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„So ist er wohl ein Bergmann, der auf Entdeckungen ausgeht?" — erwiederteder Schenkwirth.
„Ah na," fiel diesem der Lutzbichl in die Rede, „ein Bergmann ist der nit, er istein Doktor. Ich hab' ihn selbst zu Innsbruck beim Sensenschmied getroffen."
„Was falll's Euch ein," sprach gehcimnißvoll der Schneidermeister Bocksbart!. „Ichweiß am besten, wer er ist. Ein Zauberer ist er, ein Hexenmeister. Es sind noch nitvierzehn Tage, als ich ihn mitten unter einem Trupp Zigeuner im Walde fand, mitdenen er ganz friedlich am Feuer saß und sich mit ihnen unterhielt, — wie einer vo«Ihresgleichen."
„Wenn er das ist," erwiederte Franzl, „so werden wir's wohl erfahren." Mitdiesen Worten stand er auf und näherte sich mit seinem Trinkkruge dem Kleinen.
„Nichts für ungut, alter Herr," redete er diesen an. „Ich bring' Dir'S!"
„Lrutias!^ — erwiederte dieser — und nippte etwas Weniges an dem Kruge.„Zum Vergelt hier v»n dem Meinen!" — fuhr er sodann fort, indem er Franzl denseinen darreichte.
Dieser that einen Zug daraus, gab den Krug sodann dem Kleinen zurück, — »ndsetzte das Gespräch folgendermaßen fort:
„Wie mir dort ein Kamerad gesagt hat, — so steigst Du lustig auf unsere»Bergen herum."
„Ja," erwiederte der Kleine, „Eure Berge sind schön, habe keine schöneren in derSchweiz und in Italien gesehen."
„Nicht wahr," sagte Franzl, „und sie enthalten auch wohl viel edle Metalle?"
„Je nun, man findet wohl Goldadern, auch Goldglätt, und goldig KicSerz, sonstKupfer, Blei und Quecksilber."
„So bist Du wohl ein Bergmann? — mit Verlaub zu fragen."
„Zuweilen."
„Und gehst jetzt auf Entdeckungen aus?"
„Wie mau's nimmt," antwortete der Kleine. „Ich sehe mich wohl zuweilen nachden Hirschschwämmen um, und beobachte die Bäume, wo sie zwiselig sind, — auch dieQuellen, ob sich kein kicsartigcr Staub auf ihnen absetzt und wie derlei Observationcsmehr in den Bergbüchern «ngegebcn, aber — Alles nur aus Unterhaltung."
„Hm, — jetzt weißt Du's," brummte der Silbermüller lachend in den Bart.
(Fortsetzung folgt.)
Schlangen-Rache.
Ein Engländer, Namens Barclay, hatte sich mit Spekulationen an Gold- undSilberminen ein ansehnliches Vermögen erworben, und beschloß nach einem längerenAufenthalte in Brasilien sich dort im vorigen Jahre gänzlich anzusiedeln. Er kaufte imnordwestlichen Theile des Landes eine beträchtliche Bodenflächc, die er niit unermüdlichemFleiße aus einer Wilduiß in eine wohnliche Gegend zu verwandeln bemüht war, undwelche bald seine Anstrengungen reichlich zu belohnen versprach. Nach einiger Zeit reisteer zum Vergnügen in seine Heimath, — heirathete dort eine hübsche, junge Dame undführte sie hinüber in sein neues, — freilich nur hölzernes Haus, das er mit allen nurerdenklichen Komforts ausgeschmückt und eingerichtet hatte; eine luftige Veranda führteum das Erdgeschoß und hielt die Zimmer kühl und die Fenster waren bis zum Erdbodengeführt, um sie wie Thüren öffnen zu können. Trotz aller Komforts und trotz der Natur-Schönheiten fühlte sich dir junge Frau nicht glücklich; fortwährend war sie in Aufregungund Furcht vor den großen Insekten, vor den eklen Reptilien, die in Brasilien in sofurchtbarer Menge von der üppigen Natur erzeugt werden.