andermal laß' das Wegabkürzen bleiben inder Nacht, junger Gesell, wenn Du nicht Deine Knochen zu Markte tragen willst."
„Ach jal" — sagte jetzt auch Leni, „geh' doch nicht wieder bei der Nacht über dieflüstern Berge, die Sandlehnen lösen sich so leicht ab von den Felsen, vorzüglich wenneS geregnet hat."
„Da wäre Dir wohl leid um mich, wenn mir was passirte?" fragte Franzl, indemer Leni treuherzig in die blauen, treuen Augen blickte, — die sie in kindlicher Unschuldschnell zu Boden senkte.
„Ei freilich," — antwortete sie dann schüchtern, „Du bist ja auch ein recht guterMensch!"
„Woher weißt Du denn das?"
„Vom alten Gemmi, dem Du das Gras vom Berge holtest, —> als er krank dar-nieder lag," antwortete Leni.
„Ja, der Gemmi ist eine ehrliche, alte Haut, warum sollte man ihm nicht einenGefallen thun? Aber Blitz," fuhr Franzl fort, „die Numplerci hat mich hungrig unddurstig gemacht. Heda, Wirthshaus! Eine Schüssel Türkcnmus oder ein Paar ordent-liche Knödel, vor Allem aber einen Krug Wein, vom besten!"
„So recht!" rief der Silbermüllcr; „die Hand her, Franzl, Du bist ein wackererBub I Die Leut, die frisch bei der Arbeit und beim Essen sind, die mag ich gut leiden."
„Da habt's in beiden Stücken Euren Mann gefunden," lachte Franzl.
Auf diese und ähnliche Weise wurde die Unterhaltung fortgesetzt. Ueberall herrschteFröhlichkeit. Besonders angenehm aber unterhielt sich Franzl mit seiner Nachbarin, derrosenwangigen Leni, die er schon früher gerne gesehen hatte, und der zn lieb er öftersauf die Kirchwcih nach Sterzingen hinüber gekommen war. Auch schien es, daß Lenidem jungen Schützen nicht gerade abgeneigt sei.
Der Silbermüllcr sprach unterdessen dem Wcinkruge tapfer zu und war, wie manzu sagen Pflegt, in seiner rosigsten Laune.
„Hör', Alter," nahm jetzt der Peter Lutzbichl, dessen Nachbar, ein Vogclhändleraus Endach, das Wort: „Du bist ein wohlhabender Mann und hast Dein Schäfleinim Trockenen, — jetzt solltest Du Dich doch einmal um 'n Mann für Deine Lenerlumschauen."
„Hm, sie soll sich selbst umschauen," antwortete der Silbermüllcr, „aber ich glaub'halt immer, daS Mädel mag Keinen."
„Ist das wahr?" fragte Franzl seine Nachbarin.
„Ach, der Vater macht immer so Späß," sagte Leni mit pnrpurrothcn Wangen.
„Na, der Franzl da," fuhr der frühere Nedner schmunzelnd fort, „der wär' sograd' ein gemachter Bub' für sie."
„Ich?" sagte Franzl, dem jetzt plötzlich alles Blut zn Kopf stieg.
„Nun ja!" rief helllachend der Händler, „steh' nur nit so verlegen da, als wüßt'skeine Drei zn zählen."
„Ich bin durchaus nit verlegen," nahm Franzl das Wort, „wenn ich dem Silber-müller und seiner Tochter zuständig bin, so soll er an mir einen Schwicger bekommen,an dem kein Mann in ganz Tirol ungestraft etwas aussetzen soll."
„Potz Blitz! — das geht ja gar auf eine Hochzeit loS!" — rief der der Lenigegenübersitzende Schneidermeister Bocksbart!, und stieß dabei sein volles Weinkrügcl um,daß das edle Getränk über den Tisch in reichlichen Strömen auf Leni's Schürze und dieBeinkleider der Nebensitzenden hinunterfloß.
„Na, und die Kindstanf' ist auch nit mehr fern," brummte Lutzbichl, seine Leder-hose von dem unerwarteten Bade reinigend.
„Hör' Franzl," nahm nach einer Pause der Silbermüller das Wort, „hast Du imGruft ein Aug' auf mein Mädel?"