Ausgabe 
29 (1.8.1869) 31
 
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Ich kann's «it läugnen," sprach Franzl.Deine Leni ist eine wackere, braveDir», und hat auch einen Batzen, und ich mein', wir schickten u»S wohl zusammen,wenn-"

Na, wenn?" fragte der Silbermüller.

Du und Deine Alte einwilliget. Mein Vater hat schon öfters gesagt: Franzh,die Silbermüllcrs Leni wär' ein Weib für Dich, häuslich und fromm und"

Hat er das?" erwiederte der Silbermüllcr.Na, schaust Franzl, Dein Alterist ein wackerer Mann, der seine Sach' immer ordentlich beisammen g'haltcn hat, und ichglaub', sein Bub' wird auch nit aus der Art schlagen. Nun, was meine Eiwilligunganbelangt, die hast Du; jetzt schau halt, wie Du mit den Weibern zurecht kommst."

Vater Silbermüllcr!" rief Franzl,Ihr habt einen Menschen glücklich gemacht.*

WaS? Bist Du bei den Wcibsleuten Deiner Sache schon so gewiß?" rief der, Müller in komischer Verwunderung.Nun, Sonntag über acht Tage sprich in Ster»

; zingen bei mir auf eine Schüssel Knödel ein, da wollen wir weiter von der Sache

^ sprechen."

IEine Hochzeit! Eine Hochzeit!" riefen die Schützen,da muß Einer ein Paar

Schoppen zum Besten geben."

Meinetwegen zehn," rief Franzl, indem er in die Hände klatschte und eine« helle»Juchzer ausstieß.

Da ging abermals die Thüre auf und in die Stube trat ein kleiner Man« i»einem braunen Rocke, schwarzen Unterkleidern und Strümpfen von derselben Farbe.Sein Haupt war fast durchgehend kahl, mit Ausnahme des stark bewachsenen Hinter-theils und eines schwarzen Haarbüschels auf der Mitte des Scheitels, welches auf derStirne in einen Spitz zusammenlief. Sein Antlitz war bleich, verkümmert und volll tiefer Furchen, sein dunkles Auge war voll Feuer und sein Blick durchdringend.

Ist noch Platz für einen Fremden bei Euch?" fragte das Münnlein den Wirth,

; der ihm eben entgegen trat.

,Für keine Maus," antwortete dieser.

Nun, so geh' ich wieder," sprach der Kleine glcichmüthig.Vorerst aber möchfich noch ein Krüglein Wein."

Dös kannst schon haben," antwortete der Wirth und holte das Verlangte.

Hm," brummte der Kleine, indem er mehrere Male nachdenklich den Kopfschüttelte und den Finger auf die spitze Nase legte,es ist doch sonderbar! Hm*

Was hast denn, Alter?" rief da einer der Bauern, die sich auf der Ofenbankbei Bier und Schnaps wohlgeschchcn ließen.

Ei, nichts," versetzte glcichgiltig der Kleine.Da draußen auf dem Wege hierher,gerade dem Kirchensteige gegenüber, fand ich jetzt schon drei Silberbatzen auf der Straßet liegen, je einer zehn Schritte von dem andern. Ich wette, wenn man mit einem Lichte

t genauer nachsehen würde, so müßte man noch mehrere finden. Da seht nur," mit diese»

Worten zeigte er den Bauern einige Silbcrstücke.

He, das ist kurios!" meinten diese;wer muß nur die hier verloren haben?"

' Nicht lange aber, so erhob sich Einer nach dem Andern, und verließ die Stube,

' so daß der Kleine gar bald einen bequemen Platz auf der Ofenbank gefunden hatte.

^ Während sich nun das Münnlein auf seinem Platze breit machte, und ein Krüglein

j Wei» nach dem andern von dem Schenkwirthe begehrte, steckten die Andern ihre Köpfe

zusammen und wechselten mit leiser Stimme ihre Meinungen über den sonderbarenFremden in dem braunen Rocke, der ihre einfältigen Landsleute so in den April geschickt.

Ich habe den Maikäfer schon einmal gesehen," sprach der Silbermüller,es warzu Schwatz, wo er in der Schenke mitten unter Bergknappen saß und ganz erstaunlich' über den Bergbau sprach, daß alle Knappen darüber Mäuler und Ohren aufsperrten."